[Rezension] Marc Elsberg: Blackout - Morgen ist es zu spät

Sonntag, 12. April 2020 | 2 Kommentare
Blackout
Buchcover © Blanvalet Verlag
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800 Seiten | 2012 | Blanvalet Verlag | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

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Stromausfall in Europa: Während die Energieunternehmen um eine Lösung ringen, findet der Italiener Piero Manzano Hinweise auf einen groß angelegten Hackerangriff. Doch niemand will ihm zuhören. Als die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr des Stroms in der Gesellschaft schwindet, beginnt das zivilisierte Zusammenleben zu bröckeln.

Manche Bücher bekommen beim Lesen eine geradezu unheimliche Aktualität: Eingeschränktes öffentliches Leben, Hamsterkäufe und Engpässe bei Produkten, fallende Börsenkurse, überforderte Menschen in bestimmten Branchen: Was klingt wie die Berichterstattung rund um das Corona-Virus wird in "Blackout" plötzlich zum Alltag.
Ein Bewusstsein für die Relevanz einer funktionierenden Stromversorgung stellt sich dabei nur langsam ein: Erst ist "nur" der Strom weg. Kein elektrisches Licht, ausgefallene Ampelanlagen, keine Geräte wie Fernseher und Herd, die eine Steckdose brauchen. Das lässt sich aushalten. Doch damit ist nicht Schluss. Als die Trink- und Abwasserversorgung zusammenbrechen, Lebensmittelkühlsysteme ausfallen, Industrieanlagen nicht mehr arbeiten können, Pumpen an Tankstellen nicht mehr funktionieren und schließlich sogar Telefon- und Internetdienste ausfallen, wird allmählich das gesamte Ausmaß deutlich.
Die Geschichte, die sich in diesem Chaos entspinnt, springt von Szene zu Szene an unterschiedliche Orte der westlichen Welt und zu ganz unterschiedlichen Figuren. Natürlich spielt Piero Manzano, der italienische Hacker, darin eine Rolle. Doch auch Journalist*innen sind dabei, Politiker*innen, Ermittler*innen, Vertreter*innen aus unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen, eine Familie mit Kindern und Renter*innen. Durch dieses breite Spektrum gelingt ein guter Schnitt durch die Gesellschaft, der zeigt, wie unterschiedlich Menschen betroffen sind und wie unterschiedlich sie reagieren.
Mit dieser Vielfalt muss man sich jedoch auch auf eines einstellen: Viele Namen. Die wichtigsten kristallisieren sich mit der Zeit heraus, aber die wenigsten kommen über eine grobe Personenbeschreibung hinaus. In der Fülle an Orten und Personen lässt sich leicht der Überblick verlieren.
Hinzukommt, dass die vielen Details zwar die Überzeugungskraft von "Blackout" fördern. Aber mir persönlich war es stellenweise zu viel. Insbesondere die Lageberichte der politischen Ebene fand ich gleichsam interessant wie langatmig. Knappere Informationen und dafür mehr Fokus auf die Handlung wären mir lieber gewesen.
Nichtsdestotrotz ist die Geschichte spannend und hält immer wieder neue Überraschungen bereit. Wie verworren und am Ende doch absolut logisch die gesamte Handlung konzipiert ist, hat mich tief beeindruckt und ich freue mich schon auf weitere Bücher von Marc Elsberg. Wenn "Blackout" einen Richtwert für die Qualität seiner Geschichten geben kann, kann es nur gut werden!

Fazit

Fiktion trifft Realität: In "Blackout" verknüpft Marc Elsberg Fakten und reale Gefahren mit Fantasie und kreiert ein gleichsam fesselndes wie schockierendes Szenario, das mich schnell in seinen Bann ziehen konnte. Am Ende waren mir manche Erklärungen und Berichte etwas zu langatmig, aber alles in allem hat mich "Blackout" - trotz oder gerade wegen seiner vielen Seiten - wirklich gut unterhalten.
Bewertung_4 von 5 Pergamentfaltern

Zusammenfassung

Positiv Neutral Negativ
  • Realitätsnähe & Glaubwürdigkeit
  • Spannung
  • Meist flüssiger Erzählstil
  • Abwechslungsreiche Geschichte
  • Einbezug vieler verschiedener Bereiche und Menschen
  • stellenweise langatmig

2 Kommentare

  1. Liebe Sarah,

    mein Freund hat das Buch immer noch nicht geschafft *lach Er ist halt kein großer Leser, aber wahrscheinlich wird er es bald müssen, wenn ich im Urlaub öfter zum Buch greife und er ein schlechtes Gewissen bekommt. Zumindest so der Plan.

    Ich verstehe deine Punkte. Ich bin auch ein Handlungs- und Charakterfan, zu viel Details, Hitnegründe, technische und politische Gegebenheiten können sich verlieren in einem Ausmaß, in dem es langatmig wird.
    Mein Freund gefällt das allerdings ziemlich gut.

    Liebe Grüße
    Tina

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    Antworten
    1. Hallo Tina,

      ich glaube, dafür muss man echt der Typ sein. Mir viel es irgendwann schwer, bei allem den Überblick zu behalten. Letztlich war das Szenario super spannend und ich wollte die Details gern festhalten, aber irgendwann ging's nicht mehr.

      Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Plan! Klingt für mich sehr überzeugend *lach*

      Liebe Grüße
      Sarah

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