6 Gründe, warum Spiele gut für unser Wohlbefinden sind

Sonntag, 2. Februar 2020 | 4 Kommentare
Brettspiele und Zauberwürfel
[P]lay is seen as something that children do, so playing is seen as a childish activity not done in the adult world. The message is that if you are a serious person doing serious work, you should be serious.
(Brown 2010, S.145)
Kommt euch das bekannt vor?
Mir auf jeden Fall. Dieses Vorurteil hält sich (leider) noch immer hartnäckig in den Köpfen. Dass Kinder und Jugendliche spielen, ist Usus, aber Erwachsene? Die können doch nicht ernst genommen werden.
Dabei ist Spielen so viel mehr als eine einfache Tätigkeit. Für Kinder wie Erwachsene hat es positive Wirkungen, die nicht unterschätzt werden sollten. Spiele sind gut für unsere Psyche und unser Wohlbefinden. Aus meiner Sicht hat das sechs Gründe.

1. Spielen macht Spaß.

Wem muss das noch erklärt werden? Spiele sind abwechslungsreich, vergnüglich und fordern die Spieler*innen heraus, ohne sie zu überfordern. Der Spielpädagoge Ulrich Baer schreibt dazu treffend:
[Spielen] macht Spaß, es wird von angenehmen Gefühlen begleitet oder ruft sie hervor. Es beansprucht den ganzen Menschen, seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten und seine Gefühle.
(Baer 2012, S.681)

2. Spielen entspannt.

Spiele sind zweckfrei und gerade deswegen losgelöst von allem, was wir im Alltag erledigen und bedenken müssen. Im Spiel geht es nicht darum, wie die Schule oder Arbeit lief, was gerade mal wieder stresst, wie der Kontostand aussieht oder was bis zum Ende des Monats noch bezahlt werden muss. Es geht einfach nur um das Spiel, alles andere ist egal. Damit schafft das Spiel einen Ruhepol im Alltag, der förmlich zur Entspannung einlädt.

3. Spielen beseitigt Langeweile.

Die Spannung gehört zu den sechs Grundmerkmalen eines Spiels. Damit gehören auch Überraschung, Abwechslung, Risiko und Chance zum Spiel - alles Dinge, die das Interesse wachhalten und der Langeweile keine Chance lassen. Um es mit Stuart Browns Worten über das Spiel zu sagen:
It is a cure for boredom.
(Brown 2010, S.17)

4. Spielen befreit von Ängsten.

Hirnforscher*innen fanden heraus, dass durch Spielen Ängste gesenkt bzw. vollständig aufgelöst werden können (Hüther/ Quarch 2016, S. 19).
Gemäß den Grundmerkmalen des Spiels dürfen die Ängste jedoch nicht so stark sein, dass sie den/die Spieler*in vom Spiel ablenken. Der/Die Spieler*in muss noch in der Lage sein, sich in das Spiel vertiefen zu können. Nur dann können sich die positiven Wirkungen des Spiels entfalten.

5. Spielen steigert das Selbstvertrauen.

Im Spiel hat der/die Spieler*in die volle Kontrolle über die Spielwelt und das, was in ihr passiert. Er/Sie kann eigene Fähigkeiten ausprobieren und erfahren, welche Wirkungen die eigenen Taten haben. Diese Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Kontrolle können das Selbstvertrauen der Spieler*innen steigern (Ward-Wimmer 2002, S. 4)

6. Spielen macht glücklich.

Spielen regt die sogenannten "Belohnungszentren" im Gehirn an. Das führt zu einem Empfinden von Freude, Lust und/ oder Begeisterung und trägt damit nicht nur im Moment des Spiels, sondern auch darüber hinaus zur Lebensfreude der Spieler*innen bei (Hüther/ Quarch 2016, S.20).
Indirekt damit verbunden ist eine Studie zum Verhältnis von Wohlbefinden und Verspieltheit, d.h. der Eigenschaft, Situationen so zu gestalten, dass sie für einen selbst und/oder andere vergnüglich sind. Untersucht wurden 4100 Teilnehmer*innen im Alter zwischen 18 und 92 Jahren. Die Forscher*innen fanden heraus, dass „[p]layfulness was […] associated with greater levels of happiness“ (Proyer 2013, S.511). Dies traf auf alle Altersgruppen, abgesehen von den 66- bis 70-Jährigen zu. Warum das so ist, erklärt diese Studie leider nicht. Zudem ist sie eine der ersten zu diesem Thema und ihre Ergebnisse können damit (noch) nicht als allgemeingültig betrachtet werden.

Nichtsdestotrotz: Wer spielt, kennt sicher die positiven Gefühle, die es in einem auslösen kann. Schauen wir uns dann noch die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse an, kann das eigentlich nur in einem Fazit enden: Lasst uns mehr spielen!

Weiterführende Literatur

Im Gespräch

Spielt ihr selbst?
Wenn ja, warum? Fühlt ihr euch dadurch besser oder habt ihr andere Gründe?
Wenn nein, warum nicht?

4 Kommentare

  1. Liebe Sarah,

    solche knackigen Beiträge brauchen wir.
    Ich sollte auch mal wieder die Spielekiste öffnen. Das wird auch bald in die Tat umgesetzt, denn das ein oder andere Spiel ist noch komplett neu.
    Aber ich stimme mit allen Punkten überein.

    Liebe Grüße
    Tina

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    1. Liebe Tina,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Freut mich, dass er dir gefällt <3

      Liebe Grüße
      Sarah

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  2. Hallo liebe Sarah,
    ich danke dir für diesen tollen Artikel! Ich spiele auch unheimlich gerne Spiele. Dass es nun auch so viele positive Aspekte hat, zu Würfel, Karten & Co. zu greifen, verleiht dem Ganzen natürlich nochmal eine gute Argumentation. Wenn mein Mann sich demnächst mal wieder ziert, dann werde ich ihm mal deinen Artikel vor die Nase halten ;o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,

      sehr gerne; freut mich, dass du den Beitrag magst! Ich hoffe, die Argumente können deinen Mann überzeugen.

      Demnächst wird es hier noch ein paar Beiträge zu Sinn und Wirkung von Spielen geben. Vielleicht schaust du dann nochmal vorbei :)

      Liebe Grüße
      Sarah

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