5 medienpädagogische Ansätze

Sonntag, 8. Dezember 2019 | Kommentieren
Buch mit Kerze

Nachdem es beim letzten Mal um die grundlegende Frage ging, was Medienpädagogik ist, möchte ich euch heute einen Einblick in die unterschiedlichen Handlungsansätze der Medienpädagogik geben. Insgesamt gibt es fünf klassische Ansätze mit unterschiedlichen Fokussen und Zielstellungen. Je nach dem, welcher Ansatz verfolgt wird, gestaltet sich die pädagogische Arbeit anders.
Die Ansätze beziehen sich vorrangig auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, da dies traditionell der Schwerpunkt der medienpädagogischen Arbeit ist. Teils in abgewandelter Form können sie aber auch für alle anderen Zielgruppen angewendet werden.

1. Bewahrende Pädagogik

Der bewahrpädagogische Ansatz legt seinen Fokus auf die Risiken und Gefahren durch Medien. Das können z.B. Süchte oder die Konfrontation mit Gewalt und Pornografie sein, aber auch Haltungsschäden, Entwicklungsschwierigkeiten oder Verhaltensstörungen.
Ziel dieses Ansatzes ist es zum einen, zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche mit ungeeigneten Medieninhalten in Berührung kommen. Zum anderen soll der Medienkonsum so gering wie möglich gehalten werden. Kinder und Jugendliche sollen sich lieber anderweitig in ihrer Freizeit beschäften, statt ihre Zeit mit Medien zu verbringen.
Beispiele für diesen Ansatz finden sich in den Initiativen des Jugendmedienschutzes (z.B. FSK- und USK-Beschränkungen) und in kindgerechten Medienangeboten (z.B. Suchmaschinen speziell für Kinder).

2. Reparierende Pädagogik

Anders als die bewahrende Pädagogik geht die reparierende Pädagogik davon aus, dass Einflüsse durch Medien nicht zu vermeiden sind. Zum Beispiel können Eltern ihren Kindern zwar den Medienkonsum zuhause verbieten, doch im Kindergarten, in der Schule oder bei Freund*innen, die kein komplettes Medienverbot umsetzen, werden sie dennoch mit Medien in Kontakt kommen. Der reparierpädagogische Ansatz verfolgt daher das Ziel, Kindern und Jugendlichen Verarbeitungshilfen für ihre Medienerfahrungen anzubieten.
Kinder und Jugendliche müssen lernen, mit dem, was sie in Medien gesehen oder erfahren haben, umzugehen. Sie dürfen mit negativen Medienerfahrungen (z.B. beängstigenden Inhalten) nicht alleingelassen werden. Das kann ansonsten zur Eskalation bspw. in Form von Verhaltensstörungen führen.
Methoden der reparierenden Pädagogik sind u.a. Gespräche über die Medienerfahrungen und angeleitete Rollenspiele, mit denen Erfahrenes verarbeitet werden kann und die dabei helfen sollen, das eigene Verhalten zu reflektieren und Fragen zu klären.

3. Aufklärende Pädagogik

Ziel dieses Ansatzes ist es, Kindern und Jugendlichen möglichst viel Wissen über die Funktionsweisen von Medien zu vermitteln. Die Wirkungen von Medien sollen abgeschwächt werden, indem Kinder und Jugendliche lernen, Medien zu "durchschauen".
Im Rahmen des Ansatzes werden Medien als Kommunikationsmittel betrachtet, das durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beeinflusst wird. Folglich können Medien nicht immer zu hundert Prozent glaubwürdig sein und müssen kritisch hinterfragt werden.
Z.B. durch Analysen von Medieninhalten und durch Besuche bei Medienunternehmen sollen Kinder und Jugendliche "hinter die Kulissen schauen" können und so dazu befähigt werden, Medien kritisch zu betrachten. Sie sollen nicht nur glauben, was Medien ihnen zeigen, sondern lernen zu hinterfragen und Gesehenes und Erfahrenes zu bewerten und einzuschätzen.

4. Alltagsorientierte, reflexive Pädagogik

Die vorangegangenen drei Ansätze versuchen eher, den Medienkonsum und das damit verbundene Verhalten von außen zu beeinflussen. Die alltagsorientierte Pädagogik setzt dagegen direkt am Medienalltag von Kindern und Jugendlichen an und versucht, Kinder und Jugendliche zu einem bewussten Umgang mit Medien anzuregen.
Eine grundlegende Frage ist "Warum mache ich das und will ich das wirklich?". Ausgehend von einer solchen Fragestellung sollen Kinder und Jugendliche ihren Medienalltag und -konsum reflektieren und sich bewusst für oder gegen ein bestimmtes Verhalten entscheiden. Zur Unterstützung können bsp. Medientagebücher oder Diskussionen zu Lieblingsmedien und Routinen im Umgang mit Medien geführt werden.

5. Handlungsorientierte, partizipatorische Pädagogik

Im Rahmen dieses Ansatzes werden Kinder und Jugendliche zu "Prosumenten", d.h. sie konsumieren nicht nur passiv Medien, sondern sie produzieren sie auch aktiv und erschließen sich auf diesem Wege die Medienwelten.
Um eigene Medien gestalten zu können, müssen sich Kinder und Jugendliche die Funktionsweisen, Regeln und Wirkungen von Medien erschließen. Auf dieser Grundlage können sie dann kreativ tätig werden und z.B. eine eigene Radiosendung, eine Zeitung, einen Film oder eine Webseite gestalten.
Die handlungsorientierte Pädagogik geht davon aus, dass Kinder und Jugendliche, die Medien auf diese Weise kennenlernen, diese besser verstehen und kritischer hinterfragen können, als solche, die Medien immer nur konsumieren. Zudem ist die eigene kreative Arbeit eine Anregung und ein Ansatzpunkt dafür, sich mit weiteren wichtigen Themen der Medienwelten wie Datenschutz und Urheberrecht auseinanderzusetzen.

Um ganzheitliche und möglichst passende Angebote machen zu können, müssen Medienpädagog*innen stets anhand der Situation und der Zielgruppe abwägen, welcher Ansatz am passendsten ist. Medienpädagog*innen sind damit in den meisten Fällen keine Vertreter*innen von einem einzigen der fünf Ansätze, sondern haben in ihrer Arbeit mehr oder weniger mit allen fünf Ansätzen zu tun.

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