Was ist Medienpädagogik?

Sonntag, 24. November 2019 | 8 Kommentare
Buch mit Kerze und Blüten

Pergamentfalter ist ein Spiegel meines Lebens und meiner Interessen. In letzter Zeit befasse ich mich, bedingt durch meine Arbeit, wieder verstärkt mit verschiedenen Themen der Medienpädagogik. Insbesondere das Spiel, egal in welcher seiner vielen Facetten, lässt mich seit nunmehr zwei Jahren nicht mehr los und beschäftigt mich in diversen Situationen.
Nach einigem Überlegen (und einer Umfrage auf Twitter) habe ich mich dazu entschlossen, dieses Interesse auf meinem Blog widerzuspiegeln und demnächst nicht nur über Bücher und damit verbundene Themen und über das Bloggen zu schreiben, sondern hin und wieder auch über Medienpädagogik. Letztlich ist das auch gar nicht so weit hergeholt: Der Blog selbst ist ein Medium und schon so manches Mal waren Blogs ein gutes Beispiel für medienpädagogische Arbeiten.
Um in dieses neue Themenfeld zu starten, werde ich heute mit einer ganz grundlegenden Frage anfangen:

Was ist Medienpädagogik?

Medienpädagogik ist, wie die Bezeichnung bereits verrät, ein Teilbereich der Erziehungswissenschaften, der sich mit Medien beschäftigt. Um ihn genauer fassen zu können, ist es zunächst notwendig, den Medienbegriff zu klären.

Was sind Medien?

Medien sind grundsätzlich vermittelnde Elemente. In der Kommunikation dienen sie der Weitergabe von Informationen und sind damit in ihrer heutigen Definition vor allem Kommunikationsmittel.
Eine gängige Variante, diese zu unterteilen, ist die Differenzierung zwischen Printmedien, d.h. gedruckten Werken wie Zeitungen und Büchern, und den sog. Neuen Medien, die mit der Digitalisierung Einzug hielten und die Gesamtheit aller digitalen Medien und insbesondere das Internet meint. Ebenfalls sehr gängig ist der Begriff der Massenmedien, der alle Medien umfasst, die von einer Vielzahl an Menschen konsumiert werden, und der Begriff der sozialen Medien.

Der Begriff der Medienpädagogik

Seit der Medienpädagogik-Begriff in den 1960er Jahren geprägt wurde, sind eine Vielzahl von Definitionen entstanden, die versuchen, diese pädagogische Teildisziplin vollends zu greifen und zu verdeutlichen, was Medienpädagogik eigentlich genau ist. Allerdings gibt es bis heute meines Wissens nach nicht die eine Definition. Vielmehr gibt es verschiedene Herangehensweisen, Deutungsversuche und - je nach Blickwinkel - Meinungen, was Medienpädagogik ist oder zu sein hat.
Diese gesamte Diskussion möchte ich hier nicht ausbreiten, denn es ist immer noch ein Blogbeitrag und keine wissenschaftliche Diskussion. Stattdessen möchte ich kurz auf die Begriffsdeutung eingehen, die ich für mich als am treffendsten betrachte.
Demnach ist die Medienpädagogik darauf ausgerichtet, festzustellen,
  • welche Bedeutung Medien für die pädagogische Arbeit und in der Gesellschaft haben (können),
  • wie Menschen mit Medien umgehen und wie sie auf sie wirken,
  • wie Medien in der pädagogischen Arbeit sinnvoll eingesetzt werden können
  • und wie Menschen zum sinnvollen, kreativen und auch kritischen Umgang mit Medien befähigt werden können.
Dabei sieht sich die Medienpädagogik heute einem sehr großen, sehr differenzierten Handlungsraum gegenüber. Waren es früher nur Medien wie Print, Funk und Film, die betrachtet werden sollten, kommen heute all die Themen hinzu, die mit der Digitalisierung auftraten: Von der reinen Internet(be)nutzung über soziale Medien bis zu Coding, Robotik und künstlicher Intelligenz deckt sie ein enormes Themen- und Technikspektrum ab.

Generell kann sich Medienpädagogik an alle Zielgruppen wenden, unabhängig von z.B. Alter, Bildung, kultureller und sozialer Herkunft. Ein Großteil dieser Zielgruppen ist heute bereits ständig online und dauerhaft digital vernetzt, was weitere Herausforderungen für die Pädagogik mitbringt. Digitale Räume haben eine eigene Dynamik und mit der immer neuen Entstehung neuer digitaler Angebote ist die Medienpädagogik gezwungen, passende Konzepte zu erarbeiten, um ihren Aufgaben und Zielen gerecht zu werden.

Angesichts dieser Vielfalt ist es üblich, dass Medienpädagog*innen sich auf bestimmte Teilgebiete spezialisieren und nicht (mehr) versuchen, alle möglichen Bereiche abzudecken. Diese Spezialisierung trifft zum einen die Themen und Techniken, mit denen Medienpädagog*innen arbeiten: Während manche sich z.B. eher um die kreative Arbeit mit Medien kümmern, sind andere Expert*innen in Bereichen wie Jugendmedienschutz, sozialen Medien, Gaming oder Coding und Robotik.
Zum anderen bezieht sich die Spezialisierung auch auf die verschiedenen Teildisziplinen der Medienpädagogik. Zu denen gibt es wiederum verschiedene Ansätze, was nun zur Medienpädagogik gehört und wie es zu bezeichnen ist. Ich beschränke mich hier auf die folgenen fünf Teildisziplinen, die ich als gängig kennengelernt habe:

Mediendidaktik

Didaktik meint die Lehre vom Lehren und Lernen. Mediendidaktik bezieht sich folglich auf Lehr- und Lernprozesse mit Medien im Unterricht, sowie auf die medienbezogene Wissensvermittlung und deren Effektivität in Lehrsituationen (z.B. an der Schule und der Universität).

Medienerziehung

Die Medienerziehung umfasst die praktische pädagogische Arbeit mit Medien. Ziel der Medienerziehung ist die Vermittlung und Verbesserung der Medienkompetenz, d.h. der Fähigkeit zum kompetenten, selbstbestimmten Umgang mit Medien.

Medienforschung

Medienforschung ist das Gegenstück der Medienerziehung und benennt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit medienpädagogischen Themen.

Medienkunde

Dieses Teilgebiet beschäftigt sich vor allem mit den organisatorischen und technischen Hintergründen von Medien. Es geht dabei vor allem darum, wie Medien erstellt werden und wie sie auf Menschen wirken.

Medienkritik

Die Medienkritik ist als Teilgebiet der Medienpädagogik noch nicht ganz so weit verbreitet. Hierbei geht es vor allem darum, Menschen dazu zu befähigen, sich kritisch mit Medien und der eigenen Mediennutzung auseinanderzusetzen.

Die Teilgebiete gehen vielfach fließend ineinander über und können nicht klar voneinander getrennt werden. Andere Gebiete, die mitunter als Teilgebiete der Medienpädagogik betrachtet werden, sind z.B. die Mediensozialisation und die Medienpsychologie. Umgekehrt werden die genannten Teilgebiete auch des Öfteren als eigenständige Disziplinen angesehen.

Im Gespräch

Soweit dieser erste Einblick in die Welt der Medienpädagogik. Weitergehen wird es demnächst mit verschiedenen medienpädagogischen Ansätzen, meinen Praxiserfahrungen und meinem absoluten Lieblingsthema: Dem Spiel.
Bis dahin: Hinterlasst mir gern eure Meinungen, Anregungen, Fragen oder Kritik in den Kommentaren!

8 Kommentare

  1. Hallo Sarah,

    mit dem Thema Medien hat ja nun jede(r) im täglichen Leben zu tun. Aber in das Feld der Medienpädagogik habe ich bisher gar keine Einblicke bekommen.
    Ganz passend ergibt sich für mich wahrscheinlich die Gelegenheit, meine private Auseinandersetzung mit den Stolpersteinen und meine Recherchen dazu (hauptsächlich im Internet)in einem Projekt der Volkshochschule zur Weiterbildung einzusetzen. Genaueres weiß ich noch nicht, aber ich denke, mehr Informationen über Medienpädagogik können mir da auf jeden Fall nützlich sein.

    Außerdem ist das für den eigenen Medienkonsum privat und als Bloggerin (Stichwort Medienkritik) natürlich auch sehr wertvoll.

    Deshalb freue ich mich schon auf weitere Beiträge zu diesem Thema!

    Liebe Grüße
    Gabi

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    1. Hallo Gabi,

      danke dir für deinen Kommentar! Das Projekt klingt spannend! Magst du davon mehr berichten, wenn du Genaueres weißt?

      Liebe Grüße
      Sarah

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  2. Hallo Sarah,

    ein tollen Überblick/ Einstieg zur Medienpädagogik, den Du da gegeben hast. :-)

    Ich habe zu den Grundlagen der Medientheorie mal ein ebook verfasst:

    Medientheorie kurz und knapp: eine Einführung http://www.amazon.de/dp/B00SBDQ91M/ref=cm_sw_r_cp_apa_i_Vwa3DbZX9FYAZ

    Liebe Grüße,

    Tobias

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    1. Hallo Tobias,

      danke dir für deinen Kommentar!

      Liebe Grüße
      Sarah

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  3. Hallo Sarah,

    ich bin grade über die Kommentier Woche von Elizzy bei dir reingestolpert ;)

    Sehr interessant, danke für diesen Einblick. Klar, Medien begleiten uns täglich, doch wer macht sich schon Gedanken über diesen Fachbereich? Also wenn nicht in deinem Bereich arbeitet oder studiert? Ich wusste nicht mal das es den überhaupt gibt. Also wie ich es jetzt hier erfahren habe. Ich lerne gerne immer wieder neues ;) Darum danke für deinen Beitrag

    Liebe Grüsse Alexandra

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    1. Hallo Alexandra,

      danke dir für deinen Kommentar!
      Ehrlicherweise kannte ich den Bereich anfangs auch nicht und bin da eher zufällig durch persönliche Interessen und passende Kurse im Studium reingestolpert. Mittlerweile scheint die Medienpädagogik aber immer bekannter zu werden - was eigentlich längst überfällig ist, wenn man sich die (kaum vorhandene) Medienkompetenz vieler Menschen mal anschaut.

      Liebe Grüße
      Sarah

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  4. Hallo Sarah,
    ein sehr interessanter Text. Ich habe mich während meines Studiums viel mit Medienphilosophie auseinandergesetzt. Vor allem der zweite Punkt, also der Umgang mit Medien, hat mich schon immer fasziniert. Die Medien formen unsere Welt mittlerweile mehr als unsere tatsächliche Wahrnehmung. Es ist schon gruselig, aber gut Menschen zu sensibilisieren.
    Grüße, Katharina von kathakritzelt.com

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    1. Hallo Katharina,

      genau aus diesem Grund (und ein paar weiteren) habe ich mich für dieses Gebiet entschieden. Es geht heute einfach nicht mehr ohne, aber gleichzeitig muss der Umgang mit Medien auch gelernt sein, sonst endet es im Disaster.

      Liebe Grüße
      Sarah

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