Wie logisch muss eine Fantasy-Welt sein?

Sonntag, 20. Oktober 2019 | 2 Kommentare
Zapfen und Blumen vor einem Buch

Ein Lavasee mitten im Eis, trockenes Wasser, fliegende Kühe, falschherum wachsende Bäume und drei Sonnen, von denen zwei am Tag scheinen und eine in der Nacht: Was in unserer Welt nur für Kopfschütteln sorgt, kann in einer Fantasy-Welt vollkommen normal sein. In ihr kann es Magie und übernatürliche Wesen geben und physikalische Gesetze können außer Kraft gesetzt sein. Im Grunde ist in der Fantasy alles nur Erdenkliche möglich.
Nichtsdestotrotz findet sich in Rezensionen zu Fantasy-Werken immer mal wieder der Vorwurf, die Welt sei unlogisch gewesen. Scheinbar sind den Möglichkeiten also doch Grenzen gesetzt. Aus berechtigten Gründen kann man sich daher die Frage stellen:

Wie logisch muss eine Fantasy-Welt eigentlich sein?

Grundsätzlich stellt sich in der Fantasy die Frage, wessen Logik eigentlich in Frage gestellt werden muss. Die der Welt, die in sich schlüssig ist, aber nicht zu den Erwartungen der Leser*innen passen? Oder die der Leser*innen, die sich nicht mit den Gesetzen verträgt, die in der Fantasy-Welt gelten? Oder finden sich am Ende doch in der Logik der Fantasy-Welt Brüche, die sie unglaubwürdig werden lassen?
Fantasy-Welten sind stets ein Balanceakt. Auf der einen Seite sollen diese Welten anders, fantastisch sein. Es wird geradezu erwartet, dass sie sich von der Realität unterscheiden. Auf der anderen Seite funkt beim Lesen immer wieder unser reales Logikverständnis dazwischen: Wenn z.B. plötzlich physikalische Gesetze außer Kraft gesetzt werden, weckt das Zweifel an der Logik der Welt.

Erklärungen und innere Logik

Meiner Meinung nach kann in Fantasy-Welten grundsätzlich alles möglich sein. Auch außer Kraft gesetzte physikalische Gesetze. Die Frage ist für mich lediglich, wie die Welt dargestellt wird. Wenn mir gute Erklärungen geliefert werden, warum etwas so ist, wie es ist, kann das funktionieren. Wenn die Welt nach einer eigenen Logik funktioniert, die sich von meiner unterscheidet, aber schlüssig ist, kann das ebenso funktionieren.
Problematisch wird es erst, wenn sich die einmal dargestellte Logik nicht durch die gesamte Geschichte zieht. Wenn Wasser auf den ersten 300 Seiten grundsätzlich staubtrocken ist, braucht es eine sehr gute Erklärung, warum eine Figur auf Seite 301 durch Wasser plötzlich nass wird. Wenn mit Magie bisher nur Gegenstände verschoben werden konnten, brauche ich einen Grund, warum damit auf einmal jemand wieder zum Leben erweckt werden kann. Sind die Erklärungen überzeugend, kann auch dieser Bruch funktionieren. Wenn ich jedoch merke, dass die Welt immer so zurechtgebogen wird, wie sie für den Verlauf der Geschichte gerade gebraucht wird, stört mich das.

Etwas fehlende Logik darf sein

Trotzdem bin ich bereit, kleine Logiklücken zu verzeihen. Wenn Wasser überall trocken ist, aber an einer bestimmten Stelle in der Welt ist es nass, kann ich das akzeptieren, auch wenn es keine weiteren Erklärungen dazu gibt.
Ich stelle mir dann immer die Frage, wie viel ich von unserer Welt verstehen würde, wenn ich nur einen kurzen Blick darauf werfen und für x Seiten einer Figur durch diese Welt folgen würde. Ich könnte mich z.B. fragen, warum Wasser immer nach unten fließt, warum Menschen nicht fliegen können, warum manchmal Blitze über den Himmel zucken oder woher das laute Donnergrollen kommt. Selbstverständlich tue ich es nicht, weil ich die Erklärungen dafür kenne, aber würde ich es tun, wenn ich die Naturgesetze unserer Welt nicht kennen und nur eine Geschichte über diese Welt lesen würde? Vermutlich. Es sei denn, der/die Erzähler*in der Geschichte würde mir die Gesetzmäßigkeiten verraten.
Auf den ersten Blick ist unsere Welt nicht immer logisch, daher erwarte ich es auch nicht von einer Fantasy-Welt. Es ist okay, wenn nicht immer alles erklärt wird und Lücken bleiben. Für mich macht das einen Teil der waschechten Fantasy aus - nicht alles verstehen können, aber trotzdem davon verzaubert zu werden.

Eine Antwort

Letztendlich kann ich für mich sagen: Eine Fantasy-Welt sollte so logisch wie möglich und kann so unlogisch wie nötig sein. Ich brauche keine 100%ige Logik. Solange für mich deutlich wird, dass diese Welt nach anderen Gesetzen funktioniert und diese Gesetze nicht von Szene zu Szene neu definiert werden, finde ich Fantasy-Welten in Ordnung. Auch wenn manche Fantasy-Welten mit ihren Gesetzen die Vorstellungskraft ganz schön strapazieren.

Im Gespräch

Wie steht ihr zur Logik in Fantasy-Welten?
Muss für euch alles einen Sinn haben oder könnt ihr auch Logiklücken akzeptieren?

2 Kommentare

  1. Liebe Sarah,

    spannendes Thema!
    Ich bin ehrlich, ich mag es gar nicht, wenn ich die Welt nicht nachvollziehen kann. Mir gefällt es einfach den background der Welt zu verstehen und das sollte mir der Autor/ die Autorin schon geben. Schließlich kann ich es schlecht in einem Lexikon nachschlagen oder googlen, es sei denn, es gibt zur Welt eine Homepage mit diversen Informationen. Alles andere lässt mich unbefriedigt zurück.
    Natürlich lasse ich Kleinigkeiten durchgehen, aber wenn es mehrfach vorkommt und ich es einfach nicht verstehe, bekomme ich die Krise.

    Liebe Grüße
    Tina

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    1. Hallo Tina,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Liebe Grüße
      Sarah

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Vielen Dank für deinen Kommentar!

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