Rezensionsexemplare versteuern?

Sonntag, 25. August 2019 | 12 Kommentare
Gesetzestexte neben Kerze

Denkt ihr beim Bloggen eigentlich an eure Steuererklärung?

Ich habe es bislang nicht gemacht. Schließlich ist der Blog mein Hobby. Ich verdiene kein Geld damit, habe kein Gewerbe dafür angemeldet und plane auch nicht, daran etwas zu verändern. Hin und wieder landet zwar ein Rezensionsexemplar in meinem Briefkasten, aber das ist quasi meine Arbeitsgrundlage - und ohnehin: Es ist ein Buch. Keine wöchentlichen oder monatlichen Buchpakete. Keine teuren Sonderanfertigungen. Einfach nur ein normales Buch, das auf Wunsch der Verlage nicht einmal verkauft werden soll. Eine Arbeitsgrundlage eben.

Warum nur "bislang"?

Vor ein paar Tagen hat mich dieser Beitrag jedoch zum Grübeln gebracht: Einnahmen als Blogger richtig versteuern. Der Beitrag ist bereits von 2016 und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, wie ich darauf gekommen bin, aber Fakt ist: Darin erklärt der Steuerberater Markus Deutsch, dass Blogger*innen nicht nur Geld, das sie verdienen, sondern auch jegliche Sacheinnahmen versteuern müssen.

Was sind Sacheinnahmen?

Das deutsche Einkommensteuergesetz sagt dazu in §8 (2) folgendes:
Einnahmen, die nicht in Geld bestehen (Wohnung, Kost, Waren, Dienstleistungen und sonstige Sachbezüge), sind mit den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen.
Im Klartext: Unter Sacheinnahmen zählen alle Einkünfte, die kein Geld sind. Das können z.B. Geschenke und Testprodukte sein. Und die müssen versteuert werden. Als Wert wird dafür angesetzt, was das Produkt regulär im Handel kostet.

Sacheinnahmen doch nicht versteuern?

Auf dem Blog des Steuerberaters Jonas Monschein habe ich den Beitrag "Müssen Blogger/Influencer Steuern zahlen?" entdeckt, in dem es ebenfalls um Sacheinnahmen geht. Herr Monschein schildert darin drei Situationen, in denen der obige Paragraph doch nicht gilt und auf Sacheinnahmen keine Steuern gezahlt werden müssen.
  • Wenn das Produkt, um das es geht, zurück an das Unternehmen geschickt wird. Dann kann man schließlich nicht von Einnahmen sprechen.
  • Wenn der Wert unter 10 Euro liegt.
  • Wenn das Unternehmen das Produkt bereits pauschal versteuert hat. In dem Fall benötigt man als Blogger*in allerdings einen Beleg. Das Unternehmen muss einem schriftlich mitteilen, dass bereits Steuern auf das Produkt gezahlt wurden, und diesen Beleg muss man aufheben, um ihn im Zweifel beim Finanzamt vorlegen zu können.

Sind Rezensionsexemplare Sacheinnahmen?

Der Definition von Sacheinnahmen nach ja. Rezensionsexemplare werden einem kostenfrei zugeschickt und verbleiben in den allermeisten Fällen im Besitz des/der Blogger*in. Kurzum: Es ist eine Einnahme.
Rezensionsexemplare müssten demzufolge mit dem Wert, zu dem das Buch verkauft wird, versteuert werden. Es sei denn, das Buch kostet im Handel weniger als 10 Euro, wird nach dem Lesen an den Verlag zurückgeschickt oder wurde bereits vom Verlag versteuert.

Wenn es also so klar ist, warum hört man in der Blogosphäre nichts darüber?
Vielleicht, weil es doch nicht so klar ist.

Als ich Google zu dem Thema befragte, fand ich kaum Beiträge, die sich explizit mit Rezensionsexemplaren beschäftigen. Einer der wenigen konkreten Beiträge stammt aus dem Jahr 2016, wurde von der Buchbloggerin Tina von Mein Buch, meine Welt verfasst und spricht sich eindeutig für die Versteuerung aus.
Auf der anderen Seite fragte unter dem eingangs verlinkten Interview mit dem Steuerberater Markus Deutsch jemand nach Rezensionsexemplaren und die dortige Antwort lässt sich eher kontra Versteuerung verstehen. Zumindest seien bislang keine Probleme mit den Finanzämtern bekannt. Ich selbst deute das so, dass Finanzämter bislang noch keine Angabe forderten.

Sind Rezensionsexemplare überhaupt Einnahmen?

Auf meiner Suche nach eindeutigeren Antworten stieß ich auf einen Beitrag, der die gesamte Einstufung von Rezensionsexemplaren als Einnahme in Frage stellt. U.a. wird darin angeführt, dass Verlage meist nicht mitteilen, was mit dem Rezensionsexemplar nach der Besprechung geschehen soll: Zurückschicken, weil das Buch nur geliehen ist? Behalten, weil es ein Geschenk ist? Für Verlage ist das schlicht irrelevant, da sie an der Besprechung/Werbung interessiert sind. Für die Blogger*innen ist damit gleichzeitig nicht eindeutig geklärt, ob es nun eine Leihe auf unbestimmte Zeit oder eine Einnahme ist.
Ebenfalls wird damit argumentiert, dass es keine festen Vorgaben für die Besprechung gibt und der/die Blogger*in die Art und den Umfang und ob es überhaupt eine Besprechung gibt, selbst entscheidet. Müsste es nicht zumindest eine grobe Vorgabe geben, wenn das Buch eine Einnahme sein sollte?

Fazit

Letztendlich bin ich trotz vielem Suchen nicht wirklich schlauer geworden, habe aber eine Frage mehr, die mich grübeln lässt.

Müssen Rezensionsexemplare nun versteuert werden oder nicht?

Eine eindeutige Antwort habe ich nicht gefunden. Die einen meinen ja, die anderen nein und viel zu oft klingt an, dass das Thema nicht abschließend geklärt ist - wenn es denn überhaupt eine Rolle für die Finanzämter spielen sollte.

Ich für meinen Teil muss zudem an die 410 Euro denken, die man jährlich steuerfrei aus freiberuflichen und gewerblichen Tätigkeiten einnehmen darf. Für diesen Betrag muss auch keine Steuererklärung angefertigt werden. (Quelle)
Von diesem Betrag sind meine Rezensionsexemplare zusammengerechnet weit entfernt. Ich vermute daher, dass ich sie nicht angeben muss. Von Sicherheit kann dabei aber keine Rede sein.

Im Gespräch

Wie steht ihr zu diesem Thema?
Habt ihr darüber überhaupt schon einmal nachgedacht?

12 Kommentare

  1. Huhu!

    Ich hab da auch schon mal mit jemand drüber gesprochen, er meinte nein ;)

    In dem Beitrag, den du oben verlinkt hast (EInnahmen als Blogger richtig versteuern) wird gesagt:

    Der geldwerte Vorteil, den der Blogger durch diese Sacheinnahmen hat, lässt sich durchaus feststellen – beispielsweise indem man den Anschaffungspreis oder Mietpreis der Ware oder der Reise am Markt zugrunde legt. Nehmen wir an, ein Blogger hat Honorare von 10.000 Euro und Sacheinnahmen von 3.000 Euro, so hat er insgesamt Einnahmen von 13.000 Euro, die er versteuern muss.

    Wie du schon selbst sagst, sind "unsere" Einnahmen hier weit, weit unter diesem Nieveau und das Stichwort ist "geldwerter Vorteil". Das heißt, so wurde es mir erklärt, würde ich mir die Bücher auch kaufen ohne sie vom Verlag zu bekommen? Ja.
    Also liegt kein geldwerter Vorteil vor, wie zum Beispiel bei einer Reise die mir extra gezahlt wird oder ähnliches. Auf das verlasse ich mich auch erstmal, weil es eben so ungeaue Formulierungen und Aussagen gibt. Bei einem Buch pro Monat glaub ich nicht dass das irgendwen interessiert - meine Meinung ;)

    Ich denke, wenn es anders wäre, hätten wir schon längst was darüber gehört.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hey!

      Mit dem geldwerten Vorteil würde ich nach dem, was ich gelesen habe, nicht mehr (für sich alleinstehend) argumentieren, da dieser rein rechtlich erstmal nur was ist, was vom Arbeitgeber gegeben wird. Davon kann bei Blogger*innen allerdings keine Rede sein.

      Geführt wird die Diskussion über Sacheinnahmen auch fast ausschließlich auf Basis des Begriffs Einnahme und der beginnt theoretisch ab dem 1. Euro. Dann besteht noch die Freigrenze bis 410 Euro, aber was darüber anfällt, müsste wohl angegeben werden.

      Dass wir davon noch nichts gehört haben bzw. dass es noch nicht weiter diskutiert wurde, muss nicht unbedingt etwas mit der fehlenden Relevanz zu tun haben. Es kann auch einfach sein, dass die Blogger-/Influencer-Community für die Finanzbehörden noch recht neu und wenig betrachtet ist. Große Blogger*innen müssen ihre Einnahmen ja bereits versteuern und ich denke, hier gilt eigentlich "gleiches Recht/ gleiche Pflicht für alle". Nur dass wir kleinen Blogger*innen (noch) nicht sonderlich im Fokus stehen.

      Liebe Grüße
      Sarah

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    2. Welche "großen Bloggerinnen" meinst du denn damit? Bzw. haben die das direkt gesagt? Sind das auch Buchblogger?

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    3. Konkrete Beispiele wurden in den Beiträgen, die ich gelesen habe, nicht genannt, aber es geht meist um Blogger*innen, die ein Gewerbe oder eine Freiberuflichkeit haben und die sich in den "rentablen" Blogfeldern wie Beauty und Reisen bewegen.

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    4. Ah ok, danke. Das dachte ich mir, denn da geht es eben dann doch schon um andere Größenordnungen. Ich denke da muss man schon einen Unterschied machen.

      Was Moni unten geschrieben hat fand ich auch gut, mit dem Kosten/Nutzen Aufwand den man dann aufrechnen muss - ich denke, da würden wir dann eh draufzahlen :D

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  2. Hey Sarah,

    Ich hatte aufgrund deines Tweets dann auch nochmal recherchiert und bin so wie du zu keinem eindeutigen Ergebnis bekommen. Ich hab leider keine Quelle mehr, aber dabei bin ich auch über den Begriff Liebhaberei im Steuerbereich gestolpert. Wenn man sich dazu entschließt, die Rezensionsexemplare zu versteuern, dann muss man ja auch ein Gewerbe für seinen Blog haben und dementsprechend irgendeine vereinfachte Form von Gewinn- und Verlustrechnung machen und da würden dann für mich auch die Kosten reinfallen, die ich ausgebe, um zu Buchmessen zu fahren, Hotelübernachtung, etc. Was da dann genau alles abgesetzt werden kann, habe ich keine Ahnung, aber alles in allem, würden die meisten Blogs, die ja eh eigentlich nur hobbymäßig betrieben werden, einen Verlust machen. Das Finanzamt kann dann wohl nach einer gewissen Zeit sagen, bei diesem Gewerbe liegt Liebhaberei und dementsprechend keine Gewinnerzielungsabsicht vor und dann dürfen die Verluste nicht mehr geltend gemacht werden. Das Blog ist dann offiziell ein Hobby.
    Oft wird ja auch als Tipp gegeben, dass man bei seinem zuständigen Finanzamt nachfragen soll und da liest man dann ja auch immer wieder unterschiedliche Aussagen, die einen sagen, Gewerbe muss angemeldet werden, andere wiederum nee muss nicht.
    Es wäre sehr interessant, wenn sich hier auch einige Stimmen melden würden, die ein Gewerbe für ihren Blog angemeldet haben. Gibt es Blogger, die schon mehrere Jahre mit Gewerbe bloggen und denen dann gesagt wurde, dass das Liebhaberei ist was sie betreiben? Oder bei denen das eben nicht der Fall ist, die vllt sogar Gewinn mit dem Blog erzielen? Beim Buchblog habe ich ehrlich gesagt, noch nie davon gehört, aber das heißt ja nicht, dass es das nicht gibt.

    LG, Moni

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    1. Hey Moni,

      ob durch die REs zwingend ein Gewerbe notwendig wird, würde ich nicht mit Sicherheit sagen. Das Schreiben von Rezensionen zählt meines Wissens nach in den journalistischen bzw. freiberuflichen Bereich. Gewerblich wäre nur, was nicht in die Kategorien der Freiberuflichkeit passt, z.B. Anzeigenverkauf/ Sponsored Posts, Einnahmen durch Werbung etc. Wer beides macht, müsste trennen. Dann würde das Schreiben von Rezensionen (und m.M.n. die zugehörigen REs) als Freiberuflichkeit eingestuft und versteuert werden und der Rest müsste gewerblich behandelt werden.

      Ich hoffe auch, dass sich jemand äußert, der/die schon mit dem Thema "Blog und Finanzamt" in der Praxis Berührungspunkte hatte und vielleicht etwas Licht ins Dunkel bringen kann.

      Vielen Dank für deinen Kommentar und liebe Grüße!
      Sarah

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    2. Für mich gehörte das irgendwie immer zwingend zusammen, weil es ist ja ein Nebenerwerb und hat mit deinem Hauptjob ja gar nichts zu tun, aber gut, da kann ich jetzt auch falsch denken. Für mich war das ein Nebenerwerb, wo du quasi bei dir selber angestellt bist.
      Zum Thema Freiberufler müsste ich nochmal recherchieren. Ich meine, da gibt es eine gute Begründung, warum wir das als Blogger nicht sind. Kann man sich als Freiberufler nicht auch bei der Künstlersozialkasse eintragen lassen und würde Freiberufler nicht auch voraussetzen, das man Geld für das Schreiben von Rezensinen nimmt? Ein Freiberufler, der für seine Arbeit kein Geld nimmt, ist schon irgendwie komisch. Journalisten für Zeitungen schreiben ihre Artikel ja nicht kostenfrei für die Zeitung.

      LG, Moni

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    3. Bei der Freiberuflichkeit kommt es drauf an, was genau gemacht wird und wie es von dem/der Prüfenden eingeschätzt wird. Schriftstellerische und journalistische Tätigkeiten fallen unter die Freiberuflichkeit und darunter können auch Blogger*innen fallen.
      Wenn die Einnahmen aber eher durch Anzeigen, Klickzahlen usw. kommen, dann ist das gewerblich. Freiberufliche Einnahmen müssen sich aus den z.B. schriftstellerischen oder journalistischen Tätigkeiten ergeben.
      Für die KSK gibt es nochmal bestimmte Voraussetzungen. Einmal die Freiberuflichkeit und ich glaube, es waren noch weitere. Genauer kenne ich mich damit aber nicht aus.

      LG Sarah

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  3. Hier mal der Link dazu, wann man Freiberufler ist und das klingt für mich ziemlich schlüssig, warum man das als Blogger auf keinen Fall ist.
    https://plötzlich-selbständig.de/selbstaendigkeit/bloggen/blogger-gewerbeanmeldung/

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    1. Ah prima! Danke!

      "Gewinnerzielungsabsicht", das war auch ein Wort was ich schon gehört hatte, ist mir natürlich nimmer eingefallen xD Das ist auch sehr wichtig glaub ich bei der ganzen Sache - und hat mit vielen von uns nichts zu tun :)

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    2. Ich kann grad nicht weiter recherchieren, aber muss an der Stelle an meinen Wirtschaftskurs im Kulturstudium denken. Damals haben wir uns auch mit Freiberuflichkeit und Gewerbe befasst und haben über folgenden Auszug aus §18 EStG gesprochen: „Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit“
      Mein Dozent meinte damals, dass es immer auf das Finanzamt ankommt, wie etwas entschieden wird und woraus genau die Einnahmen kommen. Wenn man schreibt/publiziert und die Einnahmen generieren sich daraus, kann es sehr gut sein, dass vom Finanzamt die Freiberuflichkeit anerkannt wird. Es kann aber ebenso gut nach hinten losgehen, weil sich gewerbliche und freiberufliche Tätigkeiten bei Blogger*innen sehr leicht vermischen.

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