[Rezension] Nicholas Searle: Der Sprengsatz

Samstag, 13. Juli 2019 | Kommentieren
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Buchcover © Kindler Verlag
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304 Seiten | 2019 | Kindler Verlag | Deutsch

Original: A Fatal Game
Übersetzer: Jan Schönherr

Reihe: Einzelband

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Rezensionsexemplar

Hinter den Kulissen des Geheimdienstes

Mithilfe von V-Männern versucht der britische Inlandsgeheimdienst MI5 Terroranschläge zu verhindern. Doch alles geht schief, als ein V-Mann selbst zum Attentäter wird. Sein Betreuer Jake Winter muss sich deswegen vor dem Untersuchungsausschuss behaupten. Gleichzeitig wird es bei einem von Jakes anderen V-Männer ernst: Der junge Rashid ist Mitglied einer islamistischen Terrorzelle und der geplante Anschlag steht kurz bevor.

In Nicholas Searles neuem Thriller "Der Sprengsatz" merkt man gleich, dass der Autor weiß, wovon er schreibt. Mühelos springt er zwischen verschiedenen politischen und polizeilichen Ebenen und erzeugt damit schnell ein sehr realistisches, aber wenig transparentes Bild vom Alltag des britischen Geheimdienstes. Dabei laden Searles flüssiger Schreibstil und der aufgebaute Spannungsbogen geradezu dazu ein, über die Seiten zu fliegen und der Geschichte zu folgen. Das kann man tun - allerdings auf die Gefahr hin, eines der vielen Details zu verpassen und sich in dem Gewirr aus Lügen und politischen Schachzügen zu verlieren.
Bei "Der Sprengsatz" hatte ich eigentlich mit einem actiongeladenen Agententhriller gerechnet. In der Realität geht es dagegen viel um Politik, um Absprachen hinter verschlossenen Türen, um Vertrauen und Verrat. All das war mir ab etwa der Hälfte zu viel, weil ich einfach nicht mehr durchgeblickt habe. Keine Frage: Geheimdienstgeschäfte sind sicher extrem undurchsichtig und von vielen Faktoren beeinflusst, aber all das in 300 Seiten zu pressen, war mir zu viel des Guten. Teilen der Handlung, bsp. Jake Winters Entwicklung im letzten Drittel, konnte ich daher kaum noch folgen und habe nur bedingt verstanden, warum passieren musste, was passiert ist.
Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn der Fokus nicht so sehr auf den Ränkespielen, sondern mehr auf den agierenden Charakteren gelegen hätte. In "Der Sprengsatz" waren die Charaktere für mich vielfach nur Handlungsträger, deren Gedanken und Taten komplett auf die beiden Anschläge und den Untersuchungsausschuss fokussiert blieben. Wirklich rund und lebendig wirkten sie auf mich nicht; in sie hineinversetzen und die Geschichte aus ihren Perspektiven erleben konnte ich auch nicht. Stattdessen wurde ich von den Geschehnissen mitgerissen und folgte ihnen, so gut ich konnte - und manchmal auch einfach gar nicht.

Fazit

Ein realistischer, sprachlich sehr gut ausgearbeiteter Agententhriller, der zwar spannend, mir aber teilweise zu verwirrend war, um ihm gut folgen zu können.

Bewertung_3 von 5 Pergamentfaltern

Zusammenfassung

Positiv Neutral Negativ
  • Flüssiger Schreibstil
  • Aktuelle Thematik
  • Sehr realistische Wirkung
  • Wechselnde Perspektiven
  • Wenig Action
  • Eher flache Charaktere
  • Viele verwirrende Ränkespiele in und um den Geheimdienst
  • Ende mit Fragezeichen


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