[Klassiker] Lesen früher und heute: "Herr der Diebe" von Cornelia Funke

Samstag, 20. Juli 2019 | Kommentieren
Buch mit Kerze und Blüten
Buchcover © Cecilie Dressler Verlag
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Erstveröffentlichung: 2000

Genre: Jugendroman

Gelesene Ausgabe:
Sonderausgabe mit Filmbildern | 424 Seiten | Hardcover | 2005 | Cecilie Dressler Verlag

Manche Bücher begegnen einem nur kurz, andere dagegen bleiben für immer. 

"Herr der Diebe" von Cornelia Funke ist für mich so ein Buch. Es ist Jahre her, seit ich es zum ersten Mal las, und doch gehört es zu der Handvoll Bücher, die mir sofort einfallen, wenn mich jemand nach meinem Lieblingsbuch fragt. Obwohl ich inzwischen älter geworden bin und mich nicht mehr mit den Hauptfiguren identifiziere. Obwohl sich mein Lesegschmack deutlich verändert hat. Gerade weil es eine scheinbar zeitlose Geschichte ist.
Nach Jahren der schwächer werdenden Erinnerung (und zum Wohle meiner Klassiker-Leseliste) habe ich nun erneut nach dem "Herrn der Diebe" gegriffen. Und was soll ich euch sagen? Die Geschichte kann mich auch fast fünfzehn Jahre später noch in ihren Bann ziehen!

Die Handlung

Im Herzen Venedigs in einem alten Kino haust eine fünfköpfige Kinderbande, die von Scipio, dem Herrn der Diebe, versorgt wird. Unter ihnen sind auch Prosper und Bo, zwei Brüder aus Deutschland, die vor ihrer Tante geflohen sind. Als sich der Detektiv Victor an die Fersen der Kinder heftet, ändert sich alles.

Das erste Kennenlernen

Ich war etwa elf Jahre alt, als ich "Herr der Diebe" zum ersten Mal entdeckte. Das blaue Buch mit den Dieben im Titel zog mich in unserer kleinen Stadtbücherei fast magisch an. Zuvor hatte ich mich eher für Jugendkrimis wie "TKKG" interessiert, doch deren Bände hatte ich alle schon mindestens einmal gelesen. Ich brauchte was Neues.
"Herr der Diebe" kam mir da gerade recht. Der Rückentext weckte schnell meine Begeisterung; noch schneller versank ich in der Geschichte, als ich mit dem Buch zuhause ankam.
Ich mochte die Kinder - Wespe, Riccio, Mosca, Prosper und Bo - die fast alle ungefähr in meinem Alter waren und und stellte mir vor, Teil ihrer Bande zu sein.
Ich liebte das Sternenversteck im alten Kino und wünschte mir manchmal, auch dorthin zu können, und sei es nur für ein paar Tage.
Ich war fasziniert von Scipio, dem Herrn der Diebe, und träumte genau wie Bo davon, ihn auf seinen Beutezügen begleiten zu dürfen.
Ich wollte Victor hassen, freute mich diebisch, als ihn die Bande austrickste, und mochte ihn am Ende doch viel mehr, als ich mir eingestand.
Ich war enttäuscht, als ich die Wahrheit über Scipio erfuhr, und konnte ihn dann doch so gut verstehen, weil auch ich mir wünschte, erwachsen zu sein - was auch immer das genau bedeutete.
Letztlich war "Herr der Diebe" das erste Buch, in das ich vollkommen eintauchte. Als es zu Ende war, war ich traurig und dachte mir Geschichten aus, wie es weitergehen könnte oder was die Kinder mit Scipio zuvor schon alles erlebt haben könnten. Es war großartig!
Seitdem hat dieses Buch einen festen Platz in meinem Herzen, auch wenn ich es nie mehr komplett gelesen habe.

Das Wiedersehen

Das änderte sich erst wieder vor ein paar Tagen, als ich zu der Filmausgabe auf meinem SuB griff. Binnen weniger Seiten entfaltete die Geschichte erneut ihren Zauber. Ich kehrte zurück in das wundervolle Venedig, entdeckte die Geheimnisse in den verwinkelten Gassen, rätselte, wer der mysteriöse Conte sein könnte, und war fasziniert von der Geschichte über das Karussell der Barmherzigen Schwestern, das Junge alt und Alte jung machen sollte.
Ganz so fasziniert wie damals war ich jedoch nicht. Vermutlich, weil ich heute mit dem Blick einer Erwachsenen die Geschichte betrachte. Heute sind es eher Victor und Ida, in denen ich mich teilweise wiedererkenne, nicht die Kinder. Gleichzeitig meldet sich meine innere Kritikerin und bemängelt etwas flache Charaktere und nicht ganz passende Reaktionen.
Aber ganz ehrlich? Das ist mir dieses Mal egal! Die Geschichte schafft es zu bezaubern und einem - egal ob Kind oder Erwachsene - zumindest für einen Moment das Gefühl zu geben, in Venedig zu stehen, umgeben von Engeln und geflügelten Löwen, und nur einen Schritt in eine der kleinen Gassen machen zu müssen, um mitten in diesem Abenteuer zu stehen.

Empfehlung

"Herr der Diebe" ist eine Geschichte über Erwachsenwerden und Erwachsensein, über Freundschaft, Familie und Zusammenhalt.
Eindeutige Leseempfehlung für Kinder ab 10 Jahren und Erwachsene!

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