[Rezension] Nina Casement: Jagdsaison - Ein mörderischer Reisebericht

Donnerstag, 16. Mai 2019 | Kommentieren
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Buchcover © Books on Demand
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220 Seiten | 2018 | Books on Demand | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

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Rezensionsexemplar

Eine Reise in die Weiten Skandinaviens

Eine junge Frau auf einem Road Trip ohne konkretes Ziel. Ein ungleiches Männerduo auf Reisen. Ein Polizist, der in mehreren Jagdunfällen in den Weiten Skandinaviens ein erschreckendes Muster zu sehen glaubt.

Mehr Reisebericht als Krimi

"Jagdsaison" ist genau das, was es verspricht: Ein "mörderischer Reisebericht". Anders als übliche Krimis liegt hier der Fokus nicht durchgängig auf einem Kriminalfall. Stattdessen beginnt die Geschichte als Reisebericht und führt an wunderschöne Orte in Skandinavien, die die Protagonistin Frederika nach und nach bereist. Krimifeeling oder packende Spannung kam in der ersten Hälfte bei mir kaum auf. Stattdessen fühlte ich mich von der Natur und Frederikas Reiseerlebnissen bestens unterhalten. Zwischendurch gibt es immer wieder Abschnitte aus der Sicht eines Männerduos und eines Polizisten, die die kriminalistische Facette der Geschichte pflegen. Diese Abschnitte wirkten für mich jedoch mehr wie Beiwerk. Der Fokus lag eindeutig auf den Reiseerlebnissen.
Das ändert sich erst in der zweiten Hälfte, als aus dem "Reisebericht mit Krimielementen" ein "Krimi mit Road Trip" wird - Spannung inklusive. Absolut überraschende Wendungen erlebte ich zwar nicht - dafür gingen meine Überlegungen anhand des Klappentextes schon zu sehr in die richtige Richtung - aber dank des lockeren Schreibstils und einer schnellen Handlung ohne viel Beschreibung oder Gerede drum herum fühlte ich mich bis zum Schluss gut unterhalten.

Überzeugende Hauptfiguren

Wirklich detailliert ausgearbeitet werden in dieser Geschichte lediglich die drei Hauptfiguren, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Angesichts der Kürze des Buches ist das absolut in Ordnung. Tatsächlich überraschten mich gerade Frederika und Lars, ein Teil des Männerduos, mit einer charakterlichen Tiefe, die ich selten bei so kurzen Büchern erlebe. Das einzige, was mir etwas sauer aufstieß, war die Art, wie über Frederika gesprochen/ gedacht wird. Statt sie als die erwachsene Frau wahrzunehmen, die sie ist, ist sie viel zu oft "das Mädchen". In meinen Augen passte das überhaupt nicht zu ihr und wirkte stellenweise sogar wie eine Herabsetzung.
Die dritte Hauptfigur, Polizist Karl Andersson, konnte mich ebenfalls überzeugen, auch wenn er nicht ganz so stark ausgearbeitet ist wie die anderen beiden. Zudem stellt er das wandelnde Klischee eines übergewichtigen, faulen Schreibtischtäters dar, was mir hin und wieder etwas auf die Nerven ging. Glücklicherweise entwickelt er sich im Laufe der Geschichte und mich würde wirklich interessieren, was aus ihm nach dieser Geschichte wird!

Blasse Nebenfigur

Abgesehen von den drei Hauptfiguren gibt es nur eine Handvoll weiterer Figuren, die alle nur sehr oberflächlich charakterisiert sind. Größtenteils ist das nachvollziehbar und alles andere hätte bei der Kürze der Geschichte wohl zu unschönen Längen geführt.
Einzig bei einer Nebenfigur hätte ich mir mehr Charakter gewünscht: bei dem zweiten Teil des Männerduos. Vorgestellt wird er als "der Ältere" und ich hatte gehofft, im Laufe der Geschichte mehr über ihn zu erfahren. Einen Namen, einen persönlichen Hintergrund, Beweggründe... irgendetwas. Leider Fehlanzeige! Dadurch blieb am Ende ein etwas fader Beigeschmack.

FAZIT

"Jagdsaison" ist mehr Reisebericht als Krimi, bietet aber dennoch gute Unterhaltung. Letztlich hätte ich mir noch mehr Spannung und eine stärkere Ausarbeitung der Figur "des Älteren" gewünscht.

Bewertung_3 Pergamentfalter

Zusammenfassung

Positiv Neutral Negativ
  • Angenehmer Schreibstil
  • Abwechslungsreiche, atmosphärische Orte
  • Schnelle Handlung ohne Längen
  • Überzeugende Hauptfiguren
  • Mehrere Perspektiven
  • Klischeehafter Polizist
  • Größtenteils wenig Spannung (für einen Krimi)
  • Wiederholte Betitelung von Frederika als Mädchen
  • Eine zentrale Figur ("der Ältere") bleibt sehr blass
  • Wenige überraschende Wendungen

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