[Rezension] Michelle Richmond: Der Pakt - Bis dass der Tod uns scheidet

Mittwoch, 8. Mai 2019 | Kommentieren
cover
Buchcover © Diana Verlag
Werbung

560 Seiten | 2019 | Diana Verlag | Deutsch

Original: The Marriage Pact
Übersetzerin: Astrid Finke

Reihe: Einzelband

Zur Leseprobe | Weitere Informationen beim Verlag

Mitten hinein in die Ehe-Sekte

Jake und Alice sind frisch verheiratet, als sie dem "Pakt" beitreten, einer exklusiven Gemeinschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Ehe zu schützen. Neue Freunde, Partys und Regeln, die ihr Zusammenleben harmonischer machen - all das wirkt auf sie wie ein einziges spaßiges Abenteuer. Bis sie die erste Regel brechen.

Vielversprechender Beginn

Aufwachen in einem Flugzeug. Kopfschmerzen. Blut.
Mit diesen ersten Eindrücken beginnt "Der Pakt". Verbunden mit einem Klappentext, in dem von "drakonischen Strafen" und "Albträumen" die Rede ist, und einem Cover, dessen Gestaltung mich an Flucht und Beklemmung erinnert, erwartete ich eine nervenzerrende Geschichte. Einen Thriller in Reinform.
Die Ansätze dafür sind gut. Die Geschichte wird von Ich-Erzähler Jake erzählt und springt nach der Flugzeug-Szene zunächst ein ganzes Stück in die Vergangenheit. Statt direkt zu berichten, wie das Leben im "Pakt" aussieht, geht es erst einmal um die Frage, wie es dazu überhaupt kommen konnte.
Vermutlich denken viele, niemals in eine Sekte rutschen zu können, weil sie das früh genug merken würden. Genauso geht es Jake und Alice, einem Paartherapeuten und einer Anwältin. Nichtsdestotrotz passiert es den beiden.
Den Weg dorthin fand ich gut dargestellt. Zwar gehen sie manchmal etwas zu locker mit der Sache um - unterschreiben bspw. etwas, ohne es genauer zu lesen, was mich vor allem bei einer Anwältin irritierte - aber abgesehen davon fand ich ihre Gutgläubigkeit und Abenteuerlust überzeugend dargestellt. Beide wünschen sich eine funktionierende Ehe und werden von den Versprechungen des "Pakts" gelockt. Dass sie dabei manchmal zu naiv sind, das aber erst im Nachhinein begreifen, beweisen auch die Kommentare, die Jake im Laufe dieses Rückblicks immer wieder abgibt.
Rückblickend erkenne ich, dass wir beide ein wenig Angst hatten, aber nicht annähernd so vorsichtig waren, wie wir hätten sein sollen.
(Seite 136)

Langatmiger Verlauf

Trotz dieses interessanten Einstiegs vermisste ich bald den Thrill, auf den ich so sehr gehofft hatte. Die Geschichte plätschert vor sich hin. Viel Alltag, ein bisschen Sektenleben, noch ein paar Regeln, aber alles in allem nichts, was mich mitreißen konnte.
Als Jake und Alice die erste Regel verletzen, kam kurzzeitig ein bisschen Spannung auf, ehe die Geschichte wieder in ihre ruhigen Bahnen zurückkehrt. Von der angekündigten Albtraumhaftigkeit merkte ich wenig.
Erst gegen Ende nimmt die Geschichte noch einmal richtig Fahrt auf. Endlich erlebte ich den Thrill, auf den ich so lange gewartet hatte! Über einige Kapitel wurde ich richtig mitgerissen und konnte mir kaum vorstellen, wie all das zu Ende gegen sollte.
Tja, und dann kam das Ende und mein erster Gedanke war: "Ernsthaft?!" Das Finale passt in meinen Augen überhaupt nicht zur Geschichte und ist vor allem eines: unglaubwürdig.

Logik und Glaubwürdigkeit (Ausklappbar. Achtung, Spoiler!) So ganz überzeugen konnte mich die Geschichte auch in den besseren Teilen nicht.
Zunächst einmal fand ich diese "Wir sind überall, ihr könnt uns niemals entkommen"-Attitüde überzogen. Zwar passte sie super zu dem beklemmenden Bild, das nach und nach vom "Pakt" geschaffen wird, aber seien wir mal ehrlich: wäre diese Gruppe wirklich derart groß und verbreitet, wie behauptet wird, würde sie doch bestimmt nicht gänzlich unbekannt sein. Erst recht nicht in Zeiten des Internets. Klar gibt es eine Regel, die verbietet, mit Außenstehenden über den "Pakt" zu sprechen, aber bei so vielen Regelbrecher*innen, wie im Laufe der Geschichte auftauchen, kann ich mir nicht vorstellen, dass nicht auch diese Regel schon mal gebrochen wurde.
Zudem hätte ich von Jake und Alice eigentlich erwartet, dass sie noch mehr versuchen, aus dem Pakt zu entkommen. Bspw. indem Alice ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten als Anwältin nutzt. Oder indem die beiden einen ernsthaften Fluchtversuch unternehmen. Ihren tatsächlichen Fluchtversuch kann ich nicht als ernsthaft ansehen, denn sie gehen davon aus, über das Handy überwacht zu werden, und nehmen es trotzdem mit. Überzeugend geht anders. Ganz davon abgesehen, dass es anscheinend niemanden zu kümmern scheint, dass die beiden urplötzlich und ohne große Erklärungen immer mal wieder verschwinden. Mir kann keiner erklären, dass das keine Nachfragen provoziert.
Zu guter Letzt das Finale: Alice wurde erniedrigt, Jake wurde gefoltert, beide wurden gefangengehalten. Und wofür das alles? Um zu testen, ob sie als neues Leitpaar der Sekte taugen? Um am Ende sagen zu können "Hey, ich weiß, das war alles ganz, ganz furchtbar und ihr hasst uns, aber hey, jetzt dürft ihr den 'Pakt' anführen. Ist das nicht toll?!" Sorry, nicht mit mir. Das war mir alles zu weit hergeholt.

Fazit: Thriller mit zu wenig Thrill.

Gute Idee mit viel Potenzial. In der Umsetzung war es mir leider häufig zu langatmig und vor allem gegen Ende zu unglaubwürdig.

Bewertung_2 Pergamentfalter

Zusammenfassung

Positiv Neutral Negativ
  • Angenehmer Schreibstil
  • Überzeugende Hauptfiguren
  • Grundidee
  • Kurzzeitige Spannung
  • Ich-Erzähler
  • Langatmige Handlung
  • z.T. nicht logisch (s. Spoiler)
  • Unbefriedigendes Ende

Weitere Meinungen

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Vielen Dank für deinen Kommentar!

Hinweis: Mit dem Abschicken deines Kommentars akzeptierst du, dass der von dir geschriebene Kommentar und die personenbezogenen Daten, die damit verbunden sind (z.B. Username, E-Mailadresse, verknüpftes Profil auf Google/ Wordpress) an Google-Server übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhältst du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.