[Rezension] Mark Roderick: Post Mortem - Spur der Angst

Sonntag, 26. Mai 2019 | Kommentieren
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Buchcover © FISCHER Taschenbuch
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496 Seiten | 2018 | FISCHER Taschenbuch | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Post Mortem #4

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Warnungen (Ausklappbar) Folter, Vergewaltigung

Hinweis: In dieser Rezension geht es um den vierten Teil der "Post Mortem"-Reihe. Sie bezieht Informationen aus den vorhergehenden Teilen mit ein.

Hier geht es zu den Rezensionen zu Band 1, 2 und 3.

Schwache Fortsetzung

Lina Sattler ist eine Frau ohne Vergangenheit. Alles, was vor ihrem achten Lebensjahr geschah, ist ein einziges schwarzes Loch. Auf der Suche nach ihren Erinnerungen kommt sie einem widerlichen Forschungsprojekt auf die Schliche.

Zur Erinnerung:

In Band 3 wurden Emilia Ness' Tochter und Avram Kuypers Nichte entführt und in einer Burganlage gefangen gehalten. Als Emilia und Avram sie befreiten, kam es zum Showdown mit mehreren Explosionen, bei denen Avram schwer verletzt wurde und sich schließlich opferte, damit die anderen drei fliehen konnten.

Wozu der Rückblick?

Ganz einfach: Über fast die gesamte erste Hälfte dieses Buches wusste ich nicht, ob ich mich tatsächlich in einer Fortsetzung der Reihe befinde oder nicht doch in einem Band, der zeitlich irgendwo zwischen den vorherigen drei Bänden spielt.
Die Ereignisse aus Band 3 sind scheinbar spurlos vorübergegangen. Noch dazu bringt der Klappentext eine Info, die es nach den Ereignissen aus Band 3 gar nicht geben dürfte (Hallo, Spoiler ...).
Zwischendurch wird als Randnotiz mal erwähnt, dass seit Band 3 fast ein Jahr vergangen ist, aber letztlich braucht es ganze 235 Seiten (!), bis die Handlung tatsächlich an Band 3 anschließt und "Erklärungen" für den erwähnten Spoiler liefert.
Spoiler Wirklich überzeugen konnten mich diese Erklärungen allerdings nicht. Avram behauptet, er hätte Emilia in der Burganlage belogen, was seine tauben Beine angeht, und wäre weggelaufen, nachdem Emilia mit den beiden Mädchen geflüchtet ist. So weit, so gut. Oder auch nicht, denn in dem letzten Abschnitt aus seiner Perspektive in Band 3 ärgert er sich, dass seine Beine so gut wie taub sind. Lässt sich drüber streiten, ob "so gut wie taub" doch noch ausreicht, um wegzulaufen, aber wirklich überzeugen konnte mich das nicht.

Zu viel Distanz (Ausklappbar. Achtung, Spoiler!) Dieser späte Anschluss an Band 3 sorgte bei mir auch dafür, dass ich nicht wirklich in die Geschichte eintauchen konnte. Viel zu lange fragte ich mich, was aus den Ereignissen aus Band 3 geworden ist, warum Emilia sich nicht mehr um ihre Tochter sorgt, warum Avram keine Nachwehen seiner Verletzungen spürt ... Durch diese Grübeleien fiel es mir einerseits schwer, mich überhaupt richtig auf die Handlung zu konzentrieren. Andererseits gelang es mir dadurch nicht, mich auf die Charaktere einzulassen, denn ich hatte ständig das Gefühl, dass sie nicht glaubwürdig sind, weil die Vergangenheit sie so gar nicht tangiert.
Nach der "Erklärung" konnte ich mich zwar mehr auf die Handlung und die Charaktere konzentrieren, aber es blieb eine gewisse Distanz, die ich bis zum Schluss nicht loswurde.

Spannung? Fehlanzeige.

Auch in der zweiten Hälfte wird es leider nicht wirklich besser. Der Fall ist dieses Mal sehr verzwickt, was sich in einer zähen Spurensuche widerspiegelt, bei der für mich kaum wirklich Spannung aufkam. Noch dazu verliert sich Emilia in scheinbar endlosen Rekapitulationen des bislang Herausgefundenen, die die Geschichte unnötig strecken.
Der einzige Lichtblick war für mich die neue Hauptfigur Lina Sattler. Mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein, Naivität und Draufgängertum bringt sie frischen Wind in die Runde. Zwar war sie mir manchmal etwas zu vorschnell, was nicht wirklich zu der toughen Geldeintreiberin passte, die sie sein soll, aber alles in allem brachte ihre Perspektive wenigstens etwas Abwechslung in diese ansonsten zu eintönige Geschichte.
Spoiler Was ich in Bezug auf Lina allerdings bis zum Schluss nicht verstanden habe, ist die Klappentext-Behauptung, ihre Eltern seien ermordet worden. Ich lasse mich gern korrigieren, falls ich irgendeine Randbemerkung überlesen haben sollte, aber ihre Mutter starb an einer schweren Krankheit und ihr Vater hat sich das Leben genommen. Mord klingt für mich anders.

Fazit: Tiefpunkt der Reihe

Verwirrung, kaum Spannung und stellenweise fehlende Glaubwürdigkeit: Nach dem actiongeladenen dritten Band enttäuschte mich "Spur der Angst" auf weiten Strecken. Selbst die Einführung einer neuen, interessanten Hauptfigur konnte daran kaum etwas ändern.

Bewertung_2 Pergamentfalter

Zusammenfassung

Positiv Neutral Negativ
  • Angenehmer Schreibstil
  • Interessante neue Hauptfigur
  • Mehrere Perspektiven
  • Lüge und Spoiler im Klappentext
  • Wenig Spannung
  • Distanz zu Handlung und Charakteren
  • Sehr später Anschluss an Band 3
  • Widerspruch zu einer Aussage in Band 3

Die Reihe im Überblick

  1. Post Mortem - Tränen aus Blut
  2. Post Mortem - Zeit der Asche
  3. Post Mortem - Tage des Zorns
  4. Post Mortem - Spur der Angst
  5. Post Mortem - Herzen aus Wut

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