[Rezension] Marie Lu: Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche

Mittwoch, 3. April 2019 | 7 Kommentare
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Buchcover © Loewe Verlag
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416 Seiten | 2017 | Loewe Verlag | Deutsch

Original: The Young Elites
Übersetzerinnen: Sandra Knuffinke, Jessika Komina

Reihe: Young Elites 1 von 3

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Düsterer Fantasyauftakt

Das Blutfieber hat vieles verändert. Zahlreiche Menschen sind daran gestorben und die Kinder, die es überlebten, sind gezeichnet. Einige dieser "Malfettos" entwickelten sonderbare Begabungen, weswegen sie von der Inquisition geächtet werden.
Adelina ist eine Malfetto, die seit Jahren mit Missachtung und Gewalt zu kämpfen hat. Als ihr Vater sie verkaufen will, flieht sie von zuhause und landet auf Umwegen bei der Gemeinschaft der Dolche, einer Gruppierung begabter Malfettos, die einem eigenen, düsteren Plan folgen.

Zwiegespaltene Antiheldin

Verfolgung von Begabten, Hinrichtungen und die Inquisition - was klingt, wie eine Erinnerung an die Hexenverfolgungen des Mittelalters oder wie ein Dark-Fantasy-Roman ist ein Jugendfantasybuch, das mich echt überrascht ist.
"Young Elites" folgt keineswegs dem Muster eines typischen Jugendbuches mit strahlendem Helden und einer Geschichte, bei der alles irgendwie gut wird. Ganz im Gegenteil.
Im Zentrum der Handlung steht Adelina, die zwar wie viele andere Jugendbuchheld*innen auf der Suche nach sich selbst ist, aber die gleichzeitig mit einer inneren Dunkelheit und Zerrissenheit zu kämpfen hat, wie ich sie selten lese. Auf der einen Seite der Wunsch nach Liebe, nach Zugehörigkeit und Akzeptanz. Auf der anderen Seite der Drang zu zerstören, zu verletzen und zu töten. Adelina ist ein Paradebeispiel für eine gelungene, facettenreiche Antiheldin und für eine Protagonistin, die man nicht immer und unbedingt mögen muss, um sie überzeugend zu finden.
Den inneren Kampf, den sie wieder und wieder austrägt, fand ich großartig dargestellt und gerade angesichts der Dunkelheit, die sie zusehends in sich spürt, bin ich sehr gespannt (und auch ein bisschen besorgt), in welche Richtung sie sich entwickeln wird.

Spannende Handlung in düsterer Atmosphäre

Erzählt wird die Geschichte neben Adelina (Ich-Erzählerin) von zwei personalen Erzählern, die sich immer wieder abwechseln und die Handlung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Die Geschichte selbst steht ihrer Protagonistin dabei in nichts nach. Sie ist alles andere als Friede-Freude-Eierkuchen; es geht um Körperverletzung, Folter, Mord und Gewalt gegen Kinder. Bis zum Schluss ist nichts sicher, denn immer wieder wurde ich von unerwarteten Wendungen überrascht und geschockt.
Wenn "Young Elites" eines ist, dann ist es düster - doch nicht nur. Mehrfach blitzen friedliche, liebevolle Momente durch, die die Geschichte abrunden und der dunklen Welt und ihren Charakteren interessante, manchmal sogar unerwartete Facetten hinzufügen.

Abwechslungsreiche Figurenkonstellation

Neben Adelina gibt es eine ganze Reihe Nebenfiguren, mit denen es mir aufgrund unterschiedlichster Fähigkeiten und Charakterzüge nie langweilig wurde. Nichtsdestotrotz haperte es hier noch ein bisschen. Von zwei, drei Charakteren abgesehen, waren die Nebenfiguren recht flach und oft nur auf ihre Fähigkeiten und wenige Äußerungen reduziert. An der Stelle hoffe ich, dass insbesondere die wichtigeren, regelmäßig auftauchenden Nebenfiguren wie die Mitglieder der Gemeinschaft der Dolche in den Folgebänden noch besser charakterisiert werden.

Keine aufgezwungene Liebesgeschichte

Zum Abschluss noch eine weitere wunderbare Abwechslung zu vielen anderen Jugendbüchern: Es gibt keine gestelzte Liebesgeschichte, die alles überlagert!
Die Liebesgeschichte, die es gibt (ganz ohne geht es im Jugendbereich wohl nicht), war für mich glaubhaft in ihrer Entwicklung. Zwar entwickelt sie sich zu Beginn recht schnell, aber mit Blick auf Adelinas Hintergrund und ihren Wunsch nach Liebe war das für mich durchaus nachvollziehbar.

FAZIT: Origineller Fantasyauftakt

Der erste Band der "Young Elites"-Trilogie überzeugte mich mit einer ungewöhnlichen Antiheldin, einer spannenden Handlung und einer besonderen, nicht unbedingt Jugendbuch-typischen Atmosphäre. Ein wenig Luft nach oben ist noch bei den Nebenfiguren, die etwas klarer gezeichnet werden könnten, aber das ist schon Meckern auf hohem Niveau!

Bewertung_4 Pergamentfalter

Zusammenfassung

Positiv Neutral Negativ
  • Worldbuilding
  • Lockerer Schreibstil
  • Keine typische Protagonistin
  • Keine alles überlagernde Liebesgeschichte
  • Düstere Atmosphäre
  • Unerwartetes Finale
  • Wechselnde Perspektiven: zwei personale Erzähler und eine Ich-Erzählerin
  • teilweise flache Nebenfiguren

Weitere Meinungen

Die Reihe im Überblick

  1. Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche
  2. Young Elites - Das Bündnis der Rosen
  3. Young Elites - Die Herrschaft der Weißen Wölfin

7 Kommentare

  1. Huhu :)
    Ich liebe diese Reihe ja sehr ♥ Ich mag das düstere Setting und vor allem Adelinas Charakter. Ich hoffe du liest weiter, denn der dritte Teil war meiner Meinung nach der beste und einfach... ich liebe diese Bücher und die Personen :)
    Freut mich, dass es dir gefallen hat :)
    Liebe Grüße
    Kat

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    1. Hallo Kat,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Weiterlesen werde ich ganz bestimmt und was du schreibst, klingt super! Das macht direkt Lust auf die anderen beiden Bände. Wenn nur der SuB nicht so groß wäre... *lach*

      Liebe Grüße
      Sarah

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  2. Hallo Sarah

    Ich habe das Buch vor ein paar Jahren, kurz nachdem es erschienen ist, auch gelesen. Leider hat es mich damals nicht so überzeugt, wie dich und ich habe es sogar abgebrochen. Rückblickend weiss ich aber gar nicht mehr genau, was mich an dem Buch gestört hatte, denn was ich hier von dir lese, klingt eigentlich ganz interessant. Ich hatte zuvor die Legend-Reihe der Autorin gelesen, die ich sehr toll fand. Vielleicht lag es auch daran, dass ich ähnliche Erwartungen an ihr neues Buch hatte. Gerade deine Erwähnung mit der fehlenden erzwungenen Liebesstory finde ich sehr sympathisch! :) Aber soweit bin ich damals vermutlich gar nicht gekommen. :/

    Liebe Grüsse
    paperlove

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    1. Hallo!

      Zu einem Vergleich mit der "Legend"-Reihe kann ich leider gar nicht sagen, da ich die Reihe nicht gelesen habe. Allerdings hab ich in ein paar Rezensionen gelesen, dass "Young Elites" ganz anders als "Legend" sei und die deutlichen Unterschiede mal als irritierend, mal tatsächlich als störend empfunden wurden. Vielleicht ging es dir - bewusst oder unbewusst - ähnlich?

      Liebe Grüße
      Sarah

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  3. Ja, es kann sein, das ich dadurch damals vielleicht Erwartungen an das Buch hatte, die nicht erfüllt werden konnten. Vielleicht gebe ich dem Buch irgendwann noch einmal eine Chance. Wobei ich von "Warcross", das auch die Autorin geschrieben hat, leider auch nicht so überzeugt war. Aber das ist ja wiederum eine ganz andere Thematik :D

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  4. Hallo Sarah,
    ich mochte den Reihenauftakt auch sehr gerne. Und wenn ich deine Rezension so lese muss ich mir unbedingt mal in nächster Zeit den letzten Teil besorgen. Den habe ich noch nicht gelesen. ;)
    Wenn es okay ist, verlinke ich dich einfach mal bei meiner Rezension.
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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    1. Hey Diana,

      ich müsste auch langsam mal weiterlesen, wenigstens mit Band 2. Bei so vielen Büchern verliert man so schnell den Überblick *lach*
      Klar, gerne! Ich hab deine auch direkt mal mit verlinkt.

      Liebe Grüße
      Sarah

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