[Rezension] Kai Meyer: Die Sturmkönige - Dschinnland

Mittwoch, 6. März 2019 | 2 Kommentare
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Buchcover © Bastei Lübbe
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428 Seiten | 2008 | Bastei Lübbe | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Die Sturmkönige 1 von 3

Weitere Informationen beim Verlag

Orientalisches Fantasy-Abenteuer

Für manche Bücher braucht es die richtige Zeit. "Dschinnland" von Kai Meyer ist so eines. Vor Jahren las ich es schon einmal, doch damals konnte es mich wenig begeistern. Ganz anders jetzt, Jahre später. Von der Handlung wusste ich kaum noch etwas und angefixt vom Klappentext entschied ich mich, ihm eine zweite Chance zu geben. Die hat es genutzt.

Wie 1001 Nacht - nur gefährlicher

Fliegende Teppiche, Zwiebeltürme und Dschinne: Was normalerweise ein Zeichen für Geschichten aus 1001 Nacht ist, läutet bei Kai Meyer eine neue Trilogie ein, die kaum etwas mit Zauberlampen und Wünsche erfüllenden Geistern zu tun hat. Und auch wenn der Teppichreiter Tarik al-Jamal im ersten Moment an Aladdin erinnert, sind Meyers Dschinne weit weg vom gut gelaunten Dschinni.
In "Die Sturmkönige - Dschinnland" sind Dschinne gefährliche magische Kreaturen, die bereits unzählige Menschen getötet haben. Seit über 50 Jahren beherrschen sie das Land zwischen Smarkand und Bagdad. Nur die wagemutigsten Teppichreiter wagen noch die Reise von Stadt zu Stadt. Einst war Tarik einer von ihnen, doch seit er seine große Liebe Maryam in der Wüste verlor, versinkt er in Trauer und verbringt seine Tage zwischen billigem Wein, Freudenhäusern und illegalen Teppichrennen. Das alles ändert sich schlagartig, als sein jüngerer Bruder Junis beschließt, die geheimnisvolle Sabatea nach Bagdad zu bringen. Tarik ist sich sicher, dass die beiden niemals allein überleben werden und folgt ihnen kurzerhand - allen Gefahren der Wüste und Junis' Widerwillen zum Trotz.

Gewöhnungsbedürftige Charaktere

Während mich das Setting sehr schnell in seinen Bann zog und ich neugierig auf diese Welt war, die irgendwie so gleich und doch ganz anders als 1001 Nacht ist, tat ich mich mit den Charakteren anfangs schwer.
Tarik ist ein selbstgerechter, verbitterter Mann, der zwar als Teppichreiter viel Potenzial hat, aber sich in Selbstmitleid und der Trauer um Maryam verloren hat. Sein jüngerer Bruder Junis, mit dem er im Streit liegt, ist dagegen ein echter Heißsporn, der zwar viel will, aber wenig Erfahrung mitbringt und dazu noch reichlich unvorsichtig ist. Sabatea, die Dritte im Bunde, schwankt zwischen freizügiger Haremsdame und berechnender Taktikerin. Keinen von ihnen mochte ich anfangs besonders. Die Abneigung wurde noch befeuert von einer Szene kurz nach Tariks und Sabateas Kennenlernen, die ich einfach nur unnötig fand. Zweifel daran, dass "Die Sturmkönige" eher Erwachsenenfantasy ist, kamen danach zwar eher nicht mehr auf - Zweifel, ob es diese Szene wirklich brauchte, dagegen schon.
Es brauchte einige Seiten, bis ich mit den Dreien warm wurde und sie besser kennenlernte. Die Entwicklung, die sie im Laufe der Geschichte durchmachen, gefiel mir dann wiederum sehr gut und beseitigte meine anfänglichen Zweifel. Sie passte super zu dem, was sie erleben, und war in meinen Augen durchweg glaubwürdig, zumal sich die Drei nicht nur als Personen verändern, sondern sich auch die Beziehungen zwischen ihnen langsam wandeln.

Solide Geschichte

Die Geschichte selbst würde ich nicht unbedingt als Pageturner bezeichnen. Dafür war sie mir an manchen Stellen zu vorhersehbar. Dennoch vermochte sie es mit ihren ungewöhnlichen Orten und Wesen, mich zu fesseln. Sie ist einfach wunderbar originell und anders als die westlich geprägten Fantasy-Welten, die ich sonst meist lese. Die Art, wie Meyer orientalische Mythen und neue Ideen miteinander verwebt und damit eine spannende Welt voller Magie schafft, fand ich großartig. Dabei konnte ich auch schon mal vergessen, dass die Geschichte nicht perfekt ist. Faszinierend ist sie allemal.

FAZIT: Origineller Fantasy-Auftakt mit Luft nach oben

"Die Sturmkönige - Dschinnland" ist anders als die Fantasy-Geschichten, die ich sonst lese. Anders, aber spannend. Trotz gewöhnungsbedürftiger Charaktere und einer nicht immer überzeugenden Handlung konnte mich dieser Reihenauftakt in seinen Bann ziehen. Die Mischung aus orientalischen Mythen und Magie ist faszinierend und lässt mich auf einen stärkeren zweiten Band hoffen.

bewertung_3 Pergamentfalter

Zusammenfassung

Positiv Neutral Negativ
  • Worldbuilding
  • Angenehmer Schreibstil
  • Atmosphäre
  • Abwechslungsreiche Charaktere
  • Beziehung zwischen den drei Hauptfiguren
  • Entwicklung der Hauptfiguren
  • Wechselnde Perspektiven 
  • kein Pageturner
  • Gewöhnungsbedürfte Charaktere
  • Unnötige Szene am Anfang
  • teilweise vorhersehbar

Weitere Meinungen

Die Reihe im Überblick

  1. Die Sturmkönige - Dschinnland
  2. Die Sturmkönige - Wunschkrieg
  3. Die Sturmkönige - Glutsand

2 Kommentare

  1. So, jetzt bin ich neugierig. Hoffentlich stehen die Titel im Regal meiner *lach* denn nun möchte ich die Bücher gerne selber lesen. Danke für deine Rezension.

    Beste Grüße
    Vi

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    1. Haha, ich glaube, meine Rezension hat bei dir ihr Ziel erreicht *lach* Ich hoffe, die Reihe gefällt dir auch!

      Liebe Grüße
      Sarah

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