Gibt es einen Unterschied zwischen Autor*innen und Schriftsteller*innen?

Samstag, 12. Januar 2019 | 26 Kommentare
schreibende Hand
Als ich vor kurzem eine Rezension schrieb und mal wieder überlegte, mit welchen Synonymen ich etwas ausdrücken kann, um nicht die gleichen Worte x-mal zu verwenden, stolperte ich über die Begriffe Autor*in und Schriftsteller*in. Bislang hatte ich sie meist synonym verwendet und vor allem, wenn der Text möglichst kurz sein sollte, lieber von Autor*innen statt Schriftsteller*innen geschrieben. Doch ist das eigentlich korrekt? Haben beide Begriffe die gleiche Bedeutung?
Meine Suche nach Antworten führte mich zunächst auf die Seite des Dudens. Demzufolge können beide Begriffe synonym verwendet werden. Trotz dieser Aussage weist der Duden für beide Begriffe unterschiedliche Bedeutungen aus. An diesem Punkt wird es interessant.

Autor*in

Der Duden definiert den/ die Autor*in folgendermaßen:
1. Verfasser eines Werkes der Literatur, eines Textes
2. (seltener) Urheber eines Werks der Musik, Kunst, Fotografie, Filmkunst
Der Begriff stammt vom lateinischen Wort auctor, das u.a. Urheber, Schöpfer und Verfasser bedeutet. Von diesem Ursprung ausgehend ist ein*e Autor*in eine Person, die etwas kreiert bzw. verfasst. Das kann ein literarischer Text sein, muss aber nicht. Es kann ebenso z.B. ein journalistischer Text, ein Sachtext, ein Comic oder ein Bilderbuch sein. Wichtig für die Betitelung "Autor*in" ist einzig und allein die Tätigkeit, die ausgeführt wird, und nicht der Inhalt des Werkes oder ob es am Ende veröffentlicht wird.
Folglich ist der Begriff Autor*in ein sehr weit gefasster, der über den Literaturbetrieb hinausreicht und in seiner weiten Definition auch z.B. Musik- und Bildautor*innen einschließt, denn auch diese sind Urheber*innen eines Werkes.

Schriftsteller*in

Anders als der Begriff Autor*in ist Schriftsteller*in eindeutig an den Literaturbetrieb gebunden. Entsprechend definiert der Duden den/ die Schriftsteller*in als
jemand, der [beruflich] literarische Werke verfasst
Der Begriff wurde im 16. Jahrhundert von der Redewendung "eine Schrift stellen" abgeleitet. Damit wurde die Tätigkeit bezeichnet, für andere eine Rechts- oder Bittschrift aufzusetzen. Im 17. Jahrhundert löste der Begriff dann die Bezeichnungen Skribent und Autor für den/ die Verfasser*in literarischer Werke ab (Quelle: DWDS).
Damit ist die Verbindung des/ der Schriftsteller*in zum literarischen Werk geklärt. Bleibt noch die Frage, wann von einem literarischen Werk gesprochen wird. An dieser Stelle gibt es unterschiedliche Ansichten. Weitestgehend einig ist man sich über die Frage nach der Gattung. Demnach wird von Schriftsteller*innen nur im Zusammenhang mit Epik und Dramatik gesprochen; in der Lyrik gibt es stattdessen die Dichter*innen.
Wann ein literarisches Werk jedoch Werk genug ist, um von Schriftsteller*innen sprechen zu können, ist umstritten. Für manche reicht es, wenn das Manuskript fertig ist. Für manch andere bedarf es eines Verlagsvertrages und fertiger Bücher im Handel. Die gängigste Ansicht, die ich finden konnte, bezieht sich auf die Veröffentlichung. Demzufolge ist eine Person, die ein literarisches Werk geschrieben, aber nicht veröffentlicht hat, ein*e Autor*in. Erst mit der Veröffentlichung wird sie zur Schriftsteller*in. Ein Vertrag mit einem Verlag ist dabei nicht zwingend notwendig. Auch Selfpublisher*innen können Schriftsteller*innen sein.

Gibt es also einen Unterschied zwischen Autor*in und Schriftsteller*in?

Die klare Antwort lautet: Ja! Es gibt ihn.
Schriftsteller*innen sind stets auch Autor*innen. Umgekehrt ist jedoch nicht jede*r Autor*in gleichzeitig ein*e Schriftsteller*in.

Ich habe bei meinen Recherchen jedoch festgestellt, dass der Übergang zwischen beiden Begriffen fließend und viel von der eigenen Wahrnehmung abhängig ist. Gerade im alltäglichen Sprachgebrauch werden beide Begriffe vielfach synonym verwendet. Selbst der Duden schlägt das vor. Die Unterschiede werden dagegen selten thematisiert und entsprechend selten wird tatsächlich eine klare Linie zwischen beiden Begriffen gezogen.

Im Gespräch

War euch der Unterschied zwischen beiden Begriffen bislang bewusst oder habt ihr sie (wie ich) synonym verwendet?
Ab wann sind für euch Autor*innen Schriftsteller*innen? Macht ihr das an bestimmten Maßstäben fest?

26 Kommentare

  1. Hallo Pergamentfalter. Ein Autor bin ich schon, wenn ich diesen Kommentar für Deinen Beitrag oder einen Leserbrief bzw. einen Wanderführer verfasse. Schriftsteller ist klar. Aber was sind Gedichtschreiber? Poeten? Ich lese Deinen Blog nur gelegentlich, aber gern.

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    1. Hallo Angelika,

      danke für deinen Kommentar.

      In dem Bereich, den du benennst, sind die Begrifflichkeiten meines Wissens noch verschwommener in ihrer Bedeutung, als es bei Autor*innen und Schriftsteller*innen der Fall ist. Noch dazu gibt es dort keine wirkliche Auseinandersetzung darüber, welcher Begriff nun am besten wofür passt. Trotzdem hab ich mal ein bisschen recherchiert.

      Laut Duden gibt es nur die Poet*innen und die Dichter*innen. Beide Begriffe können synonym verwendet werden; "Poet*in" ist einfach der bildungssprachliche Begriff, der dem Lateinisch-Griechischen entlehnt ist.
      Das Wort Gedichteschreiber*innen gibt es so als festen Begriff dagegen nicht. Es ist einfach ein kombinierter Begriff, wie es ihn zu tausenden im Deutschen gibt. Ich vermute mal, er ist ähnlich stark in der Alltagssprache verhaftet, wie es der Begriff "Schreiber*in" allgemein anstelle von Autor*in/Schriftsteller*in ist. Da sagt man landläufig zwar auch "Schreiber*in", schreibt dann aber meistens von "Autor*innen" o.ä.
      Insgesamt beschreiben diese zwei (bzw. mit dem/der Dichter*in drei) Begriffe die lyrische Seite der Literatur und des Schreibens. Sie bezeichnen, wenn man es so will, Kolleg*innen der Schriftsteller*innen und können im Überbegriff auch wieder als Autor*innen (bzw. Schreibende) bezeichnet werden.

      Liebe Grüße
      Sarah

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  2. Ich ecke mit den beiden Berufsbezeichnungen immer wieder an - in den social medias oder auch auf meinem (Gemeinschafts)Blog bleibe ich jedoch bei Autor*in. Wobei ja dann beide Bezeichnungen richtig wären, ich spreche ja nur über solche, die bereits mindestens ein Buch veröffentlicht haben … aber immer wieder ein Thema das einem -. mich - umtreibt. Aber wie viele Bezeichnungen haben wir in der deutschen Sprache, die doch (fast) das gleiche aussagen?! Das selbe? Siehst, geht schon weiter *lach

    Hab einen mukkeligen Sonntag!

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    1. Hey!

      Genau, dann kannst du ja wirklich beides nehmen. Ich schreibe auch meist von Autor*innen, das erspart das Hin- und Herüberlegen.
      Haha, genau, dass ist ein ganzes Thema für sich *lach*

      LG Sarah

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  3. Liebe Sarah,
    das ist ein sehr interessanter Beitrag, aus dem ich was gelernt habe. Ich habe die Begriffe bisher auch synonym verwendet und in meinen Buchbesprechungen immer vom »Autor« gesprochen. Schriftsteller ist mir da selten in den Sinn gekommen... Wieder was gelernt :) Danke dafür!
    Alles Liebe,
    Janika

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    1. Hallo Janika,

      vielen Dank, das freut mich :)

      Liebe Grüße
      Sarah

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  4. Hallo Sarah!
    Irgendwie war mir zwar immer bewusst, dass es da einen Unterschied geben muss, aber so richtig kannte ich ihn nie. Nun bin ich auf jeden Fall schlauer und danke dir für diesen interessanten Beitrag!

    Liebe Grüße!
    Gabriela vom Buchperlenblog

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  5. Ich habe Schriftsteller und Autor auch immer Synonym benutzt O_O Und hätte ich raten müssen, hätte ich gesagt, dass "Autor" die offizielle Bezeichnung des Berufs ist :D Man lernt nie aus. Danke für den Beitrag!

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    1. Hey Sina,

      ja, so verwirrend ist das manchmal mit den Worten. Wobei Autor*in gewissermaßen auch eine Berufsbezeichnung ist. Nur eben nicht ausschließlich für den Literaturbetrieb ;)

      Liebe Grüße
      Sarah

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  6. Huhu,
    ich habe die beiden SchriftstellerInen und AutorInnen auch immer als Begriff für das Gleiche gesehen. So schnell lernt man neues hinzu.

    Liebe Grüße
    Lilly

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  7. Danke für den Beitrag. Es zeigt sich immer wieder, wie selbstverständlich wir mit Begriffen umgehen, ohne ihre (exakte) Bedeutung zu kennen. Für mich war Schriftsteller*in schon immer eine Person, die beruflich Bücher schreibt, während es für die Bezeichnung Autor*in es reicht, mal ein Buch veröffentlicht zu haben. Aber ich habe im Laufe meines Lebens schon bei zahlreichen Wörtern Aha-Effekte erlebt :)

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    1. Hallo Elena,

      richtig, mir begegnen auch immer mal wieder Worte, die ich ganz selbstverständlich nutze und mich dann irgendwann frage, ob das so eigentlich richtig ist (wie in diesem Fall mit Autor*in/ Schriftsteller*in).

      Danke dir für deinen Kommentar und liebe Grüße
      Sarah

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  8. Guten Abend Sarah,

    das ist eine sehr spannende Frage. Ich verwende den Ausdruck "Schriftsteller" selbst mittlerweile sehr selten und nutze eigentlich so gut wie immer nur "Autor". An dieser Stelle kann ich dir sogar gar nicht sagen, warum ich das tue. Das hat sich bei mir einfach so "eingespielt" würde ich sagen. Vielleicht ist in meinem Kopf auch ein bisschen verankert, dass "Autor" die Bezeichnung "Schriftsteller" abgelöst hat? Autor klingt natürlich auch ein bisschen moderner.

    Liebe Grüße
    Chrissi

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    1. Hallo Chrissi,

      da geht es mir ähnlich wie dir. Bei mir ist der Grund einfach, dass Autor*in kürzer als Schriftsteller*in ist und ich immer versuche, Texte so kurz wie möglich zu schreiben. Das ist dann zwar nur ein Wort, dass etwas kürzer ist, aber auch das macht manchmal schon einiges aus ;)
      Ich glaube, dieses Gefühl, dass wir heute eher von Autor*innen als von Schriftsteller*innen sprechen, hat auch etwas damit zu tun, dass wir zunehmend Anglizismen nutzen und daran gewöhnt haben, englische Begriffe in unsere Sprache aufzunehmen. Autor*in und author klingen immerhin ähnlich und werden fast gleich geschrieben...

      Liebe Grüße und vielen Dank für deinen Kommentar!
      Sarah

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  9. Liebe Sarah,
    dass ist ein wirklich unglaublich interessanter Beitrag und ich hätte nicht gedacht, dass es dort wirklich einen Unterschied gibt. So kann man immer wieder etwas neues lernen, Dank!
    Alles Liebe
    Julia

    https://thebookdynasty.de
    #litnetzwerk

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    1. Hey Julia,

      danke für deinen Kommentar!

      Liebe Grüße
      Sarah

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  10. Hallo!

    Das ist aber ein schöner Text. Ich hatte mich erst letztens gefragt, wo genau der Unterschied liegt, als ich zwischen den zwei Schlagwörtern Autor und Schriftsteller stand. Jetzt ist mir der Unterschied viel klarer.

    Viele liebe Grüße
    Ani

    #litnetzwerk
    https://www.tiefseezeilen.de

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    1. Hallo Ani,

      dann kam mein Post ja zu einer wirklich guten Zeit ;)

      Liebe Grüße
      Sarah

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  11. Liebe Sarah, eine interessante Fragestellung. Hätte den Begriff "SchriftstellerIn" gefphlemässig eher Büchern zugeordnet und "AutorIn" weiter gefasst, aber bewusst war mir die Unterscheidung nicht.
    Danke für die Aufklärung.
    Liebe Grüsse
    Isabel

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    1. Hallo Isabel,

      danke dir! Dann hast du ja intuitiv schon alles richtig gemacht.

      Liebe Grüße
      Sarah

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  12. Liebe Sarah,

    ein wirklich sehr interessanter Beitrag, der zum Nachdenken anregt. Ich hätte mir noch weitere Quellenangaben gewünscht, wo man selbstständig noch ein wenig recherchieren und nachvollziehen kann, worauf sich der Beitrag/deine Meinung - neben Duden und DWDS - stützt.

    Durch mein Studium bin ich schon häufiger mit den Unterschied zwischen Schriftsteller und Autor konfrontiert worden, gerade die Frage der Autorschaft und der Theorie des Tods des Autors wurde häufig und ausgiebig diskutiert. Für mich persönlich steckt noch viel mehr hinter dem Begriff des Autors bzw. der Autorschaft, aber das würde zu weit führen und zu wissenschaftlich enden. Ich habe auch das Gefühl, dass der Begriff Schriftsteller eher für Verfasser älterer Werke genutzt wird - Shakespeare ist zweifelsohne ein Schriftsteller, ich denke das würde jeder so unterschreiben. Bei aktuellen Werken höre ich nur selten die Bezeichnung Schriftsteller. Das ist auch irgendwie interessant.

    Vielen Dank für diesen tollen Impuls, der zum Nachdenken anregt.

    Herzliche Grüße,
    Sabrina

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    1. Liebe Sabrina,

      danke dir erstmal für deinen Kommentar und die Anregung! Für den Beitrag hier werde ich es wohl nicht mehr anpassen, aber für kommende #Literafaktisch-Beiträge werde ich es im Auge behalten.

      Jetzt wo du es sagst/ schreibst... So bewusst habe ich das selbst noch nicht wahrgenommen, aber eigentlich hast du recht. Schriftsteller*in erscheint wirklich meist im Zusammenhang mit älteren Werken. Vielleicht hat es etwas mit den zunehmenden Anglizismen in unserer Sprache zu tun und damit, dass wir dazu neigen, doch mal etwas auf Englisch auszudrücken, statt uns deutsche Äquivalente zu überlegen? Autor*in und author klingen immerhin ähnlich und werden fast gleich geschrieben...

      Liebe Grüße
      Sarah

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  13. Das ist wirklich eine spannende Sache! Ich habe aber ehrlich gesagt nie so recht darüber nachgedacht, dabei werde ich als Texterin sehr oft als Autorin angesprochen. Unterbewusst habe ich diesen Unterschied so, wie du ihn schreibst, eigentlich auch immer umgesetzt. Aber darüber einmal nachzudenken und den Begriff dann flektierter zu nutzen, kann ja nie schaden :D

    Liebe Grüße,
    Lisa

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    1. Hallo Lisa,

      dann hatte deine Intuition ja schon den richtigen Riecher! Ich finde es erstaunlich, wie man unterbewusst manchmal schon das Richtige macht, ohne zu wissen, warum bzw. ohne wirklich darauf zu achten.

      Liebe Grüße
      Sarah

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