Gibt es einen Unterschied zwischen Autor*innen und Schriftsteller*innen?

Samstag, 12. Januar 2019 | 4 Kommentare
schreibende Hand
Als ich vor kurzem eine Rezension schrieb und mal wieder überlegte, mit welchen Synonymen ich etwas ausdrücken kann, um nicht die gleichen Worte x-mal zu verwenden, stolperte ich über die Begriffe Autor*in und Schriftsteller*in. Bislang hatte ich sie meist synonym verwendet und vor allem, wenn der Text möglichst kurz sein sollte, lieber von Autor*innen statt Schriftsteller*innen geschrieben. Doch ist das eigentlich korrekt? Haben beide Begriffe die gleiche Bedeutung?
Meine Suche nach Antworten führte mich zunächst auf die Seite des Dudens. Demzufolge können beide Begriffe synonym verwendet werden. Trotz dieser Aussage weist der Duden für beide Begriffe unterschiedliche Bedeutungen aus. An diesem Punkt wird es interessant.

Autor*in

Der Duden definiert den/ die Autor*in folgendermaßen:
1. Verfasser eines Werkes der Literatur, eines Textes
2. (seltener) Urheber eines Werks der Musik, Kunst, Fotografie, Filmkunst
Der Begriff stammt vom lateinischen Wort auctor, das u.a. Urheber, Schöpfer und Verfasser bedeutet. Von diesem Ursprung ausgehend ist ein*e Autor*in eine Person, die etwas kreiert bzw. verfasst. Das kann ein literarischer Text sein, muss aber nicht. Es kann ebenso z.B. ein journalistischer Text, ein Sachtext, ein Comic oder ein Bilderbuch sein. Wichtig für die Betitelung "Autor*in" ist einzig und allein die Tätigkeit, die ausgeführt wird, und nicht der Inhalt des Werkes oder ob es am Ende veröffentlicht wird.
Folglich ist der Begriff Autor*in ein sehr weit gefasster, der über den Literaturbetrieb hinausreicht und in seiner weiten Definition auch z.B. Musik- und Bildautor*innen einschließt, denn auch diese sind Urheber*innen eines Werkes.

Schriftsteller*in

Anders als der Begriff Autor*in ist Schriftsteller*in eindeutig an den Literaturbetrieb gebunden. Entsprechend definiert der Duden den/ die Schriftsteller*in als
jemand, der [beruflich] literarische Werke verfasst
Der Begriff wurde im 16. Jahrhundert von der Redewendung "eine Schrift stellen" abgeleitet. Damit wurde die Tätigkeit bezeichnet, für andere eine Rechts- oder Bittschrift aufzusetzen. Im 17. Jahrhundert löste der Begriff dann die Bezeichnungen Skribent und Autor für den/ die Verfasser*in literarischer Werke ab (Quelle: DWDS).
Damit ist die Verbindung des/ der Schriftsteller*in zum literarischen Werk geklärt. Bleibt noch die Frage, wann von einem literarischen Werk gesprochen wird. An dieser Stelle gibt es unterschiedliche Ansichten. Weitestgehend einig ist man sich über die Frage nach der Gattung. Demnach wird von Schriftsteller*innen nur im Zusammenhang mit Epik und Dramatik gesprochen; in der Lyrik gibt es stattdessen die Dichter*innen.
Wann ein literarisches Werk jedoch Werk genug ist, um von Schriftsteller*innen sprechen zu können, ist umstritten. Für manche reicht es, wenn das Manuskript fertig ist. Für manch andere bedarf es eines Verlagsvertrages und fertiger Bücher im Handel. Die gängigste Ansicht, die ich finden konnte, bezieht sich auf die Veröffentlichung. Demzufolge ist eine Person, die ein literarisches Werk geschrieben, aber nicht veröffentlicht hat, ein*e Autor*in. Erst mit der Veröffentlichung wird sie zur Schriftsteller*in. Ein Vertrag mit einem Verlag ist dabei nicht zwingend notwendig. Auch Selfpublisher*innen können Schriftsteller*innen sein.

Gibt es also einen Unterschied zwischen Autor*in und Schriftsteller*in?

Die klare Antwort lautet: Ja! Es gibt ihn.
Schriftsteller*innen sind stets auch Autor*innen. Umgekehrt ist jedoch nicht jede*r Autor*in gleichzeitig ein*e Schriftsteller*in.

Ich habe bei meinen Recherchen jedoch festgestellt, dass der Übergang zwischen beiden Begriffen fließend und viel von der eigenen Wahrnehmung abhängig ist. Gerade im alltäglichen Sprachgebrauch werden beide Begriffe vielfach synonym verwendet. Selbst der Duden schlägt das vor. Die Unterschiede werden dagegen selten thematisiert und entsprechend selten wird tatsächlich eine klare Linie zwischen beiden Begriffen gezogen.

Im Gespräch

War euch der Unterschied zwischen beiden Begriffen bislang bewusst oder habt ihr sie (wie ich) synonym verwendet?
Ab wann sind für euch Autor*innen Schriftsteller*innen? Macht ihr das an bestimmten Maßstäben fest?

4 Kommentare

  1. Hallo Pergamentfalter. Ein Autor bin ich schon, wenn ich diesen Kommentar für Deinen Beitrag oder einen Leserbrief bzw. einen Wanderführer verfasse. Schriftsteller ist klar. Aber was sind Gedichtschreiber? Poeten? Ich lese Deinen Blog nur gelegentlich, aber gern.

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    1. Hallo Angelika,

      danke für deinen Kommentar.

      In dem Bereich, den du benennst, sind die Begrifflichkeiten meines Wissens noch verschwommener in ihrer Bedeutung, als es bei Autor*innen und Schriftsteller*innen der Fall ist. Noch dazu gibt es dort keine wirkliche Auseinandersetzung darüber, welcher Begriff nun am besten wofür passt. Trotzdem hab ich mal ein bisschen recherchiert.

      Laut Duden gibt es nur die Poet*innen und die Dichter*innen. Beide Begriffe können synonym verwendet werden; "Poet*in" ist einfach der bildungssprachliche Begriff, der dem Lateinisch-Griechischen entlehnt ist.
      Das Wort Gedichteschreiber*innen gibt es so als festen Begriff dagegen nicht. Es ist einfach ein kombinierter Begriff, wie es ihn zu tausenden im Deutschen gibt. Ich vermute mal, er ist ähnlich stark in der Alltagssprache verhaftet, wie es der Begriff "Schreiber*in" allgemein anstelle von Autor*in/Schriftsteller*in ist. Da sagt man landläufig zwar auch "Schreiber*in", schreibt dann aber meistens von "Autor*innen" o.ä.
      Insgesamt beschreiben diese zwei (bzw. mit dem/der Dichter*in drei) Begriffe die lyrische Seite der Literatur und des Schreibens. Sie bezeichnen, wenn man es so will, Kolleg*innen der Schriftsteller*innen und können im Überbegriff auch wieder als Autor*innen (bzw. Schreibende) bezeichnet werden.

      Liebe Grüße
      Sarah

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  2. Ich ecke mit den beiden Berufsbezeichnungen immer wieder an - in den social medias oder auch auf meinem (Gemeinschafts)Blog bleibe ich jedoch bei Autor*in. Wobei ja dann beide Bezeichnungen richtig wären, ich spreche ja nur über solche, die bereits mindestens ein Buch veröffentlicht haben … aber immer wieder ein Thema das einem -. mich - umtreibt. Aber wie viele Bezeichnungen haben wir in der deutschen Sprache, die doch (fast) das gleiche aussagen?! Das selbe? Siehst, geht schon weiter *lach

    Hab einen mukkeligen Sonntag!

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    1. Hey!

      Genau, dann kannst du ja wirklich beides nehmen. Ich schreibe auch meist von Autor*innen, das erspart das Hin- und Herüberlegen.
      Haha, genau, dass ist ein ganzes Thema für sich *lach*

      LG Sarah

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