[Rezension] Mark Roderick: Post Mortem - Tränen aus Blut

Sonntag, 27. Januar 2019 | 8 Kommentare
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Buchcover © FISCHER Taschenbuch
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512 Seiten | 2016 | FISCHER Taschenbuch | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Post Mortem 1

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Warnungen (Ausklappbar) Folter, Gewalt gegen Kinder, Snuff-Filme (gefilmter Mord)

Nichts für schwache Nerven

"Komm nach Hause und räche dich an denen, die uns getötet haben." Diese Nachricht jagt dem Profikiller Avram Kuyper einen kalten Schauer über den Rücken, denn der Anrufer ist sein Bruder Goran. Kurz darauf ist er mitsamt seiner Familie verschwunden.
Zeitgleich bekommt die Interpol-Agentin Emilia Ness einen Mordfall auf den Tisch. Das Brisante: Der unbekannte Tote hinterließ einen Brief an Emilia, in dem er sie um Hilfe bittet. Dabei hat Emilia ihn noch nie zuvor gesehen.

So grausam wie möglich ...

Ein Auftragsmörder und eine Interpol-Agentin: Diese Kombi war es, die mich als allererstes neugierig auf die "Post Mortem"-Reihe von Mark Roderick werden ließ. Kann ein dermaßen ungleiches Duo in einer Geschichte überzeugen? Ja, kann es, auch wenn man von Duo (in Sinne von Team) nicht wirklich sprechen kann.
Die Geschichte beginnt mit zwei Botschaften: eine an Avram Kuyper von seinem Bruder, eine an Emilia Ness von einem unbekannten Toten. Zwei Botschaften, die nur der Eisberg einer Geschichte sind, die mir mehrfach Gänsehaut bescherte.
Aber der Reihe nach: Die Geschichte wird abwechselnd aus Avrams und Emilias Perspektive erzählt. Hin und wieder überschneiden sich die beiden Stränge, aber zumindest anfangs haben die beiden kaum etwas miteinander zu tun. Das macht jedoch überhaupt nichts, denn auch so sind beide Stränge spannend erzählt und gefielen mir insbesondere aufgrund des Wechsels zwischen polizeilicher Ermittlung und Spurensuche eines Killers sehr gut. Ebenfalls gefiel mir, wie beide Stränge - so unterschiedlich sie anfangs auch sind - zunehmend miteinander verknüpft werden und eine gemeinsame Geschichte ergeben.
Die hat es dann auch ordentlich in sich. Der Mord am Anfang ist im Vergleich zu dem, was das Buch alles bereit hält, gefühlt nichts. Ich musste mehrfach ganz schön schlucken, weil die Grausamkeiten und Perversitäten nicht einmal vor Kindern halt machen. Angesichts dessen war ich wirklich froh, dass Mark Roderick Fingerspitzengefühl beim Schreiben bewiesen hat: Nach dem Motto "So grausam wie möglich, so detailliert wie nötig" beschreibt er zwar, was passiert, verliert sich dabei aber nicht in unnötig vielen Details.

Spannendes Doppelpack

Die beiden Hauptfiguren, Avram und Emilia, gefielen mir größtenteils gut. Gefühlt mit jeder Seite lernte ich sie etwas besser kennen und habe doch am Ende dieses Bandes noch längst nicht das Gefühl, sie wirklich zu kennen. Das macht definitiv Lust auf die Folgebände! Zudem sind beide so herrlich verschieden. Damit wird es nie langweilig.
Trotzdem hatte ich einen Favoriten: Avram. Er ist nicht einfach nur der kühle Mörder, sondern ein Mann mit Tiefe, der immer wieder zwischen familiärer Zuneigung, kühler Logik und Gewalt balanciert. Bei ihm bin ich besonders gespannt, wie er sich in den Folgebänden weiterentwickelt.

Die Sache mit der Liebe

Avram: top! Emilia? Nicht so richtig. Irgendwie fehlte ihr die Professionalität. Das wird zwar meist damit erklärt, dass sie vor allem Schreibtischtäterin ist, aber 100 % überzeugt hat mich das nicht. Zumal sie stellenweise wirklich Anfängerfehler macht!
Außerdem ging mir ihr pubertäres Getue gehörig auf den Keks. Kaum taucht ein einigermaßen attraktiver Kerl auf, kann sie kaum noch vernünftig geradeaus denken. Das wirkte weder sonderlich kompetent, noch besonders überzeugend. Glücklicherweise wurden diese Momente im Laufe der Handlung weniger. Meinetwegen hätte diese Liebesgeschichte aber auch ganz gestrichen werden können. Wer sagt eigentlich, dass es eine Liebesgeschichte braucht, wenn es eine weibliche Ermittlerin gibt?

FAZIT: Spannend, aber definitiv nichts für Zartbesaitete.

Mit dem Auftakt seiner "Post Mortem"-Reihe liefert Mark Roderick einen spannenden Thriller mit zwei interessanten Hauptfiguren und einer Handlung, die ganz schön unter die Haut geht. Einen Punktabzug gibt es angesichts einer zeitweise zu liebestollen und nicht sehr kompetent wirkenden Ermittlerin. Trotzdem freue ich mich auf die Fortsetzung!

bewertung_4 Pergamentfalter

Zusammenfassung

Positiv Neutral Negativ
  • Abwechslungsreiche Charaktere
  • Durchgängige Spannung
  • Überzeugende Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Zwei Perspektiven
  • Emilias teilweise fehlende Professionalität

Weitere Meinungen

Die Reihe im Überblick

  1. Post Mortem - Tränen aus Blut
  2. Post Mortem - Zeit der Asche
  3. Post Mortem - Tage des Zorns
  4. Post Mortem - Spur der Angst
  5. Post Mortem - Herzen aus Wut

8 Kommentare

  1. Ja, warum braucht es auch einen Liebes Aspekt in einem Thriller bei einer weiblichen Hauptfigur? Die Frage kann ich dir auch nicht beantworten. Ich habe mich das auch schon häufiger gefragt. Vielleicht ist es der Versuch, den Gänsehaut Moment der Geschichte kurzfristig auszusetzen und über etwas schönes wie die Liebe zu berichten. Ich finde gerade bei Krimis kommt auch immer irgendwie eine kleine Liebesgeschichte mit hinein. Ich lese beide Genres gerne, habe sie aber durchaus auch gern von einander getrennt.
    Ich merke mir diese Thriller Reihe mal. Hört sich genau richtig an für ein bisschen Abwechslung nach ein paar Liebesromanen.
    LG Kerstin

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    1. Hallo Kerstin,

      das kann sein. Gerade bei härteren Thrillern ist so ein bisschen Abwechslung auch schön, aber dann doch bitte als Teil der Geschichte und nicht komplett aufgesetzt und unecht wirkend. Wobei ich auch das Gefühl habe, bei weiblichen Ermittlerinnen wird öfter eine Liebesgeschichte extra draufgesetzt als bei männlichen Ermittlern. Nervig...

      Liebe Grüße
      Sarah

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  2. Hey du,
    ich mag die Reihe ja echt total gerne, besonders wegen der Charaktere. Ich will in Kürze endlich "Spur der Angst" vom SuB befreien, das wartet schon viel zulange;-)
    Liebe Grüße, Petra

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    1. Hey Petra,

      na dann mal ran an's Buch!
      Ich war erst kürzlich überrascht, dass es schon vier, bald fünf Bände davon gibt. Irgendwie ging ich immer davon aus, es sei eine Trilogie...

      Liebe Grüße
      Sarah

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  3. Erstmal lieben Dank fürs verlinken *-*

    Ich sehe es ähnlich wie du, wobei mich das Buch etwas mehr geflasht hat - aber eben dies kann der weitere Verlauf (die folgenden Bände) leider nicht halten. Hab irgendwann, nach Band 3 glaube ich, aufgehört die Reihe weiter zu lesen … Bin gespannt was du zum Folgeband sagen wirst!

    Mukkelige Grüße (=

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    1. Hallo Janna,

      sehr gerne <3

      Dann bin ich mal gespannt, wie es mir damit ergeht. Bei Band 2 merke ich jetzt gerade, dass er schwächer als der erste ist, allerdings rede ich mir noch ein, dass es ein typischer zweiter Band ist und es beim Dritten wieder aufwärts geht. Mal schauen!

      Liebe Grüße
      Sarah

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    2. Ich weiß nicht ob ich ehrlich sein soll oder lieber schweige zu Band 3 :D :D

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    3. Ich befürchte, ich weiß, was du mit "ehrlich" meinst und hoffe, dass es mir mehr gefallen wird als dir *lach*

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