[Rezension] Lars Kepler: Der Hypnotiseur

Sonntag, 4. November 2018 | Kommentieren
buch mit kerze
Buchcover © Bastei Lübbe
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640 Seiten | 2010 | Bastei Lübbe | Deutsch

Original: Hypnotisören
Übersetzerin: Paula Berf

Reihe: Joona Linna #1

Weitere Informationen beim Verlag

Nicht wie erwartet

Seit einem Monat liegt das Buch nun ausgelesen auf meinem Schreibtisch und es fällt mir noch immer schwer, meine Eindrücke in Worte zu fassen. Ich hatte mich auf eine spannende Kriminalgeschichte gefreut, in der ein Hypnotiseur nach und nach aufdeckt, was geschehen ist. Die Realität sah leider anders aus.

Der Ausgangspunkt

Eine Familie wird bestialisch ermordet. Nur der vierzehnjährige Sohn überlebt schwer verletzt. Als Kriminalkommissar Joona Linna erfährt, dass es auch noch eine ältere Schwester gibt, zieht er den Arzt und Hypnotiseur Erik Maria Bark hinzu. Was der von dem Jungen erfährt, übertrifft selbst die kühnsten Erwartungen.

Ein Buch, zwei Handlungen

Normalerweise hat ein Kriminalroman einen Fall, der im Zentrum steht und bearbeitet wird. So ist es auch in diesem Buch - und doch irgendwie nicht.
Die Handlung startet mit dem Mord an einer Familie, der aber gar nicht das Zentrum der Handlung ist. Das wird spätestens deutlich, als nach nicht einmal der Hälfte des Buches der Fall gelöst ist und man sich fragen könnte, was denn nun noch erzählt werden soll.
Stattdessen geht es um Erik Maria Bark, den Hypnotiseur, seine Familie und seine Vergangenheit. In letzterer hat ein absolutes Desaster dazu geführt, dass er nicht mehr als Hypnotiseur arbeitet und seine Frau ihm seit nunmehr zehn Jahren Vorhaltungen macht (Randnotiz: Warum sie trotzdem noch zusammen sind, wenn alles so belastend ist, hat sich mir nicht erschlossen). Als er sich in dem Mordfall doch entschließt, wieder zu hypnotisieren, weckt er die sprichwörtlichen schlafenden Hunde und seine Vergangenheit und das, was daraus erwächst, wird zum eigentlichen Handlungsmittelpunkt.

Zäh und trocken

Der neue Mittelpunkt ist jedoch deutlich weniger spannend als der Mordfall. Er beginnt mit einem Sprung in Eriks Vergangenheit. Auf über 100 Seiten wird langatmig beschrieben, was damals in seinem Leben passierte. Die Probleme, die Erik in der Gegenwart hat und die eigentlich für Spannung sorgen könnten, gehen dabei komplett verloren und auch nach der Rückblende braucht die Geschichte Zeit, um wieder etwas in Fahrt zu kommen.
Wirklich spannend wurde es erst im finalen Showdown, während dem das Buch mich tatsächlich fesseln konnte.

Wenig überzeugende Charaktere

Bis dahin war der Weg aber steinig und die Geschichte viel zu langatmig, um spannend sein zu können. Die Charaktere konnten dabei nur wenig rausreißen und blieben überwiegend blass. Einziger Lichtblick - auch im Hinblick auf die weiteren Bände der Reihe - ist Joona Linna. Der Ermittler hat nichts mit den gängigen Klischees vom trinkenden, nur an Sex denkenden Ermittler mit psychischen Problemen zu tun und ist damit wunderbar erfrischend. Eine tiefe Persönlichkeit habe ich bei ihm zwar auch vermisst, aber für einen ersten Band fand ich ihn in Ordnung.

FAZIT:  Langweilig und irritierend.

"Der Hypnotiseur" ist anders als erwartet - und das leider nicht im positiven Sinn. Die rasche Abhandlung des Mordfalls und der neue Fokus auf Erik Maria Bark verwirrten und nahmen der Geschichte über lange Zeit die Spannung. Die Charaktere waren mir überwiegend zu blass. Die akzeptable Gestaltung des Ermittlers Joona Linna lässt in der Hinsicht jedoch auf bessere Folgebände hoffen.

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Zusammenfassung

Positiv Neutral Negativ
  • interessanter Einstieg
  • Hauptfigur Joona Linna bedient keine typischen Ermittlerklischees
  • zweigeteilte Handlung, was durch Rückentext o.ä. nicht klar wird
  • kaum Atmosphäre
  • Fall zu schnell aufgeklärt; zweiter Handlungsteil wesentlich langweiliger
  • wenig Spannung
  • zäher, langer Rückblick in der Mitte der Handlung, dadurch Verlust des Fokus auf Gegenwartshandlung
  • blasse Charaktere

Weitere Meinungen

Die Reihe im Überblick

  1. Der Hypnotiseur
  2. Paganinis Fluch
  3. Flammenkinder
  4. Der Sandmann
  5. Ich jage dich
  6. Hasenjagd

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