[Rezension] Kristina Ohlsson: Aschenputtel

Sonntag, 18. November 2018 | 4 Kommentare
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Buchcover © Blanvalet

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496 Seiten | 2012 | Blanvalet | Deutsch

Original: Askungar
Übersetzerin: Susanne Dahmann

Reihe: Fredrika Bergman #1

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Auf Anfang

Chronologisches Lesen scheint mitunter einfach nicht mein Ding zu sein. Anders kann ich euch nicht erklären, dass ich nun nach Band 5 und Band 4 den ersten Band der Reihe um Fredrika Bergman gelesen habe. Schlecht war das jedoch nicht: Zwar kannte ich die Figuren bereits (auch wenn ich mich nicht immer so gut an sie erinnerte), aber die Handlung hat mir trotzdem gefallen.

Die Geschichte

Ein kleines Kind wird auf der Bahnfahrt von seiner Mutter getrennt und verschwindet spurlos. Kriminalkomissar Alex Recht und sein Team übernehmen die Ermittlungen und glauben zunächst an einen Routinefall - bis der Fall über Nacht zum Albtraum mutiert.

Abwechslungsreiche Charaktere

"Aschenputtel" punktete für mich in erster Linie mit überzeugenden, abwechslungsreichen Charakteren. Gerade in Reihenauftakten kommen die Figuren manchmal etwas kurz. Ganz anders hier, denn vor allem die Hauptfiguren werden sehr gut charakterisiert.
Alex Recht gilt als Koryphäe in Ermittlerkreisen und es scheint fast schon eine Ehre zu sein, mit ihm zu arbeiten. Auch wenn ich von seiner angeblichen Genialität im Laufe der Handlung wenig merkte, war er mir auf Anhieb sympathisch.
Ganz anders ging es mir mit seinem Kollegen Peder Rydh. Wo Alex ein Teamplayer ist, ist Peder ein selbstverliebter Idiot, der kaum an andere denkt. Zwar bessert er sich im Laufe der Geschichte ein bisschen, aber warm wurde ich trotzdem nicht mit ihm.
Die Dritte im Bunde ist Fredrika Bergman. Als Akademikerin im Polizeidienst und Neuling im Team hat sie keinen einfachen Stand und wird anfangs besonders von Peder, aber auch von Alex nicht ernst genommen. Hinzu kommt, dass sie keine besonders emotionale Person ist, und deswegen schnell als "abweisend" abgestempelt wird. Während der Ermittlungen überrascht sie jedoch mit ihren Einfällen und ihrer Logik.
Daneben gibt es noch einige Nebenfiguren, die mal mehr, mal weniger deutlich charakterisiert werden. Der Fokus liegt eindeutig auf den drei Protagonisten und ihrer Teambildung, was mir in der Umsetzung sehr gut gefallen hat.

Zwischen Längen und Spannung

Neben den Figuren, die ich bereits kannte, war es vor allem die Geschichte, die mir gefiel - trotz ein paar kleiner Einbußen.
Erzählt wird sie aus verschiedenen Perspektiven: Das Gros übernehmen die drei Hauptfiguren, aber auch Opfer, Täter und Gehilfen kommen hin und wieder zu Wort. So erhält man einen tiefen Einblick in die Handlung und in einzelne Persönlichkeiten, ohne tatsächlich mehr zu wissen als die Ermittler - ein wirklich geschickter Schachzug der Autorin!
Den Schock der Mutter am Beginn der Handlung konnte ich sehr gut nachvollziehen und war dadurch direkt mitten in der Handlung. Trotzdem sorgte gerade in der ersten Hälfte des Buches die zähe Ermittlungsarbeit eher für Längen als für Spannung. Dank der Reibereien zwischen den Hauptfiguren blieb die Geschichte interessant, aber vollends gefesselt war ich nicht.
Mit Voranschreiten der Ermittlungen wurde dann endlich der Fall selbst richtig spannend. Er ist bei weitem nicht so routinemäßig, wie Alex und Co. anfangs dachten, sondern ziemlich verworren. Es gibt einige falsche Fährten und Fragezeichen, die es zu klären gilt. Wohin die Ermittlungen führen und wie es ausgeht, ist lange nicht klar, was mir sehr gut gefallen hat. So konnte ich viel miträtseln und war zunehmend gepackt von der Handlung.
Das Ende war mir dann etwas zu hastig, schloss den Fall aber insgesamt gut ab.

FAZIT: Guter Auftakt.

"Aschenputtel" verspricht gute Unterhaltung mit überzeugenden Figuren. Neben ein paar Einbußen in Sachen Spannung fehlte mir letztlich das "gewisse Etwas", mit dem es zu einem echten Pageturner geworden wäre.

Nachtrag: Das Buch hat nichts mit dem Märchen "Aschenputtel" zu tun.

bewertung_4 pergamentfalter

Zusammenfassung

Positiv Neutral Negativ
  • Angenehmer Schreibstil
  • Perspektivwechsel
  • Überzeugende, abwechlungsreiche Charaktere
  • Verhältnis zwischen den Charakteren und Teambuilding
  • Überraschende Wendungen
  • Zähe Ermittlungsarbeit
  • Keine 100% durchgängige Spannungskurve
  • Etwas hastiges Ende

Weitere Meinungen

Die Reihe im Überblick

  1. Aschenputtel
  2. Tausendschön
  3. Sterntaler
  4. Himmelschlüssel
  5. Papierjunge

4 Kommentare

  1. Das Buch steht schon länger auf meiner Wunschliste, Märchenadaptionen sind ja immer mehr in meinem Fokus. Nicht zuletzt dank der "Märchenspinnerei", aber es wurde bislang selten von mir gelesen oder verweilt auf dem SuB - wie sooo viele Bücher *lach

    Aber trotz einiger Längen scheint es sich ja wirklich zu lohnen und deine Lesereihenfolge ist herrlich! Hab ich aber auch schon ab und wann gebracht, einfach weil ich nicht wusste das es eine Reihe ist … steht es bei den Büchern nicht bei?

    Liebe Grüße
    Janna

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    1. Hey Janna,

      doch, das steht dabei *grins* Ich hab damals über buecher.de als Buchflüsterer den 5. Band bekommen und da ich grad keine Zeit hatte, die anderen 4 vorher zu lesen, hab ich mit dem angefangen und das ging ziemlich gut. Dann fiel mir der 4. in die Hände, der weniger gut als Anfangsband geeignet war, aber da ich vorher den 5. gelesen hab, hab ich ihn doch gut verstanden. Und letztens bin ich dann über Band 1 gestolpert. Fehlen noch Band 2 und 3, mal schauen, in welcher Reihenfolge ich die lese *lach*

      Übrigens, da du von Märchenadaption schriebst: das ist "Aschenputtel" nicht, da muss ich dich enttäuschen. Der Titel geht in dem Fall auf eine (ziemlich nebensächliche) Namensgebung zurück. Mit dem Märchen hat die Geschichte aber nichts zu tun.

      Liebe Grüße
      Sarah

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    2. Ach siehst, gut das du das nochmal sagst! Oder habe ich es in deiner Rezension überlesen? o.O

      Aber ich behalte den Titel dennoch im Blick, mal sehen ob und wann. Ist ja nicht so, als ob hier keine Bücher warten würden *lach

      Einen feinen Wochenstart dir!

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    3. Ne, hast du nicht. Darüber hab ich gar nichts geschrieben. Hab gar nicht dran gedacht, dass der Titel nach Märchen klingt *lach*

      Danke, dir auch!

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