5 Gründe, "Dracula" von Bram Stoker zu lesen

Samstag, 7. Juli 2018 | 20 Kommentare
titelbild_klassiker

Werbung

BRAM STOKER: DRACULA

Erstveröffentlichung: 1897

Genre: Fantasy/ Horror

Gelesene Ausgabe:
Übersetzer: Stasi Kull | 522 Seiten | Hardcover | 1993 | Carl Hanser Verlag | Büchergilde-Gutenberg-Lizenzausgabe

Wer kennt nicht den Grafen Dracula, den blutrünstigen Vampir aus Transsilvanien? Seine Geschichte bildet die Grundlage für zahlreiche Bücher, Filme und Serien, die bis heute erschienen sind. Doch wie viel von diesem Urvampir ist heute überhaupt noch in den Geschichten enthalten?
Mit dieser Frage im Hinterkopf beschloss ich, das Original bzw. seine Übersetzung von Bram Stoker zu lesen.

Die Handlung

Der junge Anwalt Jonathan Harker reist nach Transsilvanien auf das Schloss des Grafen Dracula, der ein Haus in London erwerben will. Schnell wird ihm der Graf unheimlich, doch als er das Schloss verlassen will, setzt ihn der Graf gefangen. Wenig später häufen sich Vorkommnisse in England, die auf etwas Übernatürliches hinweisen.

Ich könnte euch jetzt lang und breit erklären, wie mir die Figuren gefallen haben, was ich an der Handlung mochte etc. Das Übliche. Langweilig!
Stattdessen gibt es heute

5 Gründe, "Dracula" zu lesen

1. Der Urvampir

Graf Dracula ist der Vampir schlechthin. Klar, heute kennen wir auch andere bekannte Vampire wie Graf von Krolock (Tanz der Vampire), Lestat (Chronik der Vampire) oder Edward Cullen (Twilight), aber das alles täuscht nicht darüber hinweg, dass Dracula der erste große und mit ziemlicher Sicherheit der bis heute bekannteste Vampir ist.
Ganz davon abgesehen beschreibt Bram Stoker das Urwesen des Vampirs, das uns heute meist nur in Ansätzen begegnet. Ein starkes, Blut trinkendes, aber Knoblauch und Kreuze fürchtendes Monster, das in einem Sarg schläft und durch einen Pflock ins Herz und/ oder durch Abtrennen des Kopfes getötet werden kann - so viel ist bekannt. Doch wusstet ihr, dass der Vampir sich in eine beliebige Form verwandeln kann (nicht nur in eine Fledermaus!) oder gänzlich zu einer Nebelgestalt werden kann? War euch bekannt, dass er über das Wetter und z.B. Wölfe, Ratten und Fliegen gebietet? Dass er sich unsichtbar machen kann? Immerhin, dass er ein Haus erst betreten kann, wenn er eingeladen wurde, danach aber so oft und wann er will, davon hatte ich schon mal gehört ...
Bram Stokers Vampir ist noch jenes Monster, das der Vampir früher darstellte, und keines von den weichgespülten Kuscheltieren, die wir heute immer wieder als Vampir verkauft bekommen.

Kleines Gimmick am Rande: Vermutlich kann jeder von euch ein paar Bücher oder Filme aufzählen, in denen die "schon immer existierende" Feindschaft zwischen Vampir und (Wer-) Wolf beschworen wird, oder? Genau diese Feindschaft führt Stokers Urvampir ad absurdum: Warum sollte einer wie Dracula schließlich Wölfe hassen, wo er doch selbst einer werden und ganze Wolfsrudel mit seinem Willen kontrollieren kann?

2. Der Vampirjäger im Original

Van Helsing. Als Inbegriff des Vampirjägers geistert dieser Name durch die Fantasy- und Horrorliteratur (und entsprechende Filme). Ein Experte auf dem Gebiet der Blutsauger; ein starker Kämpfer, der entschlossen ist, diese Wesen ein für alle Mal zu vernichten.
Auch sein Ursprung liegt in Bram Stokers "Dracula". Wer also mal wissen will, wer der ursprüngliche Van Helsing ist, findet ihn hier. Mit dem Kämpfer, den ich immer im Hinterkopf hatte, hat er zwar nicht allzu viel zu tun. Entschlossen und ein Experte ist er aber allemal!

3. Einblicke in die Medizin der Zeit

Neben dem Übersinnlichen gibt es auch Einblicke in ganz Bodenständiges wie die Medizin des 19. Jahrhunderts. Eine der Hauptfiguren, Dr. Seward, leitet beispielsweise eine psychatrische Anstalt, aus der er verschiedene Begebenheiten berichtet.
Dabei ist die Medizin nicht immer die fortschrittliche Wissenschaft, die wir heute kennen. Ein Beispiel: Eine Person erhält Bluttransfusionen von drei verschiedenen Menschen, ohne dass das Blut vorher getestet wurde, und übersteht es ganz einwandfrei. Man könnte zwar argumentieren, dass die Person längst von einem Vampir infiziert war und es daher womöglich egal war, welche Blutgruppe sie erhält. Nichtsdestotrotz wird deutlich, dass die Unverträglichkeit von Blutgruppen überhaupt kein Thema war. (Kannte man Blutgruppen zu der Zeit eigentlich schon? *grübel*)

4. Die Handlungsorte

Die meisten bekannteren Bücher auf dem deutschen Buchmarkt spielen meines Erachtens nach heutzutage in Nordamerika oder dem westlichen Europa. Zugegeben, auch "Dracula" spielt zu einem großen Teil in England und ist damit keine Besonderheit. Aber es gibt auch Abstecher in verschiedene osteuropäische Orte, allen voran Transsilvanien in Rumänien, wo die Burg des Grafen Dracula liegt. Damit ist die Örtlichkeit des Buches zumindest teilweise eine kleine Besonderheit und eine wirklich interessante Abwechlsung!

5. Die Schriftkultur

Weg vom Inhalt, hin zur Umsetzung, denn hier findet sich der fünfte Grund, "Dracula" zu lesen. Das Buch ist als Sammlung von Schriftstücken gestaltet. Die Geschichte setzt sich aus zahlreichen Briefen, Tagebucheinträgen und Telegrammen zusammen, die überwiegend die Hauptfiguren verfasst haben: Jonathan Harker, seine Frau Mina, ihre Freundin Lucy und deren Verlobter Arthur Holmwood, Professor Abraham van Helsing, Dr. John Seward und der Amerikaner Quincey P. Morris. Ihr merkt schon, es gibt allerhand Figuren in dieser Geschichte und damit auch allerhand Perspektiven, aus denen Teile der Handlung geschildert werden.
Wem diese Vielfalt nicht reicht, der mag sich vielleicht einfach an der Schriftkultur als Ganzes erfreuen. Heute wird schnell eine Kurznachricht getippt oder angerufen. Damals jedoch wartete man sehnlichst auf Briefe, Mitteilungen brauchten eine gewisse Zeit und seitenlange Tagebucheinträge berichteten vom Erlebten. Das sind alles Dinge, die wir heute kaum bis gar nicht mehr kennen. Umso schöner, das in einem Buch wiederbelebt zu sehen!

Seid ihr neugierig geworden?

Ich finde das Buch definitiv lesenswert und empfehle es insbesondere den Fantasy-Fans unter euch im Allgemeinen und den Vampir-Fans im Besonderen! 

Im Gespräch

Habt ihr "Dracula" bereits gelesen oder habt (jetzt) vor, es zu lesen?
Waren euch die vielfältigen Fähigkeiten des Vampirs nach Bram Stoker ein Begriff oder kanntet ihr wie ich auch nur die Fähigkeiten, die sich quasi als Standardausstattung in nahezu jeder Vampirgeschichte wiederfinden?

20 Kommentare

  1. Das Buch will ich schon so lange lesen. Weiss auch nicht, was mich bisher abgehalten hat... Die Filme dazu liebe ich schon mal. Irgendwann würde ich gerne mal Vlads Burg besuchen.

    Grüsse
    Silke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Silke,

      na dann mal ran an Dracula ;-) Die Burg würde ich mir auch gern mal anschauen. Vielleicht klappt es irgendwann mal?

      Liebe Grüße
      Sarah

      Löschen
  2. Sarah!
    Nun will ich das Buch wirklich unglaublich gerne lesen. Es steht schon so lange auf meiner Wunschliste und eine Zeit lang hatte ich gehofft sie würden es für unsere Klassikergruppe auswählen, aber nun werde ich es demnächst hoffentlich wirklich bald lesen!
    Alles Liebe,
    Julia von https://thebookdynasty.de
    #litnetzwerk

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Julia,

      ha, Ziel erreicht! ;-)
      Du bist in einer Klassikergruppe? Das klingt spannend! Klassiker wurden bei mir sonst nur im Deutschunterricht gelesen und da waren die allerwenigsten begeistert von.

      Liebe Grüße
      Sarah

      Löschen
  3. Ich fand diesen Klassiker ja nich so gut...nuschel...und hab abgebrochen...ich weiß auch nicht so recht, was mich gestört hat, der Schreibstil war so "Puh..."
    Ich mag dafür die Serie mit Jon Rhys Meyers und natürlich DIE Verfilmung mit Gary Oldman.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey,

      vielleicht war es wirklich der Stil. Kann mir gut vorstellen, dass diese teilweise doch recht langsame Erzählweise im Tagebuch nicht für jeden was ist.

      Vielen Dank für dein Kommentar und liebe Grüße
      Sarah

      Löschen
  4. Das sind sehr gute Gründe! Es ist schon lange her, dass ich das Buch gelesen habe, aber ich erinnere mich auch daran, wie überrascht ich von Dracula und Van Helsing war, weil man zwar viel über beide hört, aber das noch lange nicht mit der Darstellung in den Büchern übereinstimmen muss.
    Vom Stil war ich aber leider kein besonderer Fan und musste mich deshalb etwas durchquälen, ich war aber auch noch ziemlich jung, glaube ich, und hätte damit heute wahrscheinlich weniger Probleme.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Jacquy,

      definitiv! Durch die vielen Erwähnungen hat man einfach ein bestimmtes Bild im Kopf und das mal mit dem Original zu vergleichen, fand ich super spannend.

      Das kann gut sein. Ich kenne auch einige, die allgemein mit so Tagebuchstrukturen Schwierigkeiten haben, weil sie eben nicht so flüssig sind wie "klassische" Prosa mit einem direkt handelnden Protagonisten.

      Liebe Grüße
      Sarah

      Löschen
  5. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zuerst "Dracula my love" gelesen habe, ein in der Rückschau wirklich schlimmer Perspektivenwechsel, der eine Liebesgeschickte zwischen Mina Harker und Dracula beschreibt. Damals fand ich das aber total gut, habe dann "Dracula" selbst gelesen und schämte mich sehr schnell für mein Urteil für die Liebesgeschichte ...

    Hast du schon "Frankenstein" gelesen? Da ging es mir ähnlich wie damals bei "Dracula". Irgendwie kennt man die Geschichte, aber die Details selber sind dann doch ganz anders als das Buch.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Marina,

      oh je, das klingt nicht gut! Das Buch sagt mir zwar nichts, aber bei dem Gedanken an eine Lovestory zwischen Mina und Dracula gruselt es mich.

      "Frankenstein" steht aktuell noch auf meiner Leseliste. Ich kenne die Geschichte zwar im Groben und hab letztens auch eine Doku gesehen, in der es darum ging, aber auf das Buch bin ich schin ziemlich gespannt. Allein es zu sehen/ hören und selbst zu lesen macht manchmak schon so einen großen Unterschied.

      Liebe Grüße
      Sarah

      Löschen
  6. Hey :)
    Das sind fünf sehr gute Gründe, warum es sich lohnt Dracula zu lesen. Ich habe das Buch das erste Mal vor ca zwei Jahren gelesen und fand es wirklich gut. Ich war schon immer ein Fan von Vampiren gewesen und meine Faszination ist nie verschwunden und da war es für mich klar, dass ich es mal lesen muss. Zum Teil musste ich mich aufgrund des Schreibstils ein wenig durchquälen, aber in der Zukunft werde ich es sicher nochmal lesen. Mein Studium mag mir dabei vielleicht sogar ein wenig helfen können.

    Liebe Grüße
    Isabell

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Isabell,

      stimmt, als Vampirfan gehört "Dracula" einfach dazu. Zumal eine Vampirdarstellung wie die von Bram Stoker in modernen Vampirgeschichten meiner Wahrnehmung nach kaum noch vorkommt.

      Liebe Grüße
      Sarah

      Löschen
  7. Das Buch steht schon lange, lange, lange auf meiner Klassiker-Wunschliste.
    Deine Gründe gefallen mir sehr gut. Ich muss es wirklich bald mal bei mir einziehen lassen und vor allem lesen.

    Hab ein tolles Wochenende!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey,

      na dann mal ran an den Vampir ;-)
      Ich hoffe, es überzeugt dich genau so wie mich!

      LG Sarah

      Löschen
  8. Liebe Sarah,
    ich habe das Buch vor einigen Jahren gelesen, als ich mich mal gezielt durch alle Horrorklassiker gelesen habe. Dieses hat mir eindeutig mit am besten gefallen. Wie du sagst: Dadurch, dass es ein Briefroman ist, bleibt es spannend und vielseitig.
    Wo Romane wie "Frankenstein" u.ä. eher schlecht gealtert sind, wirkt Dracula recht modern dagegen ;)

    Viele Grüße
    Mareike

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Mareike,

      so eine gezielte Tour quer durch die Horrorklassiker war bestimmt auch cool! "Frankenstein" steht aktuell noch auf meiner Leseliste. Auf den Vergleich zwischen dem und "Dracula" bin ich echt mal gespannt.

      Liebe Grüße
      Sarah

      Löschen
  9. Hey Sarah,
    du hast ein tolles Rezensions-Format gewählt, eine schöne Abwechslung zu den üblichen "darum gehts" und "so hat es mir gefallen". Nach der Lektüre deiner Gründe und da es nunmal so ein großer Klassiker ist, werde ich es wohl doch noch fertig lesen müssen. Ich habe es mal abgebrochen, weil ich es ein bisschen zu melodramatisch fand und die Frauenfiguren zu passiv. Aber klar, was will man von einem Autor Ende des 19. Jhdts. erwarten. Wie fandest du Lucy und Mina?
    LG, Sabine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Sabine,

      danke, freut mich, dass es gut ankommt!

      Melodramatisch trifft es an einigen Stellen wirklich gut. Wobei sich das in meinen Augen im Verlauf gebessert hat, als die Jagd auf Dracula eröffnet wird. Lucy ist für mich die typische Frau der Zeit. Mit Blick auf die Entstehungszeit von "Dracula" finde ich sie gut getroffen, aber diesen Zeitfaktor hab ich während des Lesens hin und wieder vergessen und dann ist Lucy mir echt auf den Zeiger gegangen. Zu passiv und zu sehr auf ihren Mann fokussiert.

      Von Mina dagegen war ich wirklich überrascht. Ich meine, klar, mit der heutigen Definition einer selbstbewussten, eigenständigen Frau hat sie nicht so viel zu tun, weil sie sich auch sehr nach ihrem Mann richtet und in der Rolle der fürsorglichen Ehefrau verhaftet ist. Aber während Lucy durchweg sehr passiv und zurückhaltend war, agiert Mina selbstbewusster. Ich fand es super zu sehen, dass sie sich von den Männern nicht komplett ins Abseits drängen lässt, sondern sich aktiv beteiligt und ihren Platz in der Gruppe sucht, auch wenn das von den Männern immer wieder eingeschränkt und blockiert wird.

      Wenn du "Dracula" noch mal liest, hoffe ich, dass es dich doch überzeugen kann!

      Liebe Grüße
      Sarah

      Löschen
  10. Hey, ich habe das Buch vor einigen Jahren gelesen, aber Dein Bericht hat mir Lust gemacht es nocheinmal zu lesen.
    Lieben Gruß
    ISabel

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Isabel,

      das freut mich zu hören. Danke dir für deinen Kommentar!

      Liebe Grüße
      Sarah

      Löschen

Vielen Dank für deinen Kommentar!

Hinweis: Mit dem Abschicken deines Kommentars akzeptierst du, dass der von dir geschriebene Kommentar und die personenbezogenen Daten, die damit verbunden sind (z.B. Username, E-Mailadresse, verknüpftes Profil auf Google/ Wordpress) an Google-Server übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhältst du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.