Ansprüche an E-Books und gedruckte Bücher

Samstag, 23. Juni 2018 | 6 Kommentare
Manchmal braucht es Zeit, um bestimmte Dinge greifen zu können, die sonst nur ein vages Gefühl auslösen... Vor gut einem Jahr hatte ich im Rahmen einer Challenge bereits zum Thema E-Books vs. gedruckte Bücher geschrieben und mich dabei als Print-Fan geoutet, dem E-Books nicht allzu oft unterkommen. Während ich damals diesen Post schrieb, war da ein Gefühl, das ich nicht weiter benennen konnte, aber das mich von den E-Books weglenkte.
Über ein Jahr und viel E-Book-Erfahrung während der Bachelorarbeitsphase später finde ich endlich Worte für das, was ich schon länger spüre. Worte, die sich letztlich in einer Frage niederschlagen:

Habe ich an E-Books andere Ansprüche als an Printbücher?


Oder anders - provozierender - gefragt:

Sind E-Books 'weniger Buch'? (Für mich.)

Um hier erstmal wieder den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ich will nicht behaupten, dass E-Books per se schlechtere Bücher sind. Es gibt genügend E-Books, die wirklich gut gemacht sind, egal ob im Verlags- oder Selfpublisherbereich. Allerdings führte die Öffnung der Buchmärkte und infolge dessen die Chance, dass praktisch jeder ein Buch veröffentlichen kann, durchaus dazu, dass es auch ziemlich viele weniger gute bis schlechte E-Books gibt - sowohl inhaltlich, als auch grafisch und sprachlich betrachtet.
Von daher: Ja, ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass es nicht "das E-Book" gibt, ebenso wenig wie es "das Printbuch" gibt.
Das nur mal vorangestellt.

Zurück zu meiner Frage:

Andere Ansprüche an E-Books als an Printbücher?

Was soll das heißen?


Was für Ansprüche sollen das überhaupt sein, die ich an Bücher - bzw. hier gleichgesetzt Printbücher, weil ich die einfach häufiger lese - stelle? Im Grunde sind es genau drei:
  • Inhalt
    Von einem Buch will ich gut unterhalten werden. Der Inhalt sollte logisch und überzeugend sein. Handlungslücken, unüberschaubare Charaktere, platte Charaktere ohne Persönlichkeit oder fehlende Überzeugungskraft (hauptsächlich in Form von Spannung und Emotion) lehne ich dagegen ab.
  • Sprache
    Ein Autor muss kein sprachliches Genie sein; eine einfache Sprache reicht mir schon, wenn das Buch überzeugend geschrieben ist. Was ich dagegen nicht mag, sind ständig wiederkehrende Formulierungen, Rechtschreib- und Kommafehler oder auch grammatikalische Fehler. Kann alles mal vorkommen, immerhin sind wir alle nur Menschen. Gehäuft nerven sie mich aber.
  • Grafik
    Objektiv würde ich jetzt sagen, dass die grafische Gestaltung - insbesondere das Cover - keinen Einfluss auf mich hat. Immerhin geht es um das Buch - den Inhalt! - und nicht um das, was Verlag, Selfpublisher oder wer auch immer noch drum herum gebastelt hat. Haha, denkst'e. In Wahrheit bin ich absolut subjektiv, was das angeht, und wenn ein Cover mir nicht gefällt, würdige ich das Buch keines zweiten Blickes, egal wie gut der Inhalt sein mag (Sorry Buch!).

Und das ist bei E-Books anders?

Jaaa... zumindest teilweise. Oder anders gesagt: Wichtig sind mir diese drei Punkte sowohl bei Printbüchern als auch E-Books. Nur ihre Wertigkeit ändert sich für mich.

E-Books: Inhalt

Absolut wichtig, aber wenn es nicht gerade ein Fachbuch ist, tendiere ich dazu, oberflächlicher zu lesen. Ich tauche zunächst einmal gar nicht so tief in die Handlung ein, beschwere mich aber im gleichen Atemzug, dass ich nicht so tief eintauchen kann. Keine Ahnung warum, aber wenn ich ein E-Book lese, kann es mich nicht so fesseln, wie wenn ich genau das gleiche Buch im Print lese (Getestet!). Es ist also definitiv nicht die Schuld des Autors oder des Buches, sondern meine.
Manchmal überspringe ich sogar Absätze oder ganze Seiten oder blättere tatsächlich einfach nur so durch das Buch und lese mal hier und mal da was; manchmal nur die Dialoge, manchmal nur ein paar Monologe usw. Überzeugendes Lesen ist das garantiert nicht. Und "Erholung" und "in fremde Welten eintauchen" funktioniert so definitiv auch nicht.
Zudem mache mir weniger Gedanken darüber, ob das nun alles logisch ist und ob die Figuren tief genug sind. Während ich das bei Printbüchern haarklein auseinandernehmen kann, achte ich da bei E-Books weniger darauf. Ich nehme es einfach so hin und gut. Oder auch schlecht.

E-Books: Sprache

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn euch alles egal ist und ihr euch trotzdem über jeden kleinsten Mist aufregen könntet? Tja, so geht es mir in sprachlicher Hinsicht bei E-Books.
Auf der einen Seite bin ich wesentlich kulanter als bei Printbüchern. Über Fehler lese ich rigoros (und manchmal Augen verdrehend) hinweg. Die jucken mich weniger als in gedruckten Büchern. Zumindest an einigen Tagen.
An anderen - ich glaube, das hängt wirklich von meiner Tagesform ab - machen mich selbst die kleinsten Fehler wahnsinnig. Buchstabendreher, mal ein vergessener Buchstabe oder ein fehlendes Komma? Im Print kein Problem. Kann schließlich selbst beim besten Lektorat vorkommen. An solchen Tagen hätte ich bei E-Books trotzdem sehr, sehr, sehr gerne den Rotstift (Meine innere Deutschlehrerin grüßt.). Oder einen digitalen Schredder.
Während ich im Print also durchweg ähnliche Ansprüche an die Sprache habe, pendelt es bei mir bei E-Books zwischen nahezu absoluter Ignoranz und ständiger Korrektur. Zwischenphasen nahezu ausgeschlossen.

E-Books: Grafik

Vielleicht bin ich an dieser Stelle zu geschädigt von äußerst fragwürdigen Covergestaltungen, die ich bei Selfpublisher-E-Books bislang gesehen habe. Stichworte "Kindergartenzeichnung", "Paint-Unfall" oder "Collage mit nicht zurechtgeschnittenen Bildern". Keine Frage, es gibt auch richtig gute E-Book-Cover, von Verlagen und Selfpublishern, aber ich merke doch, dass ich bei E-Books öfter aufs Cover schaue als beim Print und dass bei E-Books wirklich nur richtige Hingucker (im positiven Sinn, nicht dieses "Ein Unfall, ich kann nicht wegschauen!"-Ding) meine Aufmerksamkeit bekommen. Während Inhalt und Sprache also an Wichtigkeit verlieren, steigt der Wert der Grafik.
Hat ein E-Book jedoch weder ein tolles Cover, noch einen richtig guten, Interesse weckenden Titel, der mir irgendwie unterkommt, hat es bei mir ziemlich schlechte Karten ...

Warum?

Warum diese veränderten Ansprüche?
Warum bedeuten mir Dinge im Printbuch mehr (oder weniger) als im E-Book, selbst wenn es sich um haargenau das gleiche Buch, nur in anderen Ausgaben, handelt? Es kann doch wohl nicht darauf hinauslaufen, dass E-Books "weniger Buch" sind, nur weil es sich um eine andere Publikationsform handelt. Definitiv nicht ...

Warum empfinde ich also so wie ich es tue?

Spoiler: Ich hab keine Ahnung. Immer noch nicht.

Aber wenigstens habe ich eine Vermutung. Und wieder mal ist das böse, böse Internet schuld daran. (Wer auch sonst?).
Digitale Kultur heißt heutzutage: Kurze Texte. Schreiben, wie einem die Nase gewachsen ist. Jeder, der will, kann etwas beitragen.
Heruntergebrochen bedeutet das nicht viel mehr, als dass lange Texte weniger gelesen werden und Grammatik und Orthografie online weniger wichtig sind. Besonders auffällig ist das in den sozialen Medien - da erzähle ich euch wahrscheinlich nichts Neues.
Meine Vermutung ist die, dass wir uns (oder ich mich) schon so an diese kurze, fehlerbehaftete Form der digitalen Texte gewöhnt haben, dass wir darüber hinweglesen. Fehler sind einfach nicht so wichtig, weil sie ständig online vorkommen. Und auch die Aufmerksamkeitsspanne wird meiner Meinung nach durch die vielen kurzen Texte gesenkt. E-Books hätten nach dieser Logik wirklich keine allzu guten Karten.
Hinzu kommt, dass ich zur "Generation Fanfiktion" gehöre. Ich bin tatsächlich schon alt genug (oder so alt), dass das Internet nicht schon immer da war. Ich war, glaube ich, in der fünften oder sechsten Klasse, als ich zuhause Internet benutzen durfte. Das war eine Zeit, in der ich nicht allzu viele Bücher gelesen habe. Dafür habe ich in dieser Zeit die ersten Fanfiktions für mich entdeckt und nach und nach angefangen, richtig, richtig viele davon zu lesen, bevor ich zu den Büchern zurückgekehrt bin. Bei Fanfiktions gibt es bekanntermaßen wie bei E-Books solche und solche und gerade die, die ich in diesen ersten Jahren gelesen habe, waren oftmals weder sprachlich besonders ausgefeilt, noch in jedem Fall so wirklich logisch. (Seien wir ehrlich: Viele waren richtig schlecht.) Vielleicht sind meine Ansprüche an E-Books einfach Folgeschäden aus dieser Zeit ...

Wie dem auch sei ... Eine wasserdichte Erklärung habe ich immer noch nicht. Ich weiß nur, dass ich - gerade weil es so ist - lieber gedruckte Bücher statt E-Books lese, denn in Erstere kann ich einfach besser eintauchen und fühle mich wohler mit ihnen. Was weiterhin nicht heißen muss, dass ich gar keine E-Books lese oder lesen werde. Vereinzelte E-Books können mich sogar vollends in ihren Bann ziehen und genauso begeistern wie Printbücher.
Und vielleicht ändern sich Ansprüche auch mit der Zeit ...

Im Gespräch

Wie geht es euch mit E-Books? Macht es für euch einen Unterschied, ob ihr Bücher in Print oder digital lest? Habt ihr unterschiedliche Ansprüche an die Varianten oder ist für euch Buch gleich Buch?

Und eine ganz egoistische kleine Frage: Was haltet ihr vom Schreibstil dieses Posts? Vielleicht habt ihr gemerkt, dass er weniger sachlich-professionell und mehr umgangssprachlich formuliert ist. Keine Ahnung, warum mir ausgerechnet hier und heute danach war und ob das so bleibt, aber mich würde mal interessieren, wie dieser veränderte Stil auf euch wirkt?

6 Kommentare

  1. Hi Sarah :)
    ich verstehe dein Gefühl, kann es aber ebenso wenig in Worte fassen. Mir gefallen gedruckte bücher insgesamt um einiges besser. Auch, wenn ich mal schnell eine Stelle wiederfinden muss, geht das mit Gedrucktem einfach besser. Außerdem fasse ich gerne was an. Hinzu kommt, dass ich keinen E-bookreader besitze und daher E-books immer auf dem Laptop lesen muss, was jetzt auch nicht so das Wahre ist. Aber prinzipiell denke ich, dass gerade was den Inhalt angeht, keine wirklichen Unterschiede zwischen Print- und digitalem Buch bestehen, letztendlich steht ja doch das Gleiche drin.
    Liebe Grüße,
    Katja

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    1. Hey Katja,

      wenn man inhaltlich vom gleichen Buch spricht, bestimmt nicht. Wäre ja merkwürdig, wenn in der E-Book-Variante etwas anderes steht als im Printbuch.

      Liebe Grüße und vielen Dank für deinen Kommentar,
      Sarah

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  2. Hallo :)
    ein interessanter Post. Ich war am Anfang bei eBooks auch skeptisch aber in der Zwischenzeit lese ich deutlich mehr eBooks als Printbücher. Meine Ansprüche sind bei beiden Formaten gleich und ich werde gefühlt auch immer kritischer beim lesen und breche mehr ab und da ist das Format egal. Nur bei Karten oder Zeichnungen haben eBooks leider oft den Nachteil dass das Bild zu klein geraten ist. Man kann zwar zoomen aber ich finde es deutlich schöner alles auf einen Blick zu haben. Das mit dem hin und her blättern, oder zum Anhang und wieder zurück springen geht in der zwischenzeit deutlich besser da viele eBooks wirklich gut formatiert sind. Die Formatierung ist aber bei eBooks sehr viel wichtiger als bei Printausgaben, grade weil sonst das hin und herspringen anstrengend wird.
    Zum Stil: Ich mag Posts die eher umgangssprachlich sind. Mich stören allerdungs die hervorgehobenen Worte, weil die eher dazu verführen nur die Stichworte zu lesen und einen Satz davor und einen danach.

    LG

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    1. Hallo Nenatie,

      danke dir für deinen Kommentar!

      Ich finde es immer faszinierend, wie unterschiedlich Lesegewohnheiten sind und dass dir zB das Format, anders als mir, gar nichts ausmacht. Wie wichtig eine gute Navigation ist, habe ich bei E-Books auch schon gemerkt, mehr noch bei wissenschaftlichen als bei fiktionalen Büchern.

      Liebe Grüße
      Sarah

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  3. Hi Sarah,

    zuerst einmal: Ich fand den Stil eigentlich nicht besonders auffällig, bis du am Ende darauf hingewiesen hast. Kann es sein, dass du durch die Bachelorarbeit nun ein bisschen sensibler für salopp geschriebenes bist?^^

    Zu eBooks: Ich lese so gut wie nie eBooks. Dabei habe ich sogar einen Tolino. Aber wenn ich den neben den ungelesenen Büchern sehe, dann greife ich immer lieber zum Buch. Ich weiß gar nicht genau woran das liegt, hab nun schon mehrfach überlegt, meinen Reader einfach zu verkaufen...
    Allerdings muss ich sagen, dass ich jetzt hier in Köln oder auch bei den ganzen Bus- und Bahnfahrten, die ich zurzeit ständig mache, manchmal wünsche, ich könnte alle meine Bücher einfach im Reader verschwinden lassen. Bücher nehmen nämlich Platz weg und haben mitunter auch Gewicht. Auf Reisen wünschte ich daher manchmal, dass ich mehr ebooks lesen würde^^

    Liebe Grüße
    Jennifer

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    1. Hey Jennifer,

      das wäre durchaus nicht unmöglich... *grübel* Wobei ich schon das Gefühl hab, anders als sonst geschrieben zu haben ^^

      Wenn du ihn nicht nutzt, ist das verständlich. Ich hab vor Jahren, als E-Books aufkamen, mal überlegt, mir einen Reader zu kaufen, es dann aber gelassen. Heute bin ich froh darüber. Die wenigen E-Books die ich lese, finden auch auf dem Tablet Platz...
      Bei vielen Fahrten haben E-Books wirklich einen Vorteil! Wenn ich pendle, frag ich mich manchmal auch, ob ein E-Book nicht angenehmer wäre, aber letztlich bleibt es dann doch beim Print ;-)

      Liebe Grüße und danke dir für deinen Kommentar,
      Sarah

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