[Rezension] J. S. Monroe: Finde mich - bevor sie es tun

Mittwoch, 7. März 2018 | 5 Kommentare
Wer meine Rezensionen kennt, weiß, dass ich für gewöhnlich keine Warnungen oder mögliche Trigger ausweise und problematische Inhalte nur im Rezensionstext benenne. Dieses Mal ist das anders.
Mich haut so schnell nichts aus der Bahn, weswegen ich normalerweise gar nicht genau wüsste, wo ich mit den Warnungen eigentlich anfangen soll. Bei diesem Buch allerdings ist mir seit Monaten das erste Mal wieder beim Lesen stellenweise übel geworden. Daher wird es erstmals Warnungen vor der eigentlichen Rezension geben. Denn ganz ehrlich: Wenn es mir als relativ hartgesottene Leserin schon so ging, sollten empfindlichere Leser hier lieber zweimal schauen.

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cover
Bildquelle: blanvalet
448 Seiten | Klappenbroschur | blanvelt | Deutsch

Original: Find me
Übersetzer: Christoph Göhler

Reihe: Einzelband

Erschienen: 19. Februar 2018

ISBN: 978-3-7341-0502-9

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Rezensionsexemplar

Warnungen: explizite Darstellung von Folter, Tier- und Menschenversuchen, Tierquälerei

Schockierendes Verwirrspiel

Fünf Jahre ist es her, seit sich die Studentin Rosa nachts ins Meer stürzte. Ein tragischer Suizid, nachdem ihr Vater kurz zuvor ums Leben gekommen war? Ihr Freund Jar glaubt nicht daran. Auch nach fünf Jahren ist er der Überzeugung, dass Rosa lebt. Als er an Rosas Tagebuch gelangt und kurz darauf sogar Nachrichten von ihr erhält, fühlt er sich endlich in seiner Suche bestätigt. Was ist mit Rosa passiert? Wo ist sie? Oder spielt am Ende doch nur jemand ein grausames Spiel mit ihm?

Aller Anfang ist schwer

Was versteckt sich hinter einem Thriller mit dem auffordernden Titel "Finde mich - bevor sie es tun"?
Zunächst einmal Ernüchterung, denn der Einstieg in die Handlung fiel mir alles andere als leicht. Die Geschichte wird größtenteils aus zwei Perspektiven erzählt: Zum einen verfolgte ich Jar, der, gegen jeden Widerstand und trotz fehlender Beweise, an seiner Suche nach Rosa festhält. Während ich seinen Alltag kennenlernte, fühlte ich mich zunehmend darin bestätigt, dass er einen Geist jagt und dringend therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Das trug nicht unbedingt dazu bei, dass ich ihn als vertrauenswürdigen Protagonisten sehen konnte ...
Zum anderen las ich alte Tagebucheinträge von Rosa, die sie kurz vor ihrem Tod verfasst hat. An sich konnten die mich zwar überzeugen, doch die Einträge sind nicht chronologisch geordnet, was mich mehrfach irritierte.

Was lange währt ...

Nach dem zähen Einstieg konnte mich das Buch dann allerdings positiv überraschen: Vom einen auf den anderen Moment fand ich mich in einem spannenden Verwirrspiel wieder: Polizei, Geheimdienst, Auslandseinsätze, mysteriöse Programme, verschwundene Menschen, verschlüsselte Dokumente ... War das Buch eben noch, trotz angenehmem Schreibstil, eine eher trockene Schicksalsgeschichte, hatte es sich plötzlich in einen packenden Spionagethriller verwandelt. Immer drängender wurde die Frage, was tatsächlich mit Rosa geschehen ist.
In diesem Verwirrspiel ging mehrmals meine Orientierung verloren. In rasantem Tempo las ich von so vielen, teils grundlegenden Wendungen. Verbunden mit den immer wieder auftauchenden Tagebucheinträgen, die mich zurück in die Vergangenheit beförderten, wusste ich manchmal einfach nicht mehr, wo ich bin und was ich glauben kann. Angesichts der Handlung mag ein Teil davon sicher beabsichtigt gewesen sein. Mir wäre etwas weniger Verwirrung allerdings lieber gewesen.

Warum so grausam?

Im zweiten Teil des Buches ging die Handlung mehr und mehr in eine für mich komplett überraschende Richtung. Ich hatte mit Suizid gerechnet, mit Mord, mit Entführungen, irgendwann auch mit dem Geheimdienst. Mit recht expliziten Beschreibungen von Folter, Versuchen an Mensch und Tier und Tierquälerei jedoch nicht.
Normalerweise stört mich so etwas in Geschichten nicht besonders, hier war es mir jedoch a) zu explizit und b) unnötig grausam. Zum Teil werden Versuche in einer Fülle von Details beschrieben, die es für die Handlung einfach nicht gebraucht hätte. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen. Dass ich die beschriebene Tierquälerei noch widerlicher fand als die Versuche an Menschen, lasse ich einfach mal so im Raum stehen ...

Ende? Ungenügend.

War eben noch weniger mehr, wäre ganz zum Schluss mehr mehr gewesen. Warum müssen, nachdem die Handlung an sich zufriedenstellend beendet wurde, neue Fragen aufgeworfen werden? Fragen, die die Handlung nicht braucht und die nicht einmal annäherend beantwortet werden? Nur, um ein offenes Ende vorweisen zu können?
Der letzte Twist in der Handlung hat mich einfach nur gestört. Er hat sich weder wirklich aus der vorhergehenden Handlung ergeben, noch hat er sich vorher angedeutet, noch wäre er notwendig gewesen. Bei mir hat er nur dafür gesorgt, dass ich ein Buch, das eigentlich ein akzeptables Ende hätte haben können, nun unbefriedigt weglege.

FAZIT

"Finde mich - bevor sie es tun" ist, nach anfänglichen Startschwierigkeiten, ein packender Thriller, der leider einmal zu oft über das Ziel hinausschießt. Dadurch verliert er einiges von der Qualität, die er andernfalls hätte haben können.

bewertung_3_pergamentfalter

Zusammenfassung

Positiv Neutral Negativ
  • Angenehmer Schreibstil
  • Temporeich
  • Spannend
  • Überraschende Wendungen
  • Perspektivwechsel
  • Zäher Beginn
  • nicht chronologisch sortierte Tagebucheinträge
  • z.T. zu verwirrend
  • unnötige Grausamkeit
  • unnötige offene Fragen am Ende

Weitere Meinungen

5 Kommentare

  1. Hmmm ... Das Buch lief mir schon über den Weg und ich war ja nun sehr gespannt auf deine Eindrücke!

    Verwirrungen und offene Fragen mag ich ja, aber es muss passen, zur Geschichte gehören - klingt bei diesem Buch nicht ganz danach.

    Was die Gewaltszenerie betrifft, finde ich gehört in irgendeiner From ein Hinweis im Klappentext o.ä., denn es gibt vieler Leser*innen die gerne Thriller lesen, aber bspw. arge Probleme haben wenn Tiere gequält werden. Und ich kann dir nur zustimmen, wenn es unnötig für die Geschichte ist, ist es obzön und nicht mehr. Bei gewissen Büchern oder Verlagen weiß man was einen erwartet, aber wenn man unvorbereitet als eher zartbesaitete*r Leser*in in solch eine Szenerie geworfen wird ... unschön. Zumal ich nicht glaube das viele - so wie du ja auch - dies im Verlauf der Geschichte erwartet hätten.

    Hab noch einen feinen Abend!

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    1. Hey Janna,

      ein Teil der Verwirrung gehört schon zur Geschichte. Darauf baut die Handlung im Grunde auf. Mir war es nur teilweise einfach ZU viel Neues, Verändertes in zu kurzer Zeit. Kaum hatte ich mich an eine Wendung gewöhnt, war schon die nächste da. Dazu, wie ich auch geschrieben hab, immer wieder die Rückblicke - da ging mir einfach zu oft die Orientierung verloren.

      Was die Gewalt angeht, stimme ich dir absolut zu! Bei Thrillern sollte man zwar damit rechnen, aber wenn sich die Richtung, in die die Gewalt geht, so wie hier gar nicht im Klappentext andeutet, sollte da definitiv drauf hingewiesen werden, wenn es größere Ausmaße annimmt. Zumal die Szenen hier teilweise richtig grafisch wurden ...

      Vielen Dank für dein Kommentar und liebe Grüße!
      Sarah

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    2. Wie gesagt, ich mag Verwirrspiele wenn sie passen wenn man aber eher orientierungslos wird, weil es zu viel wird ... hmmm ... dann hab ich eher weniger Lust auf das Buch. Ist ja auch nicht so, als ob ich keinen SuB oder ewig viele Titel auf der WuLi hätte ;D

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  2. Liebe Sarah,

    Deine Warnung am Anfang finde ich gut, denn stellenweise war es wirklich heftig!
    Eigentlich war die Story ja sehr spannend aber es gab eben doch einiges zu kritisieren.

    Vielen Dank auch für die Verlinkung meiner Rezension!

    Entschuldige, dass ich heute erst antworte, aber ich lag leider einige Tage flach im Bett.
    Dein Blog gefällt mir übrigens sehr gut und deshalb lasse ich gleich ein Abo da und freue mich auf neue Beiträge von Dir.

    Gleichzeitig wünsche ich Dir schon mal viel Spaß und tolle Momente auf der Buchmesse!

    Liebe Grüße
    Conny

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    1. Hallo Conny,

      kein Problem; Gesundheit geht vor!

      Danke dir für das Lob und deinen Kommentar. Freut mich, dass dir mein Blog so gut gefällt :-)

      Liebe Grüße
      Sarah

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