[Rezension] Sebastian Fitzek: Splitter

Sonntag, 26. November 2017 | 4 Kommentare
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375 Seiten | Taschenbuch | Knaur Taschenbuch | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

Erschienen: September 2010

ISBN: 978-3-426-50372-0

[In dieser Ausgabe nicht mehr auf der Verlagswebseite gelistet.]

Kannst du deinen Erinnerungen vertrauen?

Stell dir vor, du könntest alles, was dich in deinem Leben belastet hat, einfach so aus dem Gedächtnis löschen: Liebeskummer, Todesfälle, Unfälle, Mobbing. Einfach weg, auf Nimmerwiedersehen. Würdest du es tun?
Und jetzt stell dir vor, dass etwas dabei schiefginge.

In diesem Horrorszenario steckt Marc Lucas fest. Bei einem Autounfall verlor er seine Frau und sein ungeborenes Kind. Am Boden zerstört landet er in einer Privatklinik, in der ein einzigartiges Amnesieexperiment läuft. Damit beginnt sein persönlicher Albtraum.

Doch wieder ein Fitzek?!

In der Vergangenheit las ich von Sebastian Fitzek "Passagier 23" und "Die Therapie". Beide konnten mich nicht überzeugen und eigentlich wollte ich danach keinen Fitzek mehr lesen. Eine dritte Enttäuschung brauchte ich nicht. Eigentlich. Uneigentlich lagen bis vor kurzem noch zwei geschenkte Fitzeks auf meinem SuB und einer von ihnen landete jetzt tatsächlich (einer Challenge geschuldet) auf meiner Leseliste. Zum Glück! Denn nach diesem Buch verstehe ich, was andere so sehr an ihm feiern.

Rasante Action

"Splitter" ist kein Buch für "mal zwischendurch", das man einfach so nach ein paar Kapiteln zur Seite legen kann. Zumindest war es das für mich nicht.
Mit dem Prolog war ich direkt in der Handlung drin und fragte mich, was Marc Lucas zugestoßen ist. Doch gerade, als genau das geklärt werden sollte, endete der Prolog. Plötzlich befand ich mich elf Tage in der Vergangenheit und erlebte Marcs Albtraum gefühlt hautnah aus seiner Perspektive. Ich erfuhr von den Nachwirkungen seines Unfalls, war in der Privatklinik und erlebte Schritt für Schritt mit, wie Marc an seinen eigenen Erinnerungen zu zweifeln beginnt. Mit einem Mal war nichts mehr, wie es sein sollte.
Mit dieser Geschichte beweist Fitzek, warum er der "Meister des Wahns" genannt wird. Ein "Das gibt es nicht, das geht doch nicht!"-Moment jagt den nächsten. Was eben noch als unumstößliche Wahrheit galt, ist es im nächsten Moment nicht mehr. Dank der kurzen Kapitel und Fitzeks eingängigem, leicht zu lesenden Stil bin ich förmlich durch die Geschichte gerast. Mit jedem Kapitel tauchte ich tiefer ein in diesen wahnsinnigen Strudel und erlebte mit, wie Marc von einer neuen Erkenntnis zur nächsten stolperte. Dabei wurde die Handlung immer wahnwitziger. Immer mehr glaubte ich zu wissen, dass diese bisher großartige, rasante Geschichte mit keinem logischen Ende abschließen kann. Selbst der Prolog wollte nicht in die Handlung passen. Doch selbst hierbei konnte Fitzek mich - im Positiven - überraschen.

Ein Protagonist wider Willen

Marc Lucas erlebte ich in diesem Buch als glaubwürdigen, lebendig wirkenden Protagonisten wider Willen. Hartnäckig klammert er sich an seine Überzeugung, noch alles zu wissen und niemals an dem Experiment teilgenommen zu haben. Trotzdem hat sich alles geändert, nachdem er in der Klinik war.
Seinen Zwiespalt und seine Hilflosigkeit gegenüber der Situation fand ich großartig dargestellt. In "Splitter" ist es nicht der Protagonist, der die Handlung beeinflusst. Stattdessen ist Marc ein regelrechter Spielball der Handlung. Einen Protagonisten als potentiell unzuverlässigen Erzähler und gleichzeitig als überzeugenden Charakter darzustellen, ist eine Gratwanderung. Fitzek meistert sie einwandfrei!
Lediglich die Nebenfiguren blieben mir alles in allem etwas zu farblos. Doch angesichts der rasanten Handlung hätte ich wohl sowieso nicht die Zeit gefunden, mich stärker mit ihnen auseinanderzusetzen ...

FAZIT

"Splitter" ist von der ersten bis zur letzten Seite ein spannender Psychothriller, der für mich keine Wünsche offen lässt. Die Geschichte ist in Gänze überraschend, unerwartet und von Beginn an packend. Sie ist ein Wechselbad der Gefühle, das mich manches Mal wünschen ließ, schneller lesen zu können!

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4 Kommentare

  1. Hallo Splitter!

    War vor langer Zeit mein erstes Buch von Fitzke. Es war in einem dieser Bücherregale, die es oftmals in Hotels zur freien Entnahme gibt. Seit dem mag ich die Bücher von Fitzke sehr, sehr gerne. Obwohl ich dennoch gestehen muss, dass man bereits nach ein paar wenigen anfängt ein gewisses Muster zu erkennen.
    Gerade diese Hilflosigkeit, die du beschreibst fand ich ebenfalls genial dargestellt.

    Liebe Grüße
    Sabrina
    #litnetzwerk

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    1. Hey Sabrina,

      danke dir für deinen Kommentar!

      Abgesehen von dem Spiel mit der Psyche konnte ich bisher noch kein Muster erkennen. Kann aber auch daran liegen, dass "Splitter" der erste Fitzek ist, der mich überzeugen konnte ;-)

      Liebe Grüße
      Sarah

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  2. Liebe Sarah,

    ich kann dir einfach nur voll und ganz zustimmen. "Splitter" habe ich vor einigen Jahren gelesen und kann mich zwar inzwischen nur noch wage erinnern, weiß aber noch, dass ich es super fand!
    Im Umkehrschluss las ich danach "Passagier 23" und war total enttäuscht.
    Ich möchte auf jeden Fall noch mehr Fitzek lesen und hoffe mehr wie "Splitter" dabei zu finden! Solltest du eine solche Entdeckung machen, sag mir doch bitte bescheid ♥

    Liebste Grüße,
    Jenny

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    1. Hey Jenny,

      dann geht es dir ja genau wie mir, nur dass ich die Bücher in umkehrter Reihenfolge gelesen habe ;-)

      "Splitter" hat es nun auch geschafft, dass ich doch nochmal zu einem Fitzek greifen werde und nicht generell einen Bogen drum mache. Derzeit habe ich auf meinem SuB noch "Der Augenjäger" zu liegen. Mal schauen, vielleicht ist der ja vergleichbar gut ...

      Liebe Grüße und vielen Dank für dein Kommentar!
      Sarah

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