[FaWeWo] Am Boden geblieben

Freitag, 22. September 2017 | 2 Kommentare
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Nach dem gestrigen Abstecher in die allgemeine Welt der Fabelwesen in Fantasybüchern geht es heute weiter mit den Vorstellungen - und es wird friedlicher! Wir lassen die dunkle Seite der Macht des Lebens hinter uns und wandern weiter in die Weiten der (grünen) Natur.

Der Mantikor

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Beginnen möchte ich mit einem weiteren Mischwesen: Dem Mantikor. Sein Ursprung liegt in er griechisch-persischen Mythologie. Im Mittelalter galt er als Verkörperung des Bösen.
Der Mantikor besitzt den Körper eines Löwen mit meist rotem bis rotbraunem Fell und prächtiger Mähne. Sein Gesicht ist das eines Mannes - über eine Variante mit dem Kopf einer Frau konnte ich nichts finden. Vor seinem Maul sollte man sich in Acht nehmen: Darin sitzen mehrere scharfe Zahnreihen ähnlich denen eines Hais. Zudem hat er einen Skorpion- oder Drachenschwanz mit einem oder mehreren giftigen Stacheln. Je nach Erzählung kann er mit dem/ denen nicht nur zustechen, sondern ihn/ sie auch auf seine Opfer schießen. Manchmal besitzt sein Löwenkörper zusätzlich Flügel.
Der Mantikor lebt vorrangig im Dschungel und in der Wüste. Seine Intelligenz ist mit der eines Menschen vergleichbar. Zudem kann er sprechen, was schon so manchem Menschen zum Verhängnis geworden ist: Der Mantikor lockt ihn mit seiner wohlklingenden, ruhigen Stimme an, um ihn wenig später zu fressen.

Im Bücherversum

In "Das letzte Einhorn" von Peter S. Beagle behauptet die Hexe Mommy Fortuna, in ihrem Zirkus einen Mantikor zu besitzen.
In der Reihe "Das Lied von Feuer und Eis" von George R. R. Martin taucht der Mantikor ebenfalls auf.

Der Pixie

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Vom gefährlichen Mantikor geht es zu den friedlichen Naturgeistern. Der Pixie stammt aus der keltischen Mythologie und ist verwandt mit den Kobolden und Feen.
Ähnlich den Feen besitzt auch der Pixie meistens Flügel und verliert beim Fliegen eine Art Feenstaub. Neben spitzen Ohren werden ihm manchmal auch spitz zulaufende Augen zugeschrieben. Er erreicht eine Größe von bis zu 20 cm, wird meistens jedoch als deutlich kleiner beschrieben. Dieser Größe ist es auch geschuldet, dass Pixies unabhängig von ihrem Alter häufig kindlich wirken.
Ihre bevorzugte Kleidung ist grün - die perfekte Tarnfarbe im Wald, wo sie in Baumhöhlen und Baumhäusern leben. Manche Pixies tragen auch einen spitzen Hut.
Viele Pixies werden als verspielt beschrieben. Sie spielen den Menschen und anderen Waldbewohnern Streiche und ihre Liebe zu den Pferden und zum Reiten kann durchaus dazu führen, dass sie nachts Pferde entführen, um auf ihnen auszureiten. Diebe sind sie allerdings nicht, immerhin bringen sie die Pferde mit verstrubbelten Mähnen vor Sonnenaufgang zurück.
Gänzlich außer Rand und Band sind Pixies ebenfalls nicht. Sie haben einen großen Respekt vor der Natur und ihren Bewohnern. Ein Pixie, der sich z.B. um Pflanzen kümmert, ist eher die Regel als die Ausnahme. In ganz seltenen Fällen entschließt sich ein Pixie auch dazu, einzelnen Menschen zu helfen.
Aufgrund ihrer Größe gibt es einiges, was dem Pixie gefährlich werden kann. Neben Tieren und Menschen, die ihn fangen könnten, nimmt sich der Pixie besonders vor Eisen in Acht, mit dem er verletzt und getötet werden kann.

Im Bücherversum

In der "Rachel-Morgan-Reihe" von Kim Harrison nimmt der Pixie Jenks eine der Hauptrollen ein und begleitet Rachel auf allen ihren Abenteuern. Mehrfach tauchen auch weitere Pixies auf.

Der Leprechaun

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Wir bleiben im keltischen Raum und bei den Naturgeistern: Der Leprechaun ist vor allem im irischen Volksglauben verbreitet und wird im Deutschen häufig einfach als Kobold bezeichnet.
Der Leprechaun ist der kleine Mann, der am Ende des Regenbogens auf den Topf voll Gold aufpasst. Zudem gilt er als Schuhmacher und Schuhlieferant der Feen.
Dargestellt wird er als meist alter Mann mit rotem Bart und roten Haaren, der eine Größe zwischen 15 und 60 cm erreicht. Er ist überwiegend grün angezogen, typischerweise mit Kniebundhosen, Schnallenschuhen und einem Hut.
Leprechauns können mehrere Jahrhunderte alt werden. Sie gelten vorwiegend als Einzelgänger, sind schnell und können sich unsichtbar machen. Eine besondere Schwäche haben sie für Whisky und Tabak.
Charakterlich werden Leprechauns als griesgrämig und geizig beschrieben. Hat ihm einmal ein Mensch geholfen, kann sich der Leprechaun aber auch sehr großzügig zeigen.

Im Bücherversum

In "Blutspur" von Kim Harrison, dem Auftakt der "Rachel-Morgan-Reihe" ist es ein Leprechaun, der die Handlung rund um Rachel Morgan maßgeblich mit beeinflusst.

Der Zentaur

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Zurück zu den alten Griechen geht es mit dem Zentaur oder Kentaur, einem Mischwesen, das den Körper eines Pferdes und den Oberkörper, Kopf und die Arme eines Mannes hat. In seltenen Fällen finden sich auch weibliche Zentaure. Seine Fellfarbe variiert zwischen hellem Braun und Schwarz. Sein Oberkörper ist meist nackt, wird mitunter aber auch mit Kleidungsstücken bedeckt.
Die Charaktere der Zentaure sind ebenso vielfältig wie die der Menschen. Die einen beschreiben sie als unbeherrscht und lüstern, die anderen als kultiviert und anmutig mit Interesse an Kunst und Musik. In jedem Fall gelten Zentaure als starke Kämpfer, die kaum eine Herausforderung scheuen. Sie sind intelligent und manche vor allem ältere Zentaure werden als sehr weise beschrieben.

Im Bücherversum

In "Harry Potter" von Joanne K. Rowling lebt eine Herde von Zentauren im Verbotenen Wald. Namentlich bekannte Zentauren sind z.B. Bane und Firenze.
In "Die Chroniken von Narnia" von C. S. Lewis gehören die Zentauren zu den Völkern Narnias und kämpfen an der Seite von Aslan und Kaspian.
Auch in der Reihe um "Percy Jackson" von Rick Riordan tauchen Zentaure auf.

Die Nymphe

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Ein weiterer Naturgeist ist die Nymphe aus der griechisch-römischen Mythologie.
Nymphen sind ausschließlich weiblich. Sie sind die guten Geister von Wiesen, Bäumen, Bergen und anderen Orten der Natur. Dabei sind sie so tief mit ihrem jeweiligen Ort verbunden, dass das Sterben des Ortes mit dem Tod der Nymphe gleichgesetzt wird.
Dargestellt werden Nymphen meist als wunderschöne, leicht bekleidete Mädchen. Ihr langes Haar schmücken sie häufig mit Blumen, Kränzen oder anderen Schmuckstücken, die sie aus Naturmaterialien geschaffen haben. Ihre Haar- und insbesondere Augenfarbe richtet sich oftmals nach dem Element bzw. Ort, den sie bewachen. Diese Beschreibung spiegelt freilich nur die natürliche Gestalt der Nymphen wider. Da sie über die Fähigkeit des Gestaltwandelns verfügen, können sie allerdings auch in vielen anderen Gestalten, egal ob menschlich, tierisch oder pflanzlich, erscheinen.
Nymphen sind langlebige, aber nicht unsterbliche Geistwesen. Sie sind soziale Wesen und leben meist in Gruppen. Menschen gegenüber sind sie allerdings sehr scheu. Sie lieben die schönen Künste, das Weben, die Jagd und den Tanz. Ihr Charakter wird als fröhlich, freundlich und friedlich beschrieben.

Im Bücherversum

Auch die Nymphen tauchen in der "Percy Jackson"-Reihe von Rick Riordan auf. Sie leben u.a. in den Camps Half-Blood und Jupiter.
Zudem finden sich Nymphen in "Das geheime Vermächtnis des Pan" von Sandra Regnier und in der "Cherryblossom"-Dilogie von Mina Kamp.

Der Faun

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Der letzte Naturgeist in diesem Post ist der Faun, wobei der mitunter auch als Halbgott bezeichnet wird. Seine Ursprünge liegen bei Faunus, dem altitalischen Gott der Natur und des Waldes, und seinem Pendant, dem griechischen Hirtengott Pan.
Der Faun ist halb Mensch, halb Ziegenbock: Sein Oberkörper ist menschlich und meist männlich. Weibliche Faune konnte ich in Beschreibungen nie und in Darstellungen selten finden. An seiner Hüfte beginnt das Fell des Fauns. Seine Beine sind Bocksbeine, zudem hat er einen Ziegenschwanz und auf dem Kopf zusätzlich Hörner.
Faune werden als gute Geister der Natur beschrieben und stehen z.B. für Fruchtbarkeit. Dass diese Zuschreibung durchaus auch negative Seiten mitbringen kann, zeigen einige Beschreibungen, nach denen der Faun als lüstern bezeichnet wird. Demzufolge stellt er sogar den Nymphen nach.

Im Bücherversum

Einer der bekanntesten literarischen Faune ist vermutlich Herr Tumnus aus C. S. Lewis' "Die Chroniken von Narnia".
Titelprägend ist der Faun u.a. in "Faunblut" von Nina Blazon sowie in dem erst Anfang diesen Jahres erschienenen Buch "Emma, der Faun und das vergessene Buch" von Mechthild Gläser zu finden.

Verwechslungsgefahr!

Des Öfteren werden Faune mit den griechischen Satyren gleichgesetzt. An anderen Stellen werden sie dagegen klar voneinander unterschieden. So seien die Faune gute Naturgeister, während es sich bei Satyren um lüsterne Dämonen handle. Äußerlich werden Faun und Satyr mal als einheitlich beschrieben, mal sind die Beine des Satyrs dagegen die eines Pferdes. Anders als der Zentaur besitzt der Satyr in dem Fall allerdings nur zwei Pferdebeine, die an der Hüfte ansetzen.

Der Naga

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Mit einem Abstecher in die asiatische Mythologie endet dieser Post heute. Naga ist ein ursprünglich vor allem im indischen Raum verbreitetes Schlangenwesen, dass mitunter auch als Geisterwesen oder Gottheit betrachtet wird.
Die Gestalt des Nagas variiert in verschiedenen asiatischen Ländern: Mal ist er ein reines Schlangenwesen, mal eine Schlange mit Menschenkopf oder menschlichem Oberkörper und mal eine mehrköpfige Schlange. Mitunter hat er eine Kobrahaube.
Einigen Nagas wird nachgesagt, vollständig die menschliche Gestalt annehmen zu können. Weiterhin verfügen sie über magische Fähigkeiten. Reizen sollte man dieses Wesen keinesfalls: Der Biss eines Nagas ist giftig und kann tödlich sein.
Nagas gelten als Wächter von Schwellen, Türen und allen Arten von Übergängen. Sie schützen und bewahren Wissen, hüten Schätze und herrschen über Gewässer. Vermutlich liegt in diesen verschiedenen Aufgaben auch begründet, dass ich keine klare Aussage zum Lebensraum der Nagas finden konnte. Mal leben sie verborgen an Land, mal sind es gar keine irdischen Wesen und mal leben sie in (überwiegend tiefen) Gewässern. Vielleicht leben sie auch überall dort, wo sie gerade gebraucht werden oder wo sie eine Aufgabe finden, zu der sie sich berufen fühlen.
In jedem Fall: Wenn sie im Wasser leben, sind sie dort - was Fabelwesen betrifft - keineswegs alleine. Welche Fabelwesen sich noch im Wasser am wohlsten fühlen, verrate ich euch morgen im letzten Teil der Vorstellungen!

Im Bücherversum

Nagas konnte ich bisher in keinem Buch entdecken.

Im Gespräch

Kanntet ihr all die Wesen bereits - auch mit allen Eigenschaften und Eigenheiten - oder war der eine oder andere Unbekannte oder weniger Bekannte für euch dabei?

Wie immer: Wenn ihr einem der Wesen in weiteren als den genannten Fantasybüchern begegnet seid, sagt mir gern Bescheid!

2 Kommentare

  1. Hallo,

    diesmal bin ich mir sehr sicher, dass in der Fabelheim-Reihe von Brandon Mull Zentauren vorkommen. Die sind aber nicht immer sehr nett dort. Leben mehr unter sich und wollen nicht gestört werden. :)

    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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