[FaWeWo] Zwischen Tod und Teufel

Mittwoch, 20. September 2017 | 3 Kommentare
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Kommt auf die dunkle Seite der Macht! Wir haben... Fabelwesen?!

Nachdem es gestern hoch hinaus ging, kehren wir heute zurück auf den Boden der Tatsachen. Und in all die Bereiche, die mit Dämonen, Tod und Finsternis zu tun haben. Schon gestern wurde bei dem einen oder anderen Fabelwesen deutlich, dass sie nicht alle lieb und nett sind.
Was in den Schatten noch so lauert oder in enger Verbindung mit Dämonen und dem Tod steht - dazu heute mehr.

Der Ghul

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Aus der persisch-arabischen Mythologie stammt der Ghul, ein leichenfressender Dämon, der vor allem durch die Erzählungen aus "Tausendundeiner Nacht" in Europa bekannt wurde. In der Fantasyliteratur wird er mitunter auch als Nachkomme eines Vampirs betrachtet, der durch eine besondere Form des Bisses zu einem dienenden Untoten wird.
Die Gestalt des Ghuls (oder weiblich der Ghula) variiert je nach Geschichte zwischen einer lebenden Leiche und einem Geist. In jedem Fall gilt der Biss eines Ghuls als tödlich.
Einen Ghul findet man am ehesten auf dem Friedhof. Hier findet er immerhin genügend Leichen, um sich satt zu fressen. Zu nah kommen sollte man ihm dennoch nicht. Der Ghul mag ein Leichenfresser sein, doch frisches Fleisch lehnt er nicht ab, auch wenn er dafür selbst töten muss.

Im Bücherversum

In "Harry Potter" von Joanne K. Rowling findet man den einen oder anderen Ghul in den Dachkammern von Zaubererfamilien wie den Weasleys. Gefährliche Leichenfresser sucht man hier jedoch vergeblich. Rowlings Ghule sind friedliche Insektenfresser.

Die Banshee

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Vom Leichenfresser zur Todesfee: Die Banshee (auch Bean Sidhe) entspringt der keltisch-irischen Mythologie. Ursprünglich galt sie als Todesbotin, die sich an bestimmte irische Familien band und den Tod von Familienmitgliedern ankündigte und beklagte. Äußerlich ist sie eine totenbleiche, weißgekleidete, meist alte Frau mit langem weißem, grauem oder schwarzem Haar. Vom vielen Klagen und Weinen sind ihre Augen rot.
In der modernen Fantasy dagegen erscheint sie häufig eher als geisterhaftes Wesen, das mal schön, mal hässlich anzusehen ist.
Sowohl in der Mythologie als auch in den modernen Adaptionen sind Banshees größtenteils Einzelgängerinnen, deren Schrei, je nach Erzählung, Menschen in den Wahnsinn treiben oder sogar töten kann.

Im Bücherversum

Titelprägend erscheint die Banshee u.a. in Nina McKays "Plötzlich Banshee".
Weitere Banshees tauchen in Kim Harrisons "Blutkind" sowie in "Soul Screamers" von Rachel Vincent auf.

Der Draugr

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Wir bleiben im Norden: Der Draugr (auch Draugar) ist ein lebender Toter aus der skandinavischen Mythologie. Er lebt in oder auf seinem eigenen Grabhügel und verbreitet Angst und Schrecken unter den Menschen - mitunter auch jenseits seines Grabhügels. Zudem kann sich ein Mensch den Draugr mit der richtigen magischen Formel zum willigen Diener machen.
Das Aussehen des Draugr variiert je nach Art seines Todes. So, wie er starb, ersteht er in seinem Grabhügel wieder auf. Je nach Erzählung verfügt er über übermenschliche Kräfte und/ oder Magie. Zum Teil kann er sich auch durch Erde und Fels fortbewegen, auf diesem Weg seinen Grabhügel verlassen und sein Unwesen in den Städten treiben.
In manchen Geschichten wird behauptet, der Draugr könne mit normalen Waffen nicht verwundet werden. In jedem Fall muss ihm, um ihn zu töten, der Kopf abgetrennt und neben das Gesäß gelegt werden. Anschließend wird der gesamte Körper verbrannt.

Im Bücherversum

Bisher habe ich keinen Draugr in einem Buch entdeckt. Wenn ihr mehr wisst, hinterlasst mir gern einen Kommentar!

Der Zyklop

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Wieder in die griechische Mythologie geht es mit dem Zyklopen (auch Kyklop), der mal als Riese, mal als Dämon eingestuft wird.
Charakteristisch ist neben seiner meist großen Größe vor allem das Einzelauge auf seiner Stirn. In antiken Darstellungen erscheint jedoch auch die Variante des Zyklopen mit zwei kreisrunden Augen. Abgesehen davon variiert er in seinem Aussehen und seinen Eigenschaften je nach Erzählung. Eigenschaften, die ihm häufig zugeschrieben werden, sind geringe Intelligenz, Naivität und große Stärke. Aber auch aggressive, mörderische Zyklopen soll es geben.

Im Bücherversum

Zyklopen erscheinen mehrfach in den "Percy Jackson"-Büchern von Rick Riordan. In "Im Bann des Zyklopen" ist er sogar titelprägend.

Der Wendigo

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Fort von den altbekannten Mythologien geht es mit dem nächsten Wesen der Dunkelheit: Dem Wendigo, einem Menschenfresser aus dem Glauben einiger Völker der Native Americans. Übersetzt heißt dieses Wesen so viel wie "Vielfraß".
Der Wendigo ist eine Bestie, die zu den Wandlern gehört. Als Mensch besitzt er milchige oder rote Augen. Nach seiner Verwandlung zum Vollmond sowie einer Nacht davor und danach variiert sein Aussehen je nach Volksglauben: Mal ist er ein Katzen- oder Hirschmonster mit tödlichen Klauen, mal ein Eisskelett oder eine Schattenkreatur. Allen Gestalten gemein ist das Herz aus Eis.
Wendigowak sind stets nachtaktiv und haben einen unstillbaren Hunger auf Menschenfleisch. Ihr Hauptlebensraum ist der Wald, in dem sie sich leicht verstecken und ihren Opfern auflauern können. Sie kommen jedoch auch in die menschlichen Siedlungen und töten dort so viele, wie sie können.
Ein Wendigo wird nicht als solcher geboren, sondern als Mensch verwandelt. Das geschieht entweder, indem der Mensch von einem Wendigo träumt, oder indem er Menschenfleisch isst, oder sich einem Verwandlungsritual unterzieht oder von einem Wendigo verletzt, aber nicht getötet wird. Es gibt also allerhand Möglichkeiten, wie ein Wendigo geschaffen werden kann.
Die Verwandlung muss jedoch nicht auf Dauer sein. Ein Wendigo kann durch magische Rituale oder durch das Einflößen von heißem Talg gerettet werden. Bei Letzterem erbricht er sein Eisherz. Hilft das alles nichts oder fehlen die Möglichkeiten, kann der Wendigo auch getötet werden: Entweder mit Feuer oder mit einem Stich oder Schuss direkt ins Herz. Die Waffe muss dafür allerdings aus Eisen, Stahl oder Silber bestehen. Stirbt der Wendigo dann, werden alle durch ihn Verwandelten wieder zu Menschen.

Im Bücherversum

Der Wendigo erscheint in "Friedhof der Kuscheltiere" von Stephen King und "Zweilicht" von Nina Blazon.

Der Alp

zeichnung_alpDer Alp ist eine Sagengestalt, die auch unter Bezeichnungen wie "Nachtalb" oder "Mahr" des Nachts sein Unwesen treibt. Der Dämon hat meist keine feste Gestalt. Manchmal wird er als kleines schwarzes Wesen beschrieben, manchmal auch als Gestaltwandler.
Er ist ein Einzelgänger, der nachts Menschen und Tiere anfällt und bei ihnen Angstzustände und Atemnot provoziert - den klassischen Albtraum. Erzählungen behaupten, er würde sich auf die Brust seiner Opfer setzen und ihnen so die Luft rauben. Mitunter überträgt er auch Krankheiten. Nur ein erlösender Schrei kann den Schlafenden von diesem Traum befreien und den Alp vertreiben.

Im Bücherversum

In der "Cherryblossom"-Dilogie von Mina Kamp spielt der Alp Lennox eine der Hauptrollen.
Titelprägend erscheint er unter der Bezeichnung Nachtmahr in Walter Moers' im August erschienenen Zamonien-Roman "Prinzessin Insomnia und der albtraumfarbene Nachtmahr".

Der Basilisk

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Zu guter Letzt kommt an dieser Stelle ein weiteres Mischwesen, dessen Ursprung in der Antike und im Mittelalter liegt: Der Basilisk.
Der König der Schlangen ist klassischerweise eine Mischung aus dem Kopf oder Oberkörper eines Hahns und dem Unterleib einer Schlange. Mitunter wird er auch mit Vogelbeinen, Flügeln, Federn oder Menschenkopf dargestellt.
Der Blick aus seinen roten Augen versteinert oder tötet. Und wer sich vor dem schützen kann, den tötet der giftige Atem des Basilisken.
Der Schlangenhahn, wie er auch genannt wird, lebt vorwiegend in Brunnen, Kellern und Höhlen. Er kann in vielen Geschichten nur auf eine Art getötet werden: Indem ihm ein Spiegel vorgehalten wird und sein tödlicher Blick sich gegen ihn selbst richtet. Zum Teil wird allerdings auch behauptet, dass ein Wiesel oder ein krähender Hahn ihn töten können.

Im Bücherversum

Reichlich bekannt dürfte der Basilisk in der Kammer des Schreckens im gleichnamigen "Harry Potter"-Roman von Joanne K. Rowling sein.
Weiterhin wird er in der Saga "Das Lied von Feuer und Eis" von George R. R. Martin erwähnt.

Verwechslungsgefahr!

Im angloamerikanischen Raum wird zwischem dem Basilisken und dem Cockatrice unterschieden. Während der Basilisk hier flügellos ist, besitzt der Cockatrice Flügel. Abgesehen davon gleichen sich die beiden.

Im Gespräch

Angenehm sind diese Zeitgenossen alle nicht, aber welchen würdet ihr vielleicht doch mal live erleben wollen (inkl. aller nur erdenklichen Schutzausrüstungen)? Welches dieser Wesen findet ihr am spannendsten?

Wer weitere Bücher kennt, in denen Banshee, Wendigo und Co. eine Rolle spielen, kann es mir gern schreiben!

3 Kommentare

  1. Hallo,
    diesmal kannte ich doch tatsächlich alle Fabelwesen. :)
    Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber kommt nicht ein Zyklop in der Fabelheim-Reihe von Brandon Mull vor? Oder war das doch ein Troll?
    Ich sollte die Reihe wohl nochmal lesen. :D

    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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  2. Hallo Sarah,

    interessant dass der Vampir als Gestalt gar nicht auftaucht. Ist der für dich kein Fabelwesen oder kommt der anderweitig noch?
    Denn der Vampir bringt ja auch den Tod (jetzt nicht die Twilight-Version, sondern eher Dracula) bzw. muss erst den Sterbeprozess durchlaufen

    VG Jennifer von Lesen in Leipzig

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    1. Hey Jenni!
      Werf mal einen Blick in den Auftaktpost ;-) Vampire sind mir einfach zu überrepräsentiert, deswegen tauchen sie (wie auch einige andere) nur beiläufig in meiner Reihe auf. Ich konzentriere mich hier vorrangig auf die weniger bekannten. :)

      LG Sarah

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