[Rezension] Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde

Sonntag, 9. Juli 2017 | Kommentieren
cover
Bildquelle: Goldmann
448 Seiten | Klappenbroschur | Goldmann | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Joachim Vernau Bd. 2

Erschienen: 21. Dezember 2015

ISBN: 978-3-442-48470-6
Preis: 9,99 €

Zur Leseprobe | Direkt beim Verlag bestellen

Packend bis zur letzten Seite

Anwälte denken in Paragraphen und sind reich - zumindest behauptet das ein gern mal zitiertes Klischee. Dass dem jedoch nicht so ist (oder sein muss), beweist angenehm lebendig und glaubwürdig Elisabeth Herrmanns Protagonist Joachim Vernau.
Das Buch fiel mir zufällig in die Hände und trotz anfänglicher Skepsis - immerhin ist es der zweite Band einer Reihe - hatte ich keine Probleme, in die Geschichte hineinzufinden. Vorwissen aus Band eins ist nicht notwendig.
Nach einem Prolog, der scheinbar nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun hat, kommt die Geschichte schnell zur Sache: Ohne langen Einstieg erhält Vernau einen Aushilfsjob in einer Eliteschule und merkt rasch, dass dort etwas nicht stimmt. Seine Versuche, die Mauer des Schweigens zu brechen, in die sich Schule und Schüler hüllen, fand ich überzeugend, vor allem, da sie nicht sofort von Erfolg gekrönt sind und wenn doch, dann nicht in der Form und Ausführlichkeit, die sich Vernau wünscht. Schrittweise wird auf diesem Weg die Spannung gesteigert. Kleine eingestreute Hinweise auf das, was die Schüler in Angst versetzt, und den Verursacher luden mich immer wieder von Neuem dazu ein, mitzurätseln und an der Geschichte dranzubleiben - auch wenn sich meine Vermutungen häufig als Fehlschlüsse herausstellten.
Die gesamte Geschichte wird aus der Sicht von Vernau in Ich-Perspektive erzählt. Er ist ein glaubwürdiger Charakter, dessen Handlungen ich gut nachvollziehen konnte. In vielen Krimis, die ich bisher gelesen habe, werden Protagonisten (scheinbar) dadurch interessant gestaltet, dass sie eine möglichst tragische Vergangenheit besitzen oder von etwas abhängig sind. Einen ganz gewöhnlichen "Ottonormal-Protagonisten" suchte ich oft vergebens. Ich möchte nicht behaupten, dass Joachim Vernaus Geschichte gänzlich ohne persönliche Tragik auskommt, aber sein Charakter wirkte weder überzeichnet noch klischeehaft. Eine angenehme Abwechslung zu anderen Büchern dieses Genres.
Darüber hinaus punktet Vernau bzw. die Autorin mit seinem/ ihrem Humor, der immer wieder in Gespräche und Gedanken einfließt und bei mir schon mal das eine oder andere Schmunzeln beim Lesen bewirkte.
Für den Verlauf der Geschichte nehmen die Beziehungen zwischen den Charakteren eine wichtige Stellung ein: Vernau kommt als Fremder in ein Umfeld, in dem generell nicht viel über echte Gefühle und Beweggründe gesprochen wird und Probleme lieber unter den Tisch gekehrt als publik gemacht werden. Für die Schüler ist er zwar formell eine Vertrauensperson, aber nicht emotional, obwohl sie, wenn sie ehrlich sind, dringend jemanden bräuchten, dem sie sich anvertrauen können. Dieser Zwiespalt wird immer wieder deutlich - sowohl in Vernaus Versuchen, mehr zu erfahren, als auch in dem Verhalten seiner Schüler - und prägt das Vorankommen der Handlung.
Neben der Beziehung zu seinen Schülern spielen auch Vernaus private Beziehungen eine nicht unerhebliche Rolle darin, aus einer reinen Kriminalgeschichte eine lebendige Handlung zu machen: Seien es die freundschaftlichen Beziehungen zu seiner Kanzleipartnerin Marie-Luise und dem Studenten Kevin oder die etwas schwierige Beziehung zu seiner Mutter und deren Mitbewohnerin oder die langsam entstehende Beziehung zu einer Kollegin. Sie halfen mir dabei, Vernau nicht nur als Anwalt, Aushilfslehrer und wichtige Figur in einer Kriminalgeschichte zu sehen, sondern auch als Menschen mit eigener Geschichte, eigenen Problemen und Meinungen, der vollkommen ungeplant in einen Kriminalfall gerät und auf eigene Faust ermittelt.

Fazit: Starke Charaktere, spannende Handlung und ein flüssiger, humorvoller Schreibstil: Von mir gibt es für "Die siebte Stunde" eine klare Leseempfehlung!

bewertung_5_pergamentfalter

Klappentext

EIN TEUFLISCHES SPIEL, EIN RÄTSELHAFTER SELBSTMORD UND EIN QUÄLENDES GEHEIMNIS - der neue Fall für Anwalt Joachim Vernau.

Der Berliner Anwalt Joachim Vernau ist einmal wieder knapp bei Kasse, als ihn ein Glücksfall ereilt: Er bekommt die Möglichkeit, an einer noblen Privatschule zu unterrichten. Doch etwas stimmt nicht mit seiner Klasse. Als Vernau vom Selbstmord einer Schülerin erfährt, stößt er auf eine Mauer des Schweigens. Was ist damals auf dem alten Dachboden des alten Hauses geschehen? Welche geheimen Verbindungen gibt es zu der anderen Schule ganz in der Nähe? Und wer ist der Rächer, der ein tödliches Spiel mit Vernaus Klasse treibt? Langsam gewinnt Vernau das Vertrauen seiner Schüler und erfährt, wofür sie büßen müssen. Für eine Schuld, die einen nach dem anderen von ihnen in den Tod treiben soll ...

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Vielen Dank für eure Kommentare!