[Rezension] Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch

Donnerstag, 30. März 2017 | Kommentieren
Quelle: Knaur HC

672 Seiten | Klappenbroschur | Knaur HC | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

Erschienen: 01. März 2017

ISBN: 978-3-426-65419-4
Preis: 16,99 €

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Klappentext

BUBE, DAME, KÖNIG, TOD

Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel unvorhergesehener und mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mit der Karte auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Plötzlich steigt der Einsatz: Es ist um nicht weniger als sein eigenes Leben.

Meine Meinung

Rasant-blutige Urban-Fantasy um ein mörderisches Kartenspiel

Kartenspiele sind langweilig, alles andere als abwechslungsreich und maximal was für's Kasino oder Omas Kaffeetisch? Vergesst es, denn jetzt kommt Supérieur.
Nach Vampiren & Werwölfen, Todesschläfern, Seelenwanderern und Wüstenstädten taucht Markus Heitz mit seinem neuesten Werk in die Welt des Kartenspiels ein. Doch nicht etwa Dame, Poker und Co. sind der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, sondern ein mysteriöses, altes Kartendeck und ein mitunter tödliches Spiel namens Supérieur, das Heitz eigens kreierte.
Die Handlung selbst springt zwischen zwei Epochen. Historisch begibt man sich in das Jahr 1768 nach Leipzig, auf die Spuren des Kartenspiels. Ich lernte den begabten Kupferstecher und Kartenmacher Bastian Kirchner kennen, den Verleger Breitkopf, begegnete einem düsteren Mann namens Dietrich und machte Bekanntschaft mit dem Studiosus Goethe, der zum geselligen Beisammensein in Auerbachs Keller einlud. Mit feinem Gespür für tatsächliche historische Begebenheiten und einer ordentlichen Portion eigener Fantasie gelingt es Heitz, die Grenzen zwischen wirklicher Vergangenheit und Erfundenem so elegant zu verwischen, dass man sie kaum noch bemerkt. Was geschah tatsächlich in Auerbachs Keller? Woher nahm Goethe die Ideen für seinen "Faust" - etwa aus der eigenen Erfahrung? Und was vermag ein eigentlich simples Kartenspiel zu tun?
Der zweite Handlungsstrang führt in die Gegenwart, an Schauplätze auf der ganzen Welt und zu allerhand Haupt- und Nebenfiguren, die mal nur kurz auftauchen, mal die Geschichte für längere Zeit begleiten und tragen. Zentral ist hierbei ein altes, weltweit verstreutes Kartendeck mit mysteriösen Eigenschaften, das den Tod anzuziehen scheint.
Die beiden Protagonisten des Buches sind ziemlich unterschiedlich: Der ehemalige Spieler Tadeus Boch kommt durch Zufall in den Besitz einer historischen Spielkarte, die seitdem ihren Reiz für ihn hat und die er um jeden Preis schützen will. Hyun Poe dagegen verlor ihren Verlobten bei einem illegalen Kartenturnier und versucht seither, die Wahrheit über das herauszufinden, was während des Turniers geschah - und den Grund, warum ihr Verlobter sterben musste. Gegen Bochs Karte und so manch andere, die in ihre Nähe kommt, hat sie eine starke Abneigung, die sie nur auf eine Art in Worte fassen kann: In den Karten lebt etwas Böses.
Gemeinsam versuchen Boch und Poe herauszufinden, was es mit den Karten auf sich hat, verfolgt von namenlosen Jägern und Attentätern, die es nur auf eines abgesehen haben: Bochs Karte. Egal, welchen mörderischen Preis sie dafür zahlen müssen.
Die Handlung ist rasant, in Heitz-Manier häufig blutig und definitiv actiongeladen. Langeweile kam bei mir während des Lesens nicht auf. Stattdessen tauchte ich tiefer und tiefer in die Welt des Kartenspiels ein und ließ mich voll und ganz fesseln und mitreißen. Das Buch ist ein Pageturner, der im Endeffekt leider kürzer wirkt, als die Seitenzahlen behaupten.
Am Ende des Buches, wenn man sich allmählich von der Geschichte löst (lösen muss), wartet noch ein besonderer Anhang: hier hat Heitz allerhand Informationen zu Kartenspielen zusammengetragen, von der Entstehung über Papier und Druck bis hin zu ihrer Bedeutung. So kann man  als begeisterter Leser dann doch noch ein wenig in der Welt der Kartenspiele schwelgen und wird mit dem Ende der Geschichte nicht ganz so ruckartig aus dem Buch gerissen ...

Fazit: Spannend von der ersten bis zur letzten Seite! Die Charaktere erscheinen lebendig, haben klare Persönlichkeiten und viele waren mir richtig sympathisch. Die Handlung kommt ohne Lücken und Spannungstiefs aus. Versteckte Hinweise auf andere Heitz-Romane, die er sonst in seinen Romanen gern einmal verteilt, sucht man dieses Mal vergeblich, auch wenn ein wichtiger Handlungsort - wieder einmal - Leipzig ist.


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