[Rezension] Anthony O'Neill: Dark Side

Sonntag, 12. März 2017 | Kommentieren
Rezensionsexemplar
Quelle: Knaur TB

416 Seiten | Taschenbuch | Knaur TB | Deutsch

Original: The Dark Side
Übersetzer: Susanne Gerold, Gerd Rottenecker

Reihe: Einzelband

Erschienen: 01. März 2017

ISBN: 978-3-426-51865-6
Preis: 14,99 €

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Klappentext

Wenn du deine Spuren nicht beseitigen kannst, beseitige jene, die sie sehen. Der Brass-Kodex

Der Mond, in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft: Dort hat der exzentrische Multimilliardär Fletcher Brass die Kolonie Purgatory gegründet. Der Arm des irdischen Gesetzes ist 384 400 km entfernt, und so gilt Purgatory als Mekka für Kriminelle aller Art - bis der unbestechliche Polizeilieutnant Damien Justus in die Kolonie versetzt wird. Damien ist fest entschlossen, für Recht und Ordnung zu sorgen, und ist damit nicht nur dem ebenso charismatischen wie skrupellosen Brass ein Dorn im Auge. Doch die wahren Probleme beginnen, als auf der anderen Seite des Mondes ein Androide zu einem Rachefeldzug aufbricht, der ganz Purgatory in Schutt und Asche legen könnte.

Meine Meinung

Dunkel, teils verworren - und nicht ganz das, was es verspricht

In Anthony O'Neills neuestem Werk "Dark Side" ist der Menschheit endlich gelungen, wovon die Raumfahrt seit langem träumt: Die Besiedlung eines neuen Planeten. Mehrere Stationen verteilen sich in einer nicht genauer datierten Zukunft über die Oberfläche des Mondes. Neben Forschungsstationen, Wirtschaftsbasen und Tourismuszentren rückt besonders eine Kolonie in den Fokus: Purgatory. Gegründet von dem Multimilliardär Fletcher Brass, gilt sie mit ihrer Hauptstadt Sin als Auswanderungsziel Nr. 1 unter den irdischen Kriminellen. Überwachungsfreiheit, gesetzliche Grauzone, keine Auslieferabkommen - was könnte es Besseres geben?!
Beherrscht wird Purgatory von Fletcher Brass, einem äußerst charismatischen, aber ebenso skrupellosen und für mich reichlich unsympathischen Mann, der Purgatory als seine persönliche "Spielwiese" sieht, in die ihm niemand reinzureden hat. Angesichts seiner anstehenden Abreise zu einer Marsexpedition bahnen sich hinter den Kulissen der Kolonie allerdings Machtkämpfe um Brass' Nachfolge an. Denn als potentiell neuer Machthaber kommen nicht nur mehrere Berater von Fletcher Brass in Frage, sondern auch dessen schwer einzuschätzende Tochter Q.T. (kurz für "Cutie" - Sarkasmus lässt grüßen!), die im Geheimen seine größte Widersacherin ist.
Mitten hinein in das (politische) Haifischbecken von Purgatory wird der Polizeilieutnant Damien Justus geworfen. Als unbestechlicher Neuankömmling wird er von vielen Sinnern gefeiert wie der neue Stern am Gerechtigkeitshimmel - einer Gerechtigkeit, der sich auch Fletcher Brass unterordnen soll, was dem natürlich so gar nicht passt. Die falsche Aussprache von Justus' Namen - "Justice" - ist hier nur die Spitze des Eisbergs. 
Zeitgleich startet auf der anderen Seite des Mondes ein humanoider Androide seine mörderische Reise nach "Oz", denn er ist überzeugt, der Eroberer und König zu sein. Und er hat verwirrende Parallelen zu Fletcher Brass.
Die beiden Hauptteile der Geschichte - einerseits Justus und seine Kriminalfälle, die ihn immer tiefer in Sins Politik verstricken, andererseits die Reise des Androiden - werden immer mal wieder von "Reiseführer-Sequenzen" unterbrochen. Sie wenden sich in ihrer Sprache direkt an den Leser, führen in Geschichte, Lebensweisen und Orte ein und stellen einzelne Charaktere vor. Was anfangs irritierend wirkte, wurde für mich schnell zu einer guten Orientierungshilfe in der lunaren Welt.
Den Showdown oder Kampf um den Schutz Purgatorys, der im Rückentext angeteasert wurde, habe ich allerdings vermisst. Sehr lange liefen die beiden Handlungsteile nebeneinander her, ohne sich zu beeinflussen. Zwar waren beide Teile für sich spannend und verfolgenswert, aber leider eben nicht das, was ich erwartet hatte. Von einem "Rachefeldzug" bsp. habe ich nicht wirklich etwas gemerkt. Und auch die "wahren Probleme" waren im Nachhinein für das, was in Purgatory seit Justus' Ankunft los war, eher Durchschnitt.

Fazit: Science-Fiction trifft Politkrimi trifft Splatter.
"Dark Side" ist ein kurzweiliger Lesespaß für zwischendurch in einer Welt, die angesichts ihrer Gegebenheiten gern mal Beklemmungen auslösen kann. Insgesamt waren mir die Charaktere etwas zu einseitig und als bekennender Klappentextleser enttäuschte mich der Inhalt. Davon abgesehen ist die Handlung, die geboten wird, aber durchweg spannend und lädt angesichts politischer Intrigen und Lügen zur Spurensuche ein.


Vielen Dank an den Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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