[Rezension] Sebastian Fitzek: Die Therapie

Mittwoch, 8. Februar 2017 | Kommentieren
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Bildquelle: Droemer Knaur
336 Seiten | Taschenbuch | Knaur TB | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

Erschienen: 01. Juli 2006

ISBN: 978-3-426-63309-0
Preis: 9,99 €

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Viel Psycho und eine sich selbst zerstörende Spannung

Vor mittlerweile elf Jahren startete Sebastian Fitzek mit "Die Therapie" seine Karriere als Thriller-Autor. Im Zentrum dieses Debüts steht der deutsche Starpsychiater Viktor Larenz, dessen zwölfjährige Tochter Josephine vor vier Jahren unter ungeklärten Umständen verschwand. Als er sich in sein Ferienhaus auf der Nordseeinsel Parkum zurückzieht, sucht ihn dort eine Unbekannte auf, die unbedingt von ihm therapiert werden will. Im Laufe der Therapie vertraut sie ihm ihre Wahnvorstellungen an, in denen ein Mädchen verschwindet, das erschreckend viele Gemeinsamkeiten mit Josy hat ...

Die Grundstruktur ist spannend und weckt Interesse: Was ist mit Josy passiert? Hat die Unbekannte etwas mit ihrem Verschwinden zu tun? Wie konnte sie aus der Arztpraxis, in der sie zuletzt mit Viktor war, verschwinden, ohne dass jemand etwas davon gemerkt hat? Die Ausgangssituation hat Catcher-Potential - die perfekte Grundlage für einen guten Thriller. Hier endet die Lobrede jedoch leider auch schon.
Bereits nach wenigen Seiten wird deutlich, dass irgendetwas an der Geschichte nicht stimmt: Die Handlung? Die Unbekannte? Der Protagonist? Was als vage Ahnung begann, manifestierte sich immer mehr, sodass ich nach gerade einmal der Hälfte eine recht konkrete Idee hatte, was die Realität, die Fitzek zu vermitteln versucht, stört. Vermutlich war sich Fitzek dessen bewusst, denn es gibt immer wieder eingestreute Wendungen, die zumindest versuchen, den Verdacht zu zerstören, der sich unweigerlich einstellt.
Trotz dieses faden Beigeschmacks, diesem "Ich ahne, was los ist, bevor Protagonist und Autor zur Aufklärung kommen", besitzt "Die Therapie" eine leichte Spannungskurve. Das Buch ist flüssig geschrieben und da die aufkommende Ahnung nicht zu 100% alle Fragen klären kann, bleibt Interesse an der Handlung und Auflösung des Falls bestehen.
Allerdings übertreibt es Fitzek in Sachen Spannungsaufbau. Kapitelüberschriften à la "X Tage vor der Wahrheit" konnte ich noch akzeptieren; wenn auch mit leichtem Stirnrunzeln. Vorahnungen frei nach dem Motto "Da ahnte er noch nicht ..." oder "Doch in diesem Moment passierte ..." oder - mein "Favorit" - "Bereits hier hätte er begreifen müssen ..." am Ende von nahezu jedem der 62 Kapitel lassen dagegen schnell nur noch genervt mit den Augen rollen. Cliffhanger am Kapitelende sind schön und gut, in dieser ewig gleichen, ständig wiederkehrenden Form machen sie sich selbst und die Spannungskurve aber eher lächerlich als wirklich Spannung zu erzeugen.
Ein starker Protagonist, der den Leser mitnimmt, hätte an dieser Stelle vielleicht noch etwas retten können. Hätte. Ich bin während des Lesens nie wirklich warm geworden mit Viktor Larenz. Seine Gefühlsausbrüche wirken eher befremdlich als verständlich; seine Handlungen konnte ich nicht immer nachvollziehen. Insgesamt gelang es mir mit gutem Willen gerade einmal ansatzweise, eine emotionale Verbindung zu ihm aufzubauen, die mich gemeinsam mit ihm und nicht nur als bloßer Leser die Handlung erleben ließ.
Zum Abschluss noch ein positiver Aspekt: Das Finale. Trotz aller Vorahnungen und nervigen Andeutungen konnte das tatsächlich überraschen und rettet der "Therapie" ein paar Bewertungspunkte.

Fazit: Ein Psychothriller, der wenigstens dem ersten Teil seiner Bezeichnung, "Psycho", alle Ehre macht. In Bezug auf Handlung, Spannung und Charaktere jedoch eher schwach.

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Klappentext

Keine Zeugen, keine Spuren, keine Leiche

Josy, die zwölfjährige Tochter des bekannten Psychiaters Viktor Larenz, verschwindet unter mysteriösen Umständen. Ihr Schicksal bleibt ungeklärt. Vier Jahre später: Der trauernde Viktor hat sich in ein abgelegenes Ferienhaus zurückgezogen. Doch eine schöne Unbekannte spürt ihn dort auf. Sie wird von Wahnvorstellungen gequält. Darin erscheint ihr immer wieder ein kleines Mädchen, das ebenso spurlos verschwindet wie einst Josy. Viktor beginnt mit der Therapie, die mehr und mehr zum dramatischen Verhör wird …

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