[Rezension] C.S. Pacat: Die Prinzen

Freitag, 24. Februar 2017 | 4 Kommentare
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Bildquelle: Bloggerportal
864 Seiten | Taschenbuch | Heyne Verlag | Deutsch

Original: The Captive Prince, Book 1-3
Übersetzer: Viola Siegemund, Melike Karamustafa

Reihe:: Sammelband

Erschienen:: 13. Februar 2017

ISBN: 978-3-453-31820-5
Preis: 16,99 €

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Rezensionsexemplar

Zwei starke Protagonisten zwischen Intrigen und Gefühlen

"Die Prinzen" von C. S. Pacat erschien ursprünglich als drei einzelne Romane, die nun erstmals als Sammelband herausgegeben wurden. Obwohl der Phantastik zugeordnet, sucht man Magie und übernatürliche Wesen in diesem Werk vergebens. Stattdessen befindet man sich gemeinsam mit den Protagonisten in einer erdachten, an das Mittelalter angelehnten Welt mit zwei mächtigen verfeindeten Königreichen: Akielos und Vere. Kulturell erinnert das eine ein wenig an die Germanen, das andere an eine Mischung aus Römern und Franzosen. Sprachliche Unterschiede werden immer mal wieder angedeutet, finden allerdings angesichts des Wertes, der auf die Unterschiede der beiden Völker gelegt wird, zu wenig Aufmerksamkeit.
Die Hauptperspektive der Geschichte, dargestellt in dritter Person und Vergangenheitsform, ist die des Kronprinzen von Akielos, Damianos, genannt Damen. Als er durch ein Komplott seines Halbbruders Kastor in die Sklaverei verkauft wird, dreht sich seine Welt um 180 Grad. Plötzlich seines hohen Ranges und seiner Macht beraubt, muss er damit zurechtkommen, ausgerechnet an den Prinzen von Vere, Laurent, verkauft worden zu sein, der Akielos abgrundtief hasst. Um zu überleben, muss er sich mit seinem neuen Leben arrangieren und lernt dabei Laurent ungewollt aber überraschend besser kennen. Dabei stellt er fest, dass der Prinz nicht sein größtes Problem auf dem Weg zurück in seine Heimat und zu seinem Thron ist, und vieles in Vere nicht das ist, was es auf den ersten Blick scheint.
Die Handlung von "Die Prinzen" besteht hauptsächlich aus verworrenen Intrigen, Machtspielen und politischen Schachzügen, die der Geschichte immer wieder neue spannende Wendungen schenken und es unmöglich machen, das Ende wirklich vorauszusehen. Die Spannung bleibt durchgängig erhalten und macht es schwer, das Buch zwischendurch wegzulegen.
Getragen wird die Geschichte von starken, facettenreichen Charakteren und wunderbar ausgearbeiteten Beziehungen, die sie untereinander pflegen. Vielfach lässt C. S. Pacat ihre Figuren nur mittels Mimik oder Gestik kommunizieren und beweist dabei einerseits ein feines Gespür für Ausdrucksstärke, andererseits verleiht sie ihren Figuren damit eine tolle Lebendigkeit.
Die beiden Protagonisten sind zwei komplett unterschiedliche junge Männer:
Damen, ein dunkelhaariger Kämpfer, ist selbstbewusst und dennoch vor allem am Anfang naiver, als gut für ihn ist. Er lässt sich vielfach von seinen Gefühlen lenken, handelt mitunter impulsiv und denkt dann erst im Nachhinein über die Folgen nach. Gleichzeitig ist er ein guter Stratege, der auf dem Schlachtfeld ungeschlagen und ein guter Anführer ist. Selbst in der Sklaverei verliert er niemals die Bedürfnisse seiner Untertanen aus den Augen und macht sich mehr Sorgen um sie als um sich selbst.
Laurent dagegen mit seiner hellen Haut und den blonden Haaren ist nicht nur äußerlich das Gegenteil von Damen. Zu Beginn scheint er kaum mehr als Gefühlskälte, Hass und Arroganz zu kennen. Während Damen eher körperlich handelt, ist Laurent der Denker, der verworrene Schlüsse zieht und Intrigen spinnt, ohne sich dabei in die Karten schauen zu lassen. Er ist verschlossen, vertraut niemandem außer sich selbst und obwohl er sich stark und unnahbar gibt, blitzt immer mal wieder durch, dass er im Grunde einsam und unsicherer als gedacht ist.
Ich fande es faszinierend zu beobachten, wie sich die beiden im Laufe der Geschichte langsam annähern, sich kennenlernen und langsam verändern. Dabei ist es vor allem Laurent, der eine grundlegende Wendung durchmacht - oder vielleicht wirkt es auch nur so, da die Geschichte aus Damens Perspektive geschrieben ist und ich als Leser immer nur seine Gedanken zu Laurent erfuhr, aber nicht umgekehrt. Im Vergleich zu Laurent ist Damens Entwicklung fast schon unscheinbar und war mir persönlich zu wenig, obwohl es Anknüpfungspunkte für eine stärkere bzw. klarere Entwicklung gegeben hätte.
In jedem Fall sollte man sich keinesfalls von dem ersten Eindruck täuschen lassen, den man von Damen, Laurent oder einer der Nebenfiguren bekommt - vielfach steckt noch deutlich mehr hinter der äußeren Fassade der Figur. Ob man das in jedem Fall wirklich kennenlernen möchte, lasse ich einfach mal dahingestellt ...

Fazit: "Die Prinzen" ist kein Buch für einfach mal schnell zwischendurch. Auf die Handlung und die Verwirrungen muss man sich einlassen, sonst geht man schnell in dem Gewirr verloren. Aber wenn man das tut, belohnt einen die Geschichte mit einer spannenden Handlung und einer tollen, lebendig wirkenden Figurenkonstellation. Einzig die Gestaltung von Damen war mir, angesichts der facettenreichen Darstellung von Laurent, etwas zu schwach.

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Das Buch erhielt ich als Rezensionsexemplar vom Verlag - vielen Dank dafür!

Klappentext

Damen, der schöne Kronprinz von Akielos, verliert durch ein Komplott seines Halbbruders den Thron und wird in die Sklaverei verkauft - ausgerechnet an Laurent, den Prinzen des verfeindeten Königreiches Vere. Laurent - eitel, arrogant und grausam - steht für alles, was Damen hasst. Doch noch während er Fluchtpläne schmiedet, entdeckt Damen eine andere Seite von Laurent, und schon bald weiß er nicht mehr, was wichtiger für ihn ist: seine Freiheit und Laurent ...

4 Kommentare

  1. Ich bin kein ausgesprochener Fantasy-Leser und bin von der Seite der Gay Romance zu dieser Trilogie gekommen. Gay Romance sind ja oft auch mit anderen Genres kombiniert, aber haben den Schwerpunkt immer bei den Charakteren, was mir auch hier wieder sehr gut gafellen hat. Gerade dass fast nur Damen erzählt, lässt den Leser die Komplexität von Laurent auch erst nach und nach erkennen, eben in dem Maß, wie Damen ihn näher durchschaut.

    Und die Welt, die die Autorin da erschaffen hat, mit ihren Intrigen und politischen Verwicklungen, fand ich auch ziemlich interessant.

    Übrigens gibt es noch drei Kurzgeschichten dazu, die leider nur auf englisch existieren und soweit ich weiß auch nicht übersetzt werden. Abr wenn Du auch auf englisch liest, sind die vielleicht als nette Ergänzung auch für Dich interessant.

    https://laberladen.com/green-but-for-a-season-a-captive-prince-short-story-englisch-von-c-s-pacat/

    https://laberladen.com/the-summer-palace-captive-prince-short-stories-2-englisch-von-c-s-pacat/

    https://laberladen.com/the-adventures-of-charls-the-veretian-cloth-merchant-englisch-captive-prince-short-stories-3-von-c-s-pacat/

    Liebe #litnetzwerk-Grüße von
    Gabi

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    1. Hallo Gabi,

      danke dir für den Hinweis! "The Summer Palace" kenne ich schon rein vom Titel, auch wenn ich bisher noch nicht zum Lesen kam. Die beiden anderen sind gleich mal mit auf meine Leseliste gewandert.

      Liebe Grüße
      Sarah

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  2. Hallo Sarah,
    ich bin wie Gabi neugierig auf Die Prinzen geworden, weil so viel über den Gay Romance-Aspekt des Buches gesprochen wurde und ich derartiges bisher sehr selten gelesen habe. Ich hatte mich anfangs gewundert, wo denn nun die Fantasy versteckt ist (Den Vergleich von Germanen und Römern hatte ich übrigens auch gezogen!), aber dann war ich zu tief in der Geschichte selbst drin, um noch länger darüber nachzudenken.
    Eine schöne Rezension!

    Liebe Grüße, Henrike

    PS. Kleiner Tipp: Ich würde den Text etwas mehr in Absätze gliedern, wie du es beim Fazit auch gemacht hast. Er lässt sich dann noch besser lesen und man überfliegt nicht aus Versehen ein Detail.

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    1. Hallo Henrike,
      danke dir für deinen Kommentar. Witzig, dass wir den gleichen Vergleich gezogen haben! Bei der Kultur von Vere und Akielos lag der für mich aber auch sehr nahe.

      Was deinen Hinweis angeht, kann ich den sehr gut verstehen. Bis vor einigen Monaten ist mir das selbst gar nicht so aufgefallen... Seit einem guten Monat schreib ich allerdings meine Rezensionen in einem neuen System, da sind dann auch mehr Absätze drin ;-)

      Liebe Grüße
      Sarah

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