[Rezension] Stephenie Meyer: Seelen

Sonntag, 27. November 2016 | Kommentieren
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Bildquelle: Carlsen (Pressedownload)
864 Seiten | Hardcover | Carlsen | Deutsch

Original: The Host
Übersetzer: Katharina Diestelmeier

Reihe:: Einzelband

Erschienen:: 14. August 2008

ISBN: 978-3-551-58190-7
Preis: 24,90 €

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Inhalt

Planet Erde, irgendwann in der Zukunft. Fast die gesamte Menschheit ist von sogenannten Seelen besetzt. Diese nisten sich in die menschlichen Körper ein und übernehmen sie vollständig - nur wenige Menschen leisten noch Widerstand und überleben in den Bergen, Wüsten und Wäldern.
Eine von ihnen ist Melanie. Als sie schließlich doch gefasst wird, wehrt sie sich mit aller Kraft dagegen, aus ihrem Körper verdrängt zu werden und teilt ihn fortan notgedrungen mit der Seele Wanda. Verzweifelt kämpft sie darum, ihren Geliebten Jared wiederzufinden, der sich mit anderen Rebellen in der Wüste versteckt hält - und im Bann von Melanies leidenschaftlichen Gefühlen und Erinnerungen sehnt sich auch Wanda mehr und mehr nach Jared, den sie nie getroffen hat ...

Meine Meinung

Eine Geschichte irgendwann in der Zukunft, in der die Menschheit von außerirdischen Lebensformen besessen ist. Alle, bis auf einen kleinen verbliebenen Widerstand ... So ganz neu ist dieser Ansatz nicht. Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, eine ähnliche Geschichte schon einmal gelesen zu haben.
Die Geschichte beginnt, als die Widerständlerin Melanie von der Seele Wanda, der Erzählerin des Buches, besetzt wird. Auf den ersten Seiten zieht sich die Geschichte noch. Vor allem die Einführung in die Welt und die immer wieder mal aufkommenden, ewig scheinenden Gespräche lassen die Geschichte gern mal wie Kaugummi wirken. Glücklicherweise werden diese Gespräche im Verlauf der Handlung weniger, sodass sich dann auch richtige Spannungskurven entwickeln konnten.
Neben der Handlung an sich haben die Charaktere in "Seelen" einen hohen Stellenwert. Die Figuren an sich sind alle individuell gestaltet, sodass ich mich trotz der hohen Zahl an Charakteren gut orientieren konnte. Im Vordergrund steht vor allem die Entwicklung der einzelnen Figuren. Zunächst einmal die der Protagonistin Wanda inklusive Melanie. Während sich die beiden anfangs regelrecht verabscheuen - was durch Wandas pazifistisches Wesen manchmal wirklich lustig zu lesen war -, wird aus ihnen im Laufe der Geschichte ein spannendes Duo, das mich mal zum Lachen und manchmal auch fast zum Weinen bringen konnte.
Daneben gibt es allerhand weitere Figuren wie Melanies Freund Jared, ihren kleinen Bruder Jamie, ihren Onkel Jeb und die Brüder Ian und Kyle, die alle unterschiedliche Beziehungen untereinander und zu Wanda/ Melanie haben. Die Art, wie Stephenie Meyer die Entwicklung der einzelnen Beziehungen und der Figuren selbst beschrieb, hat mir sehr gut gefallen. Sie war authentisch und glaubwürdig. Einzig die Wandlung eines Mannes recht weit am Ende der Geschichte konnte mich nicht ganz überzeugen.
Während mich die Geschichte über weite Strecken fesseln konnte, wurden Stirnrunzler zum Ende hin häufiger. Nicht nur erschien mir das Ende zu glattgebügelt und perfekt, um wirklich zu der Geschichte zu passen. Auch einige Beschreibungen von erwachsenen Frauen zum Ende hin sind mir aufgestoßen. Besonders in Erinnerung blieben mir Beschreibungen wie "sehr klein" oder sogar "winzig" oder wahlweise auch jene Stelle, an der ein Vierzehnjähriger als wesentlich größer als die Frau beschrieben wurde. Fand ich unpassend und ließ mich an dem zugrundeliegenden Rollenbild stark zweifeln ...

Fazit

Trotz des bereits bekannten Ansatzes entwickelte Stephenie Meyer einen spannenden Science-Fiction-Roman mit starkem Fokus auf charakterliche Entwicklungen und die Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren. Die Handlung ist in sich geschlossen, schwächelte allerdings am Beginn und gen Ende.
Insgesamt ist es dennoch lesenswert und sollte auch diejenigen nicht abschrecken, die Stephenie Meyer sofort mit "Twilight" gleichsetzen.

bewertung_4_pergamentfalter

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