[Rezension] Sandrone Dazieri: In der Finsternis

Mittwoch, 1. Juni 2016 | Kommentieren
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Bildquelle: Piper
560 Seiten | Taschenbuch | Piper | Deutsch

Original: Uccidi il padre
Übersetzer: Claudia Franz

Reihe:: Band 1 von X

Erschienen:: 01.06.2016

ISBN: 978-3-492-30913-4
Preis: 9,99 €

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Meine Meinung

"Das Grauen", wie Dazieri treffend einleitet, beginnt, als zwei italienische Polizisten einen dehydrierten Mann auf einer Landstraße aufgreifen. Er berichtete vom Verschwinden seiner Frau und seines Sohnes. Wenig später wird die Frau ermordet aufgefunden; der Junge bleibt verschwunden. Nach ersten Ermittlungen der Polizei wird der Mann als Täter verhaftet.
Derweil scheint Inspektor Rovere nicht so recht an die Schuld des Vaters zu glauben. Er sieht Parallelen zu einem alten Fall, bei dem ebenfalls ein kleiner Junge entführt und elf Jahre lang in einem Silo gefangen gehalten wurde, ehe ihm die Flucht gelang. Jahre später arbeitet Dante Torre, wie der Junge heißt, als Berater in juristischen Fällen, denn durch seine Vergangenheit hat er eine beeindruckende Menschenkenntnis gewonnen.
Rovere setzt die derzeit wegen eines Traumas beurlaubte Polizistin Colomba Caselli auf den neuen Fall an und stellt ihr Dante Torre als Berater zur Seite. Gezwungenermaßen begibt sich ungleiche Duo auf Spurensuche - in Gegenwart und Vergangenheit. Dabei ist noch niemandem klar, in was für persönliche und auch staatliche Abgründe dieser Fall führen wird...

Die Handlung von "In der Finsternis" ist unglaublich spannend erzählt. Begonnen bei einem Mord in Verbindung mit einer Entführung stolpern die beiden Protagonisten von einem Albtraum in den nächsten und finden sich dabei in einem immer persönlicheren Umfeld wieder. Nicht nur diesem Umstand ist es geschuldet, dass dieser Thriller eine emotionale Achterbahnfahrt ist.
Neben der eigentlichen Handlung sind die große Stärke dieses Buches die beiden Protagonisten, die mich aufgrund ihrer Wirklichkeitsnähe und Lebendigkeit sehr beeindruckt haben.
Auf der einen Seite findet sich Dante Torre, ein Mann, dessen mentale Leistungsfähigkeit mich hin und wieder an Sherlock Holmes denken ließ. Im Lesen von Menschen und Ziehen von Schlussfolgerungen ist er brilliant. Seine grausame Vergangenheit hat jedoch derart tiefe Narben hinterlassen, dass er kaum zu einem angemessenen Sozialverhalten fähig ist und auch seine Klaustrophobie erschwert ihm das Leben.
Colomba Caselli - oder CC, wie Dante sie nennt - auf der anderen Seite ist eine durchsetzungsfähige Polizistin, die kein Problem damit hat, auch mal "anzuecken". Seit ihrem letzten großen Fall ist sie jedoch traumatisiert und beurlaubt. Angesichts ihrer Panikattacken und Schuldgefühle will sie eigentlich den Polizeidienst hinter sich lassen. Bis Rovere sie in den neuen Fall verwickelt.
Die Dynamik des Duos könnte eine ganze emotionale Palette füllen. Trotz der bedrückenden Handlung ließen die beiden mich das eine oder andere Mal schmunzeln und nahmen mich mit in ihrer Geschichte. Von der ersten bis zur letzten Seite hatte ich das Gefühl, Teil dieser wahnsinnigen (im wahrsten Sinne) Geschichte zu sein. Trotz der Erzählperspektive, die mich anfangs etwas stutzen ließ: Überwiegend wechselt die Perspektive von Kapitel zu Kapitel zwischen einzelnen Charakteren. Stellenweise finden sich jedoch auch innerhalb einzelner Kapitel Andeutungen des allwissenden Erzählers sowie Perspektivwechsel. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit war dieser Schreibstil jedoch mancherorts sogar förderlich für die Geschichte: Durch ihn konnte Dazieri ein facettenreiches, detailliertes Bild der Geschichte schaffen und somit den Kern der Handlung darstellen, den ich in seiner Komplexität nur mit einem Wort beschreiben kann: Unglaublich.

Fazit

Es gibt sie nicht oft, aber es gibt sie: Bücher, die einen mitreißen. Geschichten, die einen nicht mehr loslassen wollen, deren Charaktere der Realität entsprungen zu sein scheinen und deren Orte man nicht mehr verlassen will. "In der Finsternis" ist eines dieser Bücher.
Packend bis zur letzten Seite, mit einer Handlung, die mehr als nur ein gewöhnlicher Kriminalfall ist. Nebst der Geschichte an sich sind es vor allem die Protagonisten, die dieses Buch prägen. Sie liefern - vor allem angesichts des überraschenden Finales - Zündstoff für weitere Geschichten. Ich hoffe sehr, Colomba und Dante noch einmal wiederzusehen.
Bis dahin gibt es von mir eine sehr klare Kaufempfehlung!

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Klappentext

DANTE TORRE KANN MENSCHEN LESEN. ABER ER HAT TEUER DAFÜR BEZAHLT.

Elf Jahre. So lange war er eingesperrt in ein dunkles Silo. Jetzt, Jahre später, verschwinden wieder Menschen. Dante weiß: Der Täter ist zurück. Nur er kann ihn finden. Zusammen mit der Ex-Polizistin Colomba Caselli jagt er einen Verbrecher, der vor nichts zurückschreckt.

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