[Rezension] Sebastian Fitzek: Passagier 23

Mittwoch, 25. Mai 2016 | Kommentieren
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Bildquelle: Knaur TB
432 Seiten | Taschenbuch | Knaur TB | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

Erschienen: 28. Oktober 2015

ISBN: 978-3426510179
Preis: 9,99 €

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Meine Meinung

Vor fünf Jahren verlor Martin Schwartz seine Frau und seinen Sohn auf dem Kreuzfahrtschiff "Sultan of the Seas". Erweiterter Selbstmord, an den Martin niemals glauben wollte, doch Beweise gibt es nicht. Seitdem ist Martin ein psychisches Wrack, dem jeder Überlebenswille abhandengekommen ist. Selbst die Himmelfahrtskommandos in seinem Job als verdeckter Ermittler, an die sich sonst kein anderer herantraut, schrecken ihn nicht.
Eines Tages erhält er einen Anruf von einer Frau, die sich ihm als Thrillerautorin vorstellt. Er müsse schnellstens auf das Schiff kommen, dass er für immer hinter sich lassen wollte, denn es gebe neue Informationen zum Tod seiner Familie. Trotz einigem Widerwillen zieht es ihn zurück auf die "Sultan". Dort ist vor kurzer Zeit ein Mädchen wieder aufgetaucht, dass zusammen mit seiner Mutter für tot erklärt wurde - und den Teddy von Martins Sohn bei sich hatte.

Zu Beginn konnte mich das Buch sofort fesseln: Ein merkwürdiger Doktor, mysteriöse Selbstmorde und ein Mädchen, das Zweifel an der gesamten Selbstmordtheorie wach werden lässt. Alles angesiedelt auf einem Kreuzfahrtschiff, auf dem es lediglich die bezahlte Security, aber keine Polizei gibt. Es ist ein ausgezeichneter Startpunkt für einen packenden Thriller, mit zahlreichen Möglichkeiten was genau passieren kann.
Im Verlauf der Handlung verlor sich jedoch mehr und mehr die Spannung. Urplötzlich auftauchende neue Hinweise, merkwürdige Wendungen und konstruierte Zusammenhänge häuften sich. Was als realistisch wirkender Thriller begann, entwickelte sich zu einer zunehmend unglaubwürdigen Geschichte, der in meinen Augen die Spannung fehlte und beinahe zur bloßen Effekthascherei verkam.
Die plötzlichen Perspektivwechsel von Kapitel zu Kapitel machten einerseits zwar neugierig, konnten andererseits aber die richtige Spannung, wie ich sie in einem Thriller erwarte, nicht zurückholen.
Was die Charaktere angeht, so konnten sie mich noch am meisten von dem Buch überzeugen. Ob es nun Polizeipsychologe Martin Schwartz war, Kapitän Bonhoeffer, das Mutter-Tochter-Gespann Julia und Lisa Stiller, die kleine Anouk oder eine der Nebenfiguren - ich fand sie im Grunde sympathisch. Hineinversetzen konnte ich mich in keinen von ihnen, dafür erschienen sie mir zu platt, aber ich hab ihre Geschichte ganz gern mitverfolgt. Mit der steigenden Unglaubwürdigkeit der Handlung litten jedoch auch die Charaktere, sodass ich zum Ende hin leider kaum noch etwas mit ihnen anfangen konnte. Der eine Teil der Figuren wurde austauschbar - ihr eigener Charakter, den Fitzek ihnen noch zu Beginn des Buches verliehen hatte, ging verloren. Der andere Teil wurde zu einer kräftigen Überzeichnung, was für mich stark an der Sympathie zu den Figuren kratzte.

Fazit

Was als guter Thriller startete, begann zwischen dem ersten Drittel und der ersten Hälfte mehr und mehr zur unglaubwürdigen Konstruktion ohne Spannung und Lebendigkeit zu werden. Gute Ansätze, sowohl in der Geschichte als auch bei den Charakteren, wurden entweder nicht ausgeführt oder viel zu überzogen dargestellt.
Letztendlich ist "Passagier 23" in meinen Augen ein Psychothriller ohne ernstzunehmenden Psycho und ohne Thrill, für den es gerade einmal zu zwei Pergamentfaltern reicht.

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Klappentext

Denken Sie an einen Ort ohne Polizei.
Eine Kleinstadt, aus der Jahr für Jahr Dutzende Menschen verschwinden.
Spurlos.
Der Ort für das perfekte Verbrechen.

Herzlich willkommen auf Ihrer Kreuzfahrt!

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