[52/52-Challenge] Gestohlen

Sonntag, 7. Juni 2015 | Kommentieren
Stichwort: Symbol
Wörter: 692


Gestohlen

"Das war mittlerweile der dritte Raubüberfall, bei dem dieses verdammte Zeichen hinterlassen wurde. Irgendwelche Neuigkeiten zu seiner Bedeutung?"
"Nichts, Sir. Es entstammt, soweit wir bisher herausfinden konnten, keiner bekannten Sprache."
"Das habe ich geahnt... Gibt es sonstige Hinweise?" 
Der Polizist nickte. "Einige Sequenzen der zerstörten Videoaufnahmen von der Überwachungskamera konnten rekonstruiert werden. Sie werden derzeit gesichtet. Es sollte bald feststehen, ob sie uns weiterhelfen."
"Gut. Halten Sie mich auf dem Laufenden." Der Polizist entfernte sich. Er blieb allein zurück und ließ sich hinter seinem Schreibtisch auf den Stuhl sinken. Sie hatten es mit einer Bande zu tun - wenigstens das hatten sie herausfinden können. Mittlerweile sprachen sie auch von einer Einbruchserie, auch wenn lediglich das Vorgehen die Fälle verband: Das Signal der Kameras wurde gestört und in eine Endlosschleife gelegt, sobald sie sich Zugang zum jeweiligen Geschäft verschafft hatten. Geld ließen sie generell unangetastet. Auch Technik oder Gold ließen sie liegen. Nachdem sie das Geschäft wieder verlassen hatten, lösten sie von außen die Endlosschleife der Kamera, die weiterlief, als wäre nichts passiert. Bis auf ein paar winzige Kratzer am Schloss gab es keine sonstigen Einbruchsspuren.
Was ihn an der Einbruchsserie störte, war das Diebesgut: Beim ersten Mal waren es einige Schmuckstücke aus dem Lager eines Juweliers gewesen, beim zweiten Mal ein altes Buch aus dem Geschäftsbüro eines Wirtschaftsunternehmens und beim dritten Mal ein Gemälde aus einer Galerie. Die Gegenstände hatten keine Gemeinsamkeiten. Es gab keine bekannten Verbindungen zwischen dem Juwelier, dem Unternehmen und dem Museum oder den gestohlenen Objekten.
Er seufzte und kramte in den Papierstapeln auf seinem Schreibtisch, bis er eine ausgedruckte Aufnahme des mysteriösen Symbols gefunden hatte. Es erinnerte an das griechische Sigma am Wortende, dessen oberer Bogen von zwei kurzen schrägen Linien geschnitten wurde. Das Ganze war eingerahmt von einem gleichseitigen Dreieck. An jedem der drei Tatorte war es als Kreidezeichnung hinterlassen wurden - einmal genau an der Stelle, an der das Objekt entwendet worden war, sowie ein zweites Mal vor dem Ausgang.
Er vermutete, dass es sich um das Zeichen einer Gruppierung handelte. Eine Sekte wollte er noch nicht ausschließen, obwohl es die erste klauende Sekte wäre, die ihm während seiner bisherigen Laufbahn unterkam.
Nur wer waren sie und wonach genau suchten sie? Das bisherige Diebesgut ließ keinen Schluss auf ein nächstes Ziel dieser Bande zu.
Warum hinterließen sie überhaupt dieses Symbol, das zu den Dieben führen würde, sobald sie die Bedeutung entschlüsselt hatten? Es schien ein Hinweis, vielleicht sogar eine Art Unterschrift zu sein, aber warum machten sich diese Leute vorher die Mühe, die Kameras zu manipulieren, wenn sie später den Tatort unterzeichneten? Das ergab keinen Sinn!
"Sir, ich denke, wir haben etwas Neues." Er blickte auf und direkt in das ruhige Gesicht einer rothaarigen Polizistin. Sie reichte ihm ein Bild: eine ausgedruckte Momentaufnahme einer Überwachungskamera, auf der sehr unscharf ein dunkelhaariger Mann in gänzlich schwarzer Kleidung zu erkennen war. Er hatte das Gesicht der Kamera zugewendet, doch die Qualität des Bildes machte es kaum möglich, seine Gesichtszüge zu erkennen.
"Wir konnten einige Sequenzen der manipulierten Überwachungskameras wiederherstellen. Die Aufnahme stammt von einer Kamera am ersten Tatort, kurz bevor die Endlosschleife beginnt. Es scheint, als wäre das Störsignal, mit dem sie die Kameras blockiert haben, für kurze Zeit selbst gestört gewesen. Das Bild hält nur für eine knappe Sekunde an."
Er betrachtete das Bild noch einen Augenblick. "Versuchen Sie, es über die Gesichtserkennung mit der Datenbank zu vergleichen."
"Das haben wir bereits, Sir. Es gab keine Ergebnisse. Die Kollegen versuchen gerade, die Aufnahme schärfer zu stellen."
"Gut. Erstellen Sie ein erstes Täterprofil und lassen Sie ihn zu Fahndung ausschreiben. Irgendjemand muss diesen Kerl kennen."

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