[52/52-Challenge] Pakt mit dem Teufel

Donnerstag, 14. Mai 2015 | Kommentieren
Stichwort: Teufel
Wörter: 735


Pakt mit dem Teufel

Er erwachte - schweißgebadet, zitternd. Sein Körper klebte. Er war ausgelaugt, erschöpft. Noch immer zuckten seine Muskeln unkontrolliert. Er keuchte. Sein Herz raste.
Schon wieder.
Er kniff die Augen einige Momente zusammen und öffnete sie dann langsam wieder, nun ein wenig ruhiger. Noch immer war es finster. Er war allein. Das Fenster stand offen und die Vorhänge wehten im Nachtwind. Die kühle Luft strich über seine erhitzte, feuchte Haut. Zu kühl. Fast blind tastete er nach der Bettdecke, ohne sie zu finden.
Tatsächlich alles wie immer.
Er seufzte. Längst nicht nehr schläfrig stand er auf und tapste auf unsicheren Beinen ins Bad. Seine Unterhose, in der er normalerweise schlief, musste er irgendwann in den vergangenen Stunden ausgezogen haben. Er erinnerte sich nicht daran. Er erinnerte sich an so vieles nicht.
Im Badezimmer schaltete er das Licht ein und blinzelte einige Male, ehe sich seine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten. Den Spiegel ignorierte er - zwang sich fast, nicht hineinzuschauen. Zunächst musste er duschen. Abgesehen davon ahnte er im Grund bereits, was er sehen würde. Er wollte es nicht sehen. Lediglich einen knappen Blick zur Uhr gestattete er sich - kurz nach zwei Uhr nachts, nicht ganz drei Stunden Schlaf - ehe er in die Duschkabine stieg und das Wasser aufdrehte. Stellenweise brannte es, doch es war erträglich. Nichts im Vergleich zu seinen Erlebnissen der vergangenen Tage. Oder besser Nächte. Mit ruhigen Bewegungen wusch er sich und hielt auch dabei die Augen die meiste Zeit geschlossen. Nicht hinschauen. Er wollte es nicht sehen. Wollte keinen neuen Beweis dafür, welche Macht dieser Teufel bereits über ihn hatte.
Teufel... Ja, das war wirklich ein wahrer Name. War er ein Dämon oder der Teufel persönlich? Machte es überhaupt einen Unterschied? All das nur wegen seinen dummen Träumen...
Er lehnte den Kopf gegen die Fliesen hinter sich, ließ das Wasser über seinen Körper laufen und öffnete die Augen. Erstarrte. 
Verdammt. Er wusste, dass er etwas vergessen hatte...
Die Luft im Bad war noch nicht feucht genug, die Kabinenwand noch längst nicht beschlagen. Er hasste Glas. Es war genau so schlimm wie Spiegel.
Er kapitulierte und sah an sich hinab. Erschrak bei dem Anblick und seufzte. Was hatte er erwartet? Frische blutige Striemen zogen sich über seinen Körper von der Brust bis zu den Unterschenkeln. Besonders tief waren sie an seinen Hüften und den Innenseiten seiner Oberschenkel. Es waren genau die Striemen, aus denen noch immer etwas Blut sickerte. Daneben - ältere Wunden und Narben. Von vergangenen Nächten, in denen er ebenso wenig geschlafen hatte, wie er diese Nacht noch schlafen würde.
Es war wirklich jede Nacht dasselbe. Jede verdammte Nacht. Warum war er so dumm gewesen, diesem Handel zuzustimmen? Hätte er nicht ahnen können, was geschehen würde? Gab es keine Hinweise? Erlebten all jene, die die schwarzen Künste erlernten, das gleiche wie er?
Er ließ sich an der Wand hinabrutschen. Das Wasser regnete weiterhin auf ihn hinab; warmes, angenehmes Wasser. Er war dumm. Naiv. Keiner spielte ungeschoren mit dem Teufel.
Ein Lachen, kalt und grausam. Er erschrak. Das Zittern kehrte zurück, obwohl ihm nun warm war.
"Hast du wirklich gedacht, mich überlisten zu können, kleiner Novize?!" Abermals das grausame Lachen. In einem Moment glaubte er, einen schwarzen Schemen, eingehüllt von Nebel, außerhalb der Dusche zu erkennen. Im nächsten Moment war er verschwunden. Niemals sah er ihn. Sah den Teufel. Und sollte er ihn jemals gesehen haben, so hatte er es vergessen.
Die Berührungen kehrten zurück. Kalt. Unbarmherzig. Er sah keine Hände, sah nicht einmal einen Körper. Er spürte nur die Klauen. Wand sich unter ihrem Griff. 
"Du gehörst mir, kleiner Novize. Nur mir."
Lachen.

Er erwachte - schweißgebadet, zitternd. Alles wie immer.
Wasser regnete auf ihn hinab. Er lag in der Dusche. Schmerzen. Rote Schlieren, die sich mit dem Wasser zum Abfluss ringelten. Salzige Tränen folgten ihnen.
Der Teufel... wie konnte er so dumm gewesen sein?

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