[52/52-Challenge] Szene

Freitag, 24. April 2015 | Kommentieren
Stichwort: Auto
Wörter: 922

Szene

Motorengeräusche. Qietschende Reifen.
Zwei Autos schossen um die Kurve, kaum zwei Meter Platz zwischen ihnen. Mit einem beherzten Sprung rettete sich ein Passant in letzter Minute auf den Bürgersteig, kurz bevor ihn der erste Wagen erfasst hätte. Laut fluchend rappelte er sich auf und schaute den beiden Wagen nach, die gerade um die nächste Ecke verschwanden.
"Idioten", murmelte er kopfschüttelnd, während er noch die Motoren zu hören glaubte.
Einige Straßen weiter fluchte ein Mann und riss das Lenkrad herum. Er spürte, wie sich der Wagen gegen den plötzlichen Richtungswechsel sträubte. Wie er drohte, nach rechts auszubrechen. Die Finger krampften sich um das Lenkrad und zwangen es, in Position zu bleiben. Zwang das Auto auf die Straße.
Ein kurzer Blick in den Rückspiegel. Wenigstens erging es seinem Verfolger nicht besser als ihm. Die Aktion verschaffte ihm keinen Vorsprung, aber einen Augenblick Zeit, um nachzudenken. Er musste ihn abschütteln, irgendwie. Er konnte nicht ewig durch die engen Straßen rasen!Er gab Gas, sobald der Wagen wieder sicher auf der Straße stand. Der Motor heulte auf. Die Nadel des Drehzahlmessers schoss nach oben, genau wie die Geschwindigkeitsanzeige. Wen kümmerten Straßenverkehrsregeln und etwaige Polizeikontrollen, wenn hinter ihm ein Irrer fuhr, der ihn umbringen wollte?
Ein Knall. Er wurde im Sitz nach vorn geworfen. Während er das Gaspedal tiefer nach unten drückte, ein weiterer Blick in den Rückspiegel - der Dreckskerl hatte ihn gerammt! Verdammt! Er raste um eine weitere Kurve. Zu viel Geschwindigkeit - das Auto schlingerte, er fuhr auf den Bürgersteig, rammte eine Straßenlaterne, konnte einer zweiten nur mit Mühe ausweichen und schrammte dafür an einer Hauswand entlang. Ein Seitenspiegel brach ab. Es kümmerte ihn nicht. Solange der Wagen fuhr, hatte er ein gewisses Maß an Sicherheit.
Abermals riss er das Lenkrad herum, um endlich zurück auf die Straße zu kommen. Erfolglos. Er kam nicht weit. Der Dreckskerl hatte aufgeholt, war neben ihn gekommen und rammte ihn von der Seite - zwang ihn zurück gegen die Mauer. Verdammte Scheiße!
Er trat auf die Bremse, als kurz vor ihm auf der anderen Straßenseite eine Abzweigung auftauchte. Sein Verfolger raste an ihm vorbei - wenigstens hatte er ihn überrascht und einen Augenblick gewonnen. Er drehte das Lenkrad und gab erneut Gas. Der Wagen schoss nach vorn, zurück auf die Straße und hinein in die Seitenstraße. Es brauchte nur wenige Sekunden, bis sein Verfolger wieder im Rückspiegel auftauchte. Er holte auf. Zu schnell. Dreck!
Schon im nächsten Moment wurde er abermals gerammt. Er bog in eine weitere Straße. Plötzlich war sein Verfolger wieder neben ihm. Der Wagen presste sich gegen seinen, Metall kreischte. Obwohl er dagegen hielt, wurde sein Auto von der Fahrbahn gedrückt. Vor ihm verschwand die Straße um eine Linkskurve. Er versuchte gegenzulenken, zurück auf die Straße zu kommen. Erfolglos. Hastig drückte er das Bremspedal durch. Die Bremsen qietschten. Erst in der Kurve ließ sein Verfolger von ihm ab und folgte der Straße nach links. Er versuchte, ihm zu folgen. Den Wagen herumzuzwingen.
Das Auto war noch immer zu schnell.
Die Beifahrerseite prallte gegen die Mauer. Der Aufprall erschütterte ihn und schleuderte ihn in seinem Sitz herum. Der Gurt schnitt ihm in die Schulter, sein Kopf schlug gegen die Fahrertür. Er spürte, wie ihm Blut über das Gesicht lief. Sein rasender Herzschlag klang laut in seinen Ohren, sein Kopf schmerzte und das Bild vor seinen Augen verschwamm für einige Momente.
Er brauchte einen Augenblick, ehe er sich einigermaßen beruhigt hatte. Das Auto stand, er lebte. Die Beifahrerseite war komplett eingedrückt, aber er hatte es geschafft, den Wagen weit genug herumzuzwingen, um das Schlimmste zu verhindern. Selbst seine Tür ließ sich problemlos öffnen. Auf wackeligen Beinen stieg er aus, sah sich kurz um und lief los - in die Richtung, aus der er gekommen war. Bloß weg!
"Glaubst du wirklich, du kannst entkommen?"
Sein Verfolger. Er wollte sich umdrehen. Keine Chance. Der Schuss fiel, er spürte den Aufprall der Kugel an seinem Hinterkopf. Brach auf der Straße zusammen.
Stille.
"Cut! Die ist im Kasten!"
Er blieb liegen, nun lachend. Es war keine gute Idee, auf der Hand zu landen. Wirklich nicht. Wenigstens war diese verdammte Szene nach dem vierten Versuch endlich im Kasten.
"Alles klar bei dir?" Bill, sein Verfolger - und Mörder - war herübergekommen und schaute lächelnd auf ihn herunter.
Er nickte, wischte sich das Kunstblut aus dem Gesicht und stand auf. "Klar, du Arsch."
Bill lachte und schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter. "Lass deine Agression in der Rolle, Idiot."
Er grinste. "Wie denn? Falls du es vergessen haben solltest: Ich bin tot. Tote haben keine Agression mehr. Deswegen bist du jetzt dran!" Er erwiderte den Schlag und brachte sich mit einem Schritt seitwärts schnell in Sicherheit. Bill schüttelte nur den Kopf.
Noch immer lachend gingen sie hinüber zu ihren Wohnwagen, um die kurze Drehpause zu genießen.

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