[52/52-Challenge] Laut, dreckig, grau.

Donnerstag, 26. März 2015 | Kommentieren
Hey ihr Lieben!
Bei der heutigen Szene weiß ich noch nicht so wirklich, was es eigentlich sein soll. Es war als Kurzgeschichte geplant, aber eine wirkliche Geschichte ist es nicht. Mehr ein Alltagsausschnitt und doch auch wieder nicht so richtig.
Na ja.
Ich hoffe, ihr macht euch euer eigenes Bild davon. Vielleicht wollt ihr es auch mit mir teilen? ;)

Stichwort: Gegenwart
Wörter: 649

Laut, dreckig, grau.
Laut, dreckig, grau.
Drei Worte, die eine Welt, eine Gesellschaft, beschreiben. Versteckt in kleinen Ecken - die Ausnahmen. Oftmals zu versteckt. Oftmals mit zu großer Angst, von anderen als Ausnahme erkannt zu werden.
Manchmal sind auch sie nur eine andere Nuance von Grau.
Meine Blicke schweifen, sehen eine Welt, die ihre Augen verschließt. Vor dem, was ist. Vor dem, was sein könnte. Vor all ihren Möglichkeiten, ihren Chancen.
Eine Welt, die nach vorn blickt, in die ferne Zukunft, statt zu schauen, was ihnen vor den gegenwärtigen Füßen liegt.Eine Welt, die umherhetzt, statt einmal stehenzubleiben und durchzuatmen. Die sich anschreit, statt innerlich ruhiger zu werden. Die redet, grübelt, plant, statt einfach loszulegen und zu schauen, was herauskommt.
Eine Welt, die blind und taub sein will und doch vorgibt, alles zu wissen. Über den Dingen zu stehen. Die Wahrheit aller Wahrheiten zu kennen.
Ich bleibe seufzend stehen, gehe unter im stetigen Menschenstrom. Eine winzige Insel der Ruhe, des Innehaltens. Unbeachtet. Manchmal beschimpft. Einen fremden Ellenbogen in den Nieren, einen anderen im Rücken. Manchmal taumelnd, aber standhaft.
Um mich erheben sich bedrohliche Riesen aus grauem Beton und Glas, in dem sich noch mehr grauer Beton spiegelt. Sie versperren den Blick hinauf zum Himmel. Es ist hell, aber ob es tatsächlich Tag ist, kann ich nicht sagen. Auch nachts wird es nie dunkel. Die Lichter bleiben immer an, als gäbe es den natürlichen Wechsel von Hell und Dunkel nicht mehr. Früher konnte man bei Nacht hinauf sehen und Sterne entdecken. Heute nicht mehr. Selbst wenn die Gebäude nicht so hoch wären, dass sie sich über die Straße zu neigen scheinen, wäre es viel zu hell. Die Stadt schläft nicht. Niemals. In der Stadt wird es nicht mehr Nacht, so, wie es früher war.
Ich lasse mich weitertragen, vom Menschenstrom. Die Insel versinkt in beständiger Flut. Irgendwann werde ich an eine Bank gespült, in dem grünen Viereck, das man Park nennt. Ich halte mich fest, um nicht weiter fortgetragen zu werden. Die Insel entsteht von Neuem. Ich frage nicht mehr nach dem "Wie lange." Die Antwort ist zu enttäuschend.
Menschen strömen weiter an mir vorbei. Männer in grauen Anzügen, die Aktentasche in der einen, das piepsende Smartphone in der anderen Hand. Frauen mit Kindern, viel zu gehetzt. Jugendliche, die sich mit Alkohol und Zigaretten "cool" fühlen. Ist es "cool", sich hinter grauem Rauch vor der Realität zu verstecken? Vielleicht haben sie sich diese Taktik von den Erwachsenen abgeschaut. Wenn ich mir die Welt anschaue, scheint sie recht wirkungsvoll zu sein. Wer sich versteckt, braucht nicht grübeln. Braucht sich nicht mit dem Tagtäglichen zu befassen. Braucht nicht darüber nachzudenken, wie es sein könnte, wenn man aus der grauen Wolke springt.
Irgendwann ist Grau das neue Bunt. Es fängt schon an. Wer merkt es, hier in der Stadt? Die, die ganz oben in den Betonriesen leben und den Blick schweifen lassen können? Sehen sie mehr als die hier unten? Oder ist es doch nur eine andere Perspektive auf das Grau? Sind es keine grauen Riesen mehr, die sich hinaufstrecken, sondern ist es ein graues Meer, dass sich mehr und mehr ausbreitet? Erkennst du noch die Küste, den schwachen bunten Rand, oder wurde sie schon hinfort gespült?
Selbst wenn du sie sehen könntest, würdest du es tun? Oder wärst du blind, weil Grau längst dein Bunt geworden ist?
Wer denkt heute schon darüber nach?
Es ist doch alles längst normal.
Grau.

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