Rückblick und Neuanfang

Donnerstag, 1. Januar 2015 | Kommentieren
Ich sehe zurück, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einiges ist vorbei, anderes fängt gerade erst an und wieder anderes will ich einfach nur anhalten, festhalten, vielleicht auch rückgängig machen, damit es so wird wie früher.

Vor 365 Tagen machte ich mich hier, an dieser Stelle, auf, ein leeres Buch mit 365 weißen Seiten zu füllen. Heute stehe ich wieder hier, an eben derselben Stelle und doch gänzlich verändert, blicke zurück und denke, dass es doch an der Zeit ist, ein wenig in dem Buch zu blättern, das nicht länger leer ist.
Ein wenig zu lesen, zu schwelgen in Erinnerungen und zurückdenken an all das, was war.

Vor 365 Tagen war ich verirrt, verwirrt, planlos.
Da war dieses Ich, das sich verlaufen hatte im Dschungel der Zukunft, im Durcheinander der Chancen, nachdem das Abitur so super gelaufen war. Rast hatte ich gefunden in meinem FSJ im Museum, umgeben von tollen Kollegen, an die ich noch immer gern denke und die mir die Chance zu fast noch tolleren Erfahrungen gaben. Eigene Schülergruppen betreuen, sich mal in der (Finanz-)Verwaltung versuchen, ein ganz eigenes Projekt verwirklichen, die Luft der - ab und zu chaotischen - Öffentlichkeitsarbeit schnuppern.
Für drei Wochen unternahm ich eine Reise in eine andere Stadt, zu anderen Museen, zu anderen Kollegen. Das erste Mal ganz allein in fremder Umgebung und doch, nach den ersten harten Tagen, war ich zufrieden. Wollte am Ende nur ungern gehen.
Seminare, eigentlich lustig, wurden zeitweise zu Trauerspielen. Kurzzeitige Rückkehr ins geliebte Frankreich - Besuch in Lille. Geglaubte Freunde wandten sich ab, ließen Platz für neue Kontakte, die mir für diese Zeit Kraft gaben und es doch nicht in die Zukunft geschafft haben.

Über all dem die ständige Frage nach dem "Was dann?". Das größte Tief hatte ich noch im vergangenen Jahr, in 2013, zurückgelassen, doch seine Ausläufer waren stark, brachten mich zum Stolpern, zum Verzweifeln. Aufgestanden bin ich immer wieder.
Und mit Blick auf die wundervolle Zeit, die ich im Museum verbrachte, war da auf einmal der Wunsch, genau damit weiterzumachen. Museum, Öffentlichkeitsarbeit, Kulturvermittlung.
Kultur.
Mit einem Mal war da ein Plan, ein Ziel, wo vorher nur Leere gewesen war. Irgendwann mal gesammelte Infos ergaben plötzlich einen Sinn und nach nervenaufreibenden Bewerbungsverfahren waren da diese Zusagen - fünf Stück. Von fünf Bewerbungen.
So wirklich gewollt hatte ich immer nur an eine Hochschule. Und genau da kam ich ihn.

Schwerfallender Abschied von so lieb gewonnenen Kollegen, das Versprechen wiederzukommen. Lachendes Auge, weinendes Auge.
Eine Woche später schon in den neuen Lebensabschnitt gestolpert. Statt FSJ nun Studium. Wieder neue Kontakte, noch keine richtigen Freunde - ich bin vorsichtig geworden - aber nah dran auf jeden Fall.

Im Dezember eine eintägige Rückkehr ins Museum. Glücksgefühle, Freude. Begeisterung, endlich die Früchte meines eigenen Projektes in den Händen zu halten. So gesehen neben der kleinen Kurzgeschichte, die in einer Anthologie erscheint, meine erste richtige Veröffentlichung. Stolz,
Erneuter Abschied, nicht ganz so schmerzhaft wie beim letzten Mal, aber traurig machte es trotzdem.
Blick nach vorn. Nicht selten gezwungermaßen.

Und über all dem, für eine so lange Zeit des Jahres, die Familie. Ich habe viele neue Mitglieder meiner - plötzlich so großen - Familie kennengelernt, aber gleichzeitig ist da das Gefühl, dass alles auseinander brechen kann.
Wenn Familienmitglieder plötzlich nichts mehr miteinander zu tun haben wollen, ist das hart. Noch härter, wenn man mitten dazwischen steht und genau eines "versteht" - nämlich nichts.
Und noch viel härter, wenn eine besiegt geglaubte Krankheit wiederkehrt, wenn man nicht weiß, ob ein weiterer Sieg noch möglich ist. Wenn Hoffnungen enttäuscht werden und der Kampf allmählich aufgegeben scheint, auch wenn man nicht aufgeben will.
Wenn da die ständige Angst ist, jeder Besuch könnte der letzte sein...

365 Tage scheinen eine lange Zeit. Vorbei sind sie so schnell, wie ich kaum geglaubt habe.
Ich blättere durch die Seiten, bin mal traurig, mal glücklich, weiß nicht so recht, was ich denken soll und doch am Ende zufrieden mit dem vergangenen Jahr, denn es hat mir einen Weg gezeigt, wo vorher nur finstere Leere war.
Obwohl Menschen gekommen und noch schneller wieder gegangen sind, ist da die eine sehr gute Freundin geblieben. Und andere Freunde sind nicht weit, greifbar, auch wenn uns viele Kilometer trennen.

Nun sitze ich hier, sehe ein neues leeres Buch vor mir, streiche durch die Seiten und frage mich, was in 365 Tagen hierin alles zu finden sein wird.

Eine glückliche Familie vielleicht, in der die Bande von Neuem erstarkt sind und die - vor allem - nicht kleiner geworden ist?
Die Gewissheit, tatsächlich neue Freunde gefunden zu haben?
Liebe? Reisen? Erfahrungen?
Glück?
Geschichten aus der Feder, die noch vor wenigen Wochen geschlafen und nun endlich wieder erwacht ist?

Ich weiß es nicht. Es sind leere Seiten und wie vor 365 Tagen weiß ich nicht, womit sie gefüllt werden. Ich weiß nicht, wo mich die Zukunft hin trägt, was sie mit sich bringt und was sie ermöglicht.
Natürlich gibt es Pläne, Vorhaben, Hoffnungen, Träume.
Doch ich hab keine Ahnung, wie die Realität aussehen wird. Noch nicht.
Ab heute kann ich es herausfinden.

So vieles unklar und doch eines feststehend.
Ich bitte nur um eines und das innigst: Das es ein gutes Jahr 2015 wird.
Ein ereignisreiches, glückliches, nicht von Trauer überschattetes, spannendes Jahr 2015.
Mehr wünsche ich mir nicht.
Aber das ist wohl schon genug.

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