[Rezension] Catherine Banner: Das Lied von Malonia

Sonntag, 20. Juli 2014 | Kommentieren
476 Seiten | Taschenbuch | Penhaligon | Deutsch

Original: The Eyes Of A King
Übersetzer: Patricia Woitynek

Reihe:: Malonia #1

Erschienen:: 27. August 2008

ISBN: 978-3764530006
Preis: 18,95 €

[Nicht mehr beim Verlag bestellbar.]

Meine Meinung

Ein Leben kennt Höhen und Tiefen. Es gibt Zeiten, in denen man glaubt, alles verloren zu haben, und andere, in denen alles perfekt scheint. Das ist das Leben: Es kann nie gänzlich gut oder vollkommen schlecht sein.
Ein Buch erzählt meist nur einen Abschnitt eines Lebens und das Ende ist gut oder schlecht.
"Das Lied von Malonia" ist in diesem Punkt anders.
Prinzipiell ist es die Geschichte von Leonard "Leo" North, dem Großneffen des berühmten Erleuchteten Aldebaran. Mit seiner Großmutter und seinem kleinen Bruder Stirling lebt er in einer winzigen Wohnung. Die Brüder gehen auf eine Militärschule. Dort sollen sie zu Soldaten ausgebildet werden, um später für König Lucien, der in Malonia eine Diktatur errichtet hat, in den Krieg zu ziehen. Leo hasst diese Schule.
Eines Tages findet er ein schwarzes, in Leder gebundenes Buch. Die Seiten sind vollkommen leer, doch kurz darauf träumt er erstmals von dem sagenumwobenen Ort England und was er träumt, steht am nächsten Tag Wort für Wort in dem Buch.
Die längste Zeit begleitet man als Leser Leo und seine Versuche, sich in der Welt und seinem Leben zurechtzufinden. Obgleich er kleine magische Tricks beherrscht, wirkt er wie der normale Junge von nebenan. Er versucht, klar zu kommen, weiterzumachen, egal, was das Leben für ihn bereit hält. Es ist das Leben eines fünfzehnjährigen Jungen, dem der Alltag immer wieder zu entgleiten droht, denn das Leben ist niemals einfach.
Auf der anderen Seite erzählt das Buch von Aldebaran, Prinz Ryan und Anna, die ihr Leben in England führen. Verbannt aus Malonia warten sie auf ihre Rückkehr, doch allmählich beginnt Ryan, sein eigenes Leben in England zu führen und sich damit zu arrangieren und immer mehr stellt sich die Frage, ob er überhaupt eines Tages nach Malonia zurückkehren will...
Diese Geschichte begeisterte mich nicht, weil sie enorm spannend ist oder weil die Welt so gänzlich anders ist. Faszinierend war für mich vielmehr die Beschreibung des Lebens, das normal sein sollte, in seiner Art jedoch trotzdem anders ist. Die Darstellung ist eindringlich und offenbart ein Leben mit all seinen schönen und schmerzlichen Facetten innerhalb eines Landes, das von Krieg und Diktatur gebeutelt ist.
Die Welt an sich ist in ihren Grundzügen kaum anders als unsere. Nur die Geschichte dieses Reiches und seine Gegenwart sind gänzlich andere. So ist "Das Lied von Malonia" nicht nur eine Geschichte von Leo, Ryan und Aldebaran, sondern zeigt auch, wie fast gleiche Länder - England und Malonia - sich vollkommen unterschiedlich entwickeln konnten, nur weil die Menschen andere Entscheidungen trafen.
Das Buch selbst ist in längere und kürzere Abschnitte unterteilt. Viele aus der Ich-Perspektive von Leo, andere aus der Erzählerperspektive über Aldebaran, Anna und Ryan. Und dann gibt es noch solche, die kursiv geschrieben sind und wie eine Rückblende wirken. Ihre Bedeutung erfährt man erst am Ende, wenn die Geschichte mehr und mehr einen vollständigen Sinn ergibt und man begreift, wie Leo manche Dinge bereits im Voraus wissen konnte oder warum es diese unterschiedlichen Perspektiven gibt.
Das einzige, was ich nicht begriffen habe, ist der Titel der Geschichte, die nichts mit einem Lied zu tun hat. Sie könnte höchstens noch als Sage bezeichnet werden. Der Originaltitel "The Eyes of a King - Book 1" ergibt deutlich mehr Sinn und ich frage mich, warum dieser Titel nicht einfach - übersetzt? - übernommen wurde. Aber die Sache mit Titeln von Übersetzungen ist ja immer mal wieder ein Problem...

Fazit

"Das Lied von Malonia" begeistert mit einer Geschichte, die im Bereich Fantasy selten lebensnaher dargestellt wurde. Ich hätte mir etwas mehr Spannung gewünscht, aber dank des wirklich guten Schreibstils der Autorin gab es keinen Moment, in dem die Geschichte einfach nur dahin plätscherte.

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Klappentext

Ein skrupelloser Tyrann herrscht über Malonia, seit Prinz Ryan, der rechtmäßige Thronfolger, ins Exil fliehen musste. Längst haben die Menschen Malonias jede Hoffnung verloren, dass ihr Prinz je wieder zu ihnen zurückkehren wird. Bis der junge Leo North ein geheimnisvolles Buch entdeckt, das ihm verrät, wohin der Prinz verbannt wurde: an einen mythischen Ort namens England, der von Malonia durch ein magisches Tor getrennt ist...
Doch wird Prinz Ryan seinem Volk zu Hilfe eilen können - auch wenn er dafür die Frau verlassen muss, die er mehr liebt als das eigene Leben?

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