[Rezension] Jenny-Mai Nuyen: Nocturna - Die Nacht der gestohlenen Schatten

Freitag, 20. Juni 2014 | Kommentieren
544 Seiten | Taschenbuch | cbt | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

Erschienen: 21. Juni 2011

ISBN: 978-3570307519
Preis: 9,99 €

[Nicht mehr auf der Verlagsseite verfügbar.]

Inhalt

Sie stehlen den Menschen ihre Vergangenheit und schaffen daraus Bücher von magischer Schönheit. Die Dichter. Vampa und Tigwid sind zwei ihrer Opfer: Dem einen haben sie alles genommen, dem anderen seine schönsten Erinnerungen. Durch eine Prophezeiung trifft Tigwid die Motte Apolonia, die die Gabe hat, mit Tieren zu sprechen. Gemeinsam wollen sie Dichtern das Handwerk legen. Dabei ahnt Apolonia nicht, wie nah sie den Dichtern in Wahrheit ist...

Meine Meinung

Jenny-Mai Nuyen entführt die Leser in eine Welt, die im ersten Moment wie Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts erscheint. Verschiedene Stände in der Gesellschaft, die ersten Automobile auf den Straßen und statt Internet gibt es Zeitungen und Bücher. Es gibt nur einen entscheidenden Unterschied: Es gibt in dieser Welt Motten. Dabei meine ich nicht die nervigen Flattertiere, sondern Menschen mit besonderen Gaben, die einen am ehesten an Zauberer erinnern. Manche können mit Tieren sprechen, manche Gegenstände mit ihren Gedanken bewegen und wieder andere haben Visionen.
Die Geschichte dreht sich um Apolonia Spiegelgold, ebenfalls eine Motte, die bei ihrer Tante und ihrem Onkel lebt. Ihre Mutter ist gestorben, als sie eine Kind war, und ihr Vater ist verrückt, seitdem sein Buchladen abgebrannt ist. Apolonia wirkte auf mich zunächst wie eine verzogene, eingebildete Göre. Erst im Laufe der Geschichte merkte ich, dass sie ebenso liebenswürdig sein kann wie die anderen Charaktere, die man ebenfalls nach und nach besser kennenlernt.
Die Figuren sind allesamt sehr liebevoll gestaltet, mit Stärken und Schwächen, einer Vergangenheit, Träumen und Zielen. Selbst Randfiguren zeigen meist eine mehrschichtige Persönlichkeit, die man ihnen in manchen Fällen gar nicht zutraut.
Die Geschichte selbst nimmt schnell Fahrt auf und die Spannung wird dann auch durchgängig gehalten. Schnelle Wendungen, Intrigen und eine ganze Reihe gut durchdachter Lügengespinste können den Leser sehr schnell auf Irrwege führen. Leider funktioniert dieses Gespinst nicht hundertprozentig, denn man kann von vornherein erahnen, wessen Geschichte am Ende mehr der Wahrheit entspricht. Zwar wird man kurzzeitig irritiert, aber hundertprozentig kann man die letztendlich falsche Geschichte nicht glauben.
Sehr gut hat mir dagegen gefallen, dass etwa ab der Hälfte des Buches zwei Handlungsstränge bestehen: Einerseits geht es um Apolonia, andererseits um Tigwid. Ihre Gedanken sind dabei immer fehlerlos an den Wissensstand der jeweiligen Figur angepasst, auch wenn der Leser an manchen Stellen bereits mehr weiß.
Enttäuschend war für mich letztendlich nur der Epilog, der, ohne zu viel verraten zu wollen, wie eine schnelle Abhandlung wirkt. Mehrere Handlungsteile, die vorher kein Ende gefunden haben, werden auf kaum drei Seiten gelöst. Dazu zählen auch Konflikte, bsp. der Geisteszustand von Apolonias Vater, die am Ende einfach zu kurz kommen und zu schnell und nicht zufriedenstellend abgeschlossen werden.

Fazit

Jenny-Mai Nuyen gestaltet eine wundervolle Welt mit lebendigen Charakteren. Die Handlung kann in vielen Teilen mithalten, zeigt jedoch leichte Schwächen. Eine klare Leseempfehlung gibt es von mir jedoch trotzdem!

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Klappentext

"Es war alles schwarz. Dann schwebte etwas Rotes aus der Finsternis - ein Buch. Jemand tauchte seine Feder in ein Fläschchen voll dunkler, dicker Flüssigkeit. Er hörte das Kratzen der Feder auf dem Papier, spürte, wie es alles aus ihm herauslockte, seine Erinnerungen aufsaugte und einfing."

Sie rauben den Menschen ihre Vergangenheit, um daraus Bücher von magischer Schönheit zu schaffen - die Nocturna. Seit sie Tigwid, den Dieb, bestohlen haben, sucht er nach dem Mädchen, das mit Tieren spricht und auf Rache sinnt. Sie allein, so besagt eine Prophezeiung, kann die düstere Macht der Nocturna brechen.

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