[Rezension] Violet Mascarpone: Arnies Kosmos - Eine (ziemlich) unperfekte Gay-BDSM-Liebe

Freitag, 28. Februar 2014 | Kommentieren
Heute habe ich mal ein Buch für euch, dass ziemlich aus dem Rahmen meiner sonstigen Bücher fällt. Es ist mal nichts aus dem Bereich Fantasy oder Krimi/ Thriller. Es geht um Erotik, Homosexualität und BDSM. Themen, die man nicht unbedingt an jeder Ecke findet, wenn man nicht gezielt danach sucht und die doch heutzutage nicht mehr versteckt werden sollten.


476 Seiten | Kindle Ebook | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

Erschienen: 2014

ASIN: B00I9EF69Y
Preis: 5,99 €

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Inhalt

Arnie hat keine wirklichen Freunde, Schmutz und Unordnung sind ihm absolut zuwider und Sex hat er - wenn überhaupt - nur unter der Bettdecke mit ausgeschaltetem Licht. Er hat Schwierigkeiten mit seinem Selbstvertrauen und einige Ticks, die ihm das Leben nicht unbedingt erleichtern. Das ganze könnte schon reichen, aber hinzu kommt auch noch seine devot-masochistische Ader, die er bisher nur gedanklich ausleben konnte.
Seine Mutter verlangt von ihm auszuziehen und nach einigem Widerwillen sagt er schließlich zu. Er zieht in eine kleine Wohnung über einem alten Pornokino, die ihm Lui, der Besitzer, angeboten hat, nachdem die beiden sich erstmals in einer Selbsthilfegruppe für anonyme Glücksspieler getroffen haben, die Arnie besucht hat, obwohl er nie spielsüchtig war.
Noch ahnt Arnie nicht, was sich bald zwischen ihm und Lui entwickelt, denn Lui scheint ihm die Erfüllung seiner geheimsten Träume zu ermöglichen - allerdings deckt sich die Realität nicht unbedingt immer mit den Fantasien...

Meine Meinung

Es gibt Geschichten über Erotik, über Homosexualität, über BDSM und welche, in denen alle drei Themen zusammenkommen. In vielen von ihnen machen sich die Partner keine Gedanken darüber, warum sie etwas tun, ob es so richtig ist und ob es so auf Dauer funktionieren kann. Es funktioniert einfach. Schwächen werden ausgeblendet. In diesem Punkt unterscheidet sich "Arnies Kosmos".
Schwächen sind ein natürlicher Bestandteil des Lebens, sie sind normal. Nicht gemocht, aber trotzdem da. Sie gehören einfach dazu. Auch in einer fiktiven Geschichte, die alles andere als fiktiv erscheint...
Erzählt wird das Geschehen von Arnold, genannt Arnie, der alles aus der Ich-Perspektive heraus schildert. Er ist alles andere als der normale Durchschnittsprotagonist. Er hat kein übermäßig großes Selbstbewusstsein, kein ernstzunehmendes Sozialleben, keinen spannenden Beruf und mit Beziehungen hat er auch nicht sonderlich viel Erfahrung. Er hat Ängste und Hemmungen, auf die man im ersten Moment nicht kommen würde, und seine Gedanken verlaufen gern mal in Bahnen, die mich zum schmunzeln brachten, denn trotz der vielen Ecken und Kanten ist Arnie ein sehr liebenswürdiger Charakter, der mir von vornherein sympathisch war. Er ist eben nicht so normal, wie viele andere. In seiner Geschichte heißt es nicht "Aus Durchschnitt wird was Besonderes". Er fängt schon bei dem Besonderen an, was mal eine gute Abwechslung ist.
Der zweite Hauptcharakter, Lui, steht Arnie in nichts nach. Zunächst mag er wie Arnies komplettes Gegenteil erscheinen. Wo Arnie devot ist, ist Lui dominant. Während Arnies Verhalten von Unsicherheit und Zurückhaltung geprägt ist, zeigt Lui sich selbstbewusst und stark. Allerdings kann sich auch hinter glänzenden Fassaden Schutt verbergen. So ist Lui nicht der perfekte Partner, als der er im ersten Moment erscheint. Er hat ebenso seine Ecken und Kanten, hat seine Schwierigkeiten und Ängste, mit denen er zurechtkommen muss.
"Arnies Kosmos" ist keine Geschichte von einer perfekten Beziehung - egal, ob sie in Richtung rosarote Traumwelt oder BDSM verläuft - sondern von der Realität, die vieles sein kann, aber nicht perfekt, auch wenn manche Augenblicke das ganz gern mal vortäuschen.
Die Geschichte ist gespickt mit Höhen und Tiefen, mit Liebe und Freude, aber auch mit Enttäuschung und Trauer. Sie spiegelt keine perfektionierte Fantasiewelt wider, sondern zeigt einen Ausschnitt aus einem Leben, das es irgendwann in der Zukunft geben kann.
Warum erst in der Zukunft und nicht heute schon? Ja, gut, prinzipiell könnte sich diese Geschichte auch schon heute irgendwo abspielen, wenn da nicht diese kleinen Feinheiten wären. Arnie spricht von verschiedenen - insbesondere technischen - Entwicklungen, die jedoch so faszinierend sind, dass wir uns das heutzutage noch nicht vorstellen können und er deswegen nichts weiter verrät, denn es würde uns nur verwirren. Zugegeben, das nenne ich mal "witzigen Einfall." In den meisten Geschichten, die in der Zukunft spielen, werden die Neuerungen vorgestellt und beschrieben - nicht hier. Ich war zwar kurzzeitig neugierig, was das für Entwicklungen sein sollen, aber letztendlich blieb mein Fokus auf der Geschichte. Guter Schachzug der Autorin, denn nicht der Fortschritt, sondern die Beziehung zwischen Arnie und Lui ist hier von Bedeutung. Eine Beziehung, eine intensive Liebesgeschichte, die von der Autorin äußerst feinfühlig geschildert wird. Sie ist das rote Band, das sich durch die gesamte Handlung zieht. Ein Band, das mal stärker, mal schwächer und manchmal sogar zerrissen erscheint. Ob es wieder geflickt werden kann?
Das müsst ihr schon selbst lesen...

Fazit

Mit Spannung, Erotik und einer ordentlichen Portion Humor liefert Violet Mascarpone mit "Arnies Kosmos" eine Geschichte, die durch faszinierende, lebendige Charaktere und eine abwechslungsreiche Handlung überzeugt.

bewertung_5_pergamentfalter


Übrigens: Wer die Handlung mag, aber doch eher heterosexuelle Protagonisten bevorzugt - unter dem Titel "Schmerzherz" gibt es die Geschichte auch mit Gretchen statt Arnie in der Hauptrolle!

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