[Rezension] Rachel Ward: Drowning - Tödliches Element

Sonntag, 15. Dezember 2013 | Kommentieren
Dieses Exemplar habe ich durch die Buchbotschafter von hierschreibenwir.de vom Carlsen-Verlag bekommen. Vielen Dank dafür!


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Rezensionsexemplar
Rachel Ward: Drowning - Tödliches Element

336 Seiten | Taschenbuch | Carlsen | Deutsch

Original: The Drowning
Übersetzer: Uwe-Michael Gutzschhahn
Reihe: Einzelband

Erschienen: 22. November 2013

ISBN: 978-3551520524
Preis: 14,99 € 

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Autoren-Info

Rachel Ward, geboren 1964, ist eine britische Autorin. Anders als ein Großteil anderer Schriftsteller begann sie mit dem Schreiben erst im Alter von vierzig Jahren. Ihr international vielfach ausgezeichnetes Debüt "Numbers - Den Tod im Blick" wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 nominiert. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Kindern lebt sie heute in Barth, England.

Klappentext

Einen Meter neben mir sehe ich ein Gesicht. Die Haare kleben in glänzenden Strähnen an der Stirn. Schmale Lippen, leicht geöffnet, ein Wasserrinnsal läuft heraus. Bleiche Haut, von Schlamm überzogen. Augen geschlossen.

Wasser ist der Ursprung alles Lebens, sagt man.
Für Carl ist es nur eins: tödlich!

Inhalt

Carl erwacht vollkommen durchnässt an einem See. Neben ihm die Leiche eines Jungen, der ihm erschreckend ähnlich sieht. Es ist Rob, Carls Bruder, der an diesem Tag in dem See ertrunken ist. Ein schrecklicher Unfall, oder?
Carl kann es nicht sagen. Ihm fehlt jegliche Erinnerung: An den Unfall, die Zeit davor, an seine Vergangenheit.
Als er Neisha wieder sieht, die bei dem Unfall ebenfalls anwesend war, hat sie panische Angst vor ihm.
Carl versteht nicht, warum, aber mit jeder Stunde, die verstreicht, mit jedem erneuten Kontakt mit Wasser begreift er allmählich: Er muss herausfinden, was an jenem Tag am See geschah, bevor vollendet werden kann, was dort begann.

Meine Meinung

Die Geschichte wird aus der Sicht von Carl erzählt, der zunächst keine Erinnerung an sein Leben hat.

"Die Blumen sind für meinen Bruder, der ertrunken ist. Das hat man mir wieder und wieder erzählt, aber es ist nur eine Geschichte für mich."
Seite 19
Nur ganz langsam kehren Erinnerungen zurück, die nicht selten für ihn keinen Sinn ergeben und ihn zu falschen Rückschlüssen verleiten.
Ist er möglicherweise Schuld am Tod seines Bruders? Hat er ihn umgebracht? Das würde zumindest erklären, warum Neisha, Robs Freundin, plötzlich solche Angst vor ihm hat.
Als wäre das nicht genug, hört er seinen Bruder, wann immer er in Kontakt mit Wasser gerät. Beim Waschen, im Regen, allein die feuchte Luft in seinem Zimmer reicht aus. Bald schon hört er ihn nicht nur, sondern sieht ihn sogar. Wird er verrückt? Ist er es vielleicht schon? Warum geht es nur ihm so? Warum können Neisha und seine Mutter Rob nicht sehen, wie er ihn sieht?
Rachel Ward entführt den Leser in ein rasantes Katz-und-Maus-Spiel auf der Suche nach der Wahrheit. Wann immer man glaubt, endlich eine Lösung gefunden zu haben, entgleitet sie einem wieder, weil Carl etwas Neues über seine Vergangenheit in Erfahrung gebracht hat.
Die Hauptfiguren dieser Geschichte haben mir sehr gut gefallen, da sie ziemlich lebendig gestaltet wurden.
Als erstes ist da natürlich Carl, den man bei seiner Suche begleitet. Seine Verzweiflung und Angst - vor Rob und der Wahrheit - und gleichzeitig die verstreuten kleinen Lichtblicke, in denen es ihm besser geht, sind so lebhaft gestaltet, dass sie fast schon greifbar wirken. Man kann seine Gefühle und Gedanken sehr gut nachvollziehen und mir war es dadurch möglich, die Geschichte wirklich durch seine Augen und nicht nur "von außen" zu betrachten.
Sein Bruder Rob taucht in unterschiedlichen Formen auf - einerseits in Carls Erinnerungen als großer Bruder, der nur selten wirklich nett zu Carl war, andererseits als rachsüchtiger Geist, der wie eine Leiche aus dem See aussieht und möglicherweise nur Carls Fantasie entspringt und doch für ihn vollkommen real erscheint.
Die dritte wichtige Person ist Neisha, Robs Freundin, zu der sich Carl hingezogen fühlt. In gewisser Weise sind sie und ihre Beziehungen zu den beiden Brüdern der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte. Dass es daher wichtig ist, sie lebendig darzustellen, dürfte, denke ich, klar sein. Leider blieb sie für mich um Vergleich zu Carl und Rob etwas blass. Zwar hatte auch sie ihre Stärken und Schwächen, Höhen und Tiefen, aber hundertprozentig überzeugen konnte sie mich leider nicht.
Womit wir dann auch bei der Kritik angekommen wären, die bei diesem Buch allerdings nicht sonderlich groß ausfällt. Ein kleines Manko ist für mich neben Neishas Darstellung nur noch das Cover gewesen. Im Vergleich zur Geschichte wirkt es langweilig. Man sieht zwar Wasser, das eine zentrale Rolle spielt, aber mehr auch nicht. Von der Spannung der Geschichte wird auf dem Cover nichts deutlich, obwohl das doch eigentlich schon ein Blickfang sein sollte und ein Cover nicht selten ausschlaggebend ist, sich ein Buch genauer anzusehen.

Fazit

Alles in allem ist "Drowning" ein spannendes Leseabenteuer, das ich guten Gewissens weiterempfehlen kann. Aufgrund der kleinen Schwächen reicht es jedoch nur für 4 Pergamentfalter.


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