[Adventskalender] 22. Türchen

Sonntag, 22. Dezember 2013 | Kommentieren
Mel hat ein Café direkt am Markt ausgesucht. Es ist klein mit mehreren lauschigen Sitzecken im hinteren Teil – kleine Tische mit Stühlen, die durch geschicktes Platzieren von großen Pflanzen und braunen Holztrennwänden von den anderen Plätzen getrennt wurden. Im vorderen Teil finden neben dem Tresen noch ein paar Tische Platz, die jedoch nicht voneinander getrennt sind.
Glücklicherweise ist es keines der Cafés, in denen Riley Schutz vor der Kälte gesucht hat. Die beiden Kellner werfen uns freundliche Blicke zu, einer grüßt, beide bleiben am Tresen stehen. Zielsicher führt Mel uns zu einer der kleinen Sitzecke. Sie und Riley lassen sich auf die Stühle sinken, ich bleibe neben einer Zimmerpalme stehen, die diesen Tisch vor seinem Nachbarn verbirgt. Einer der Kellner hat sich nun doch von dem Tresen gelöst und kommt zu den beiden. Mel bestellt einen Kaffee, Riley nach kurzem Zögern auch. Ich weiß nicht einmal, ob er überhaupt Kaffee trinkt. Seinem Blick, als der Kellner schon nach kurzer Zeit die beiden heißen Tassen bringt und vor ihnen abstellt, nach zu urteilen, weiß er es auch nicht so genau. Vielleicht hat er sich einfach nicht getraut, etwas anderes zu bestellen, wenn er schon auf Kosten anderer etwas bestellen soll.
Es wird ruhig, zwischen ihnen nur der Geruch von frischem Kaffee. Mel beobachtet Riley, Riley beobachtet seine Tasse Kaffee. Mel wartet, Riley auch.
Schließlich ist es Mel, die als erste seufzt und sich zurücklehnt. „Wie kommt's, dass du neuerdings nicht mit mehr deinen Leuten abhängst?“
Riley blinzelt, starrt sie einen Moment an. „Die können mich mal.“
Mel nickt, auch wenn sie vermutlich nicht den Grund für seine Abneigung die Clique versteht. Oder hat sie doch mitbekommen, was zwischen ihnen lief? Wieder schweigen sie. Mel nippt an ihrem Kaffee, Rileys kühlt weiter unbeachtet ab.
„Warum wolltest du mich unbedingt treffen?“, will Riley von ihr wissen.
Sie zuckt mit den Schultern. „Ich wollte dich schon länger mal kennenlernen. Du bist fast der einzige aus unserem Jahrgang, den ich fast gar nicht kenne. 'fand ich irgendwie blöd. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass du in letzter Zeit ziemlich viel allein bist.“
„Kann dir doch egal sein.“ Die Tür des Cafés öffnet sich, eine junge Frau kommt herein. Eine Windböe fegt herein, auf direktem Weg zu Riley. Ein windiger Schlag auf den Hinterkopf, angereichert mit einigen vereisten Schneekristallen, die in dem warmen Café schnell schmelzen. Riley sollte sich eindeutig besser benehmen, jetzt wo sich die beiden endlich einmal getroffen haben.
„Es ist mir aber nicht egal“, kontert Mel. 'Du bist mir nicht egal', sagen ihre Augen, aber Riley interessiert sich zu sehr für seine Tasse, um das zu verstehen. Er nimmt vorsichtig einen Schluck Kaffee und verzieht das Gesicht. Mel lacht. „Warum bestellst du dir einen, wenn du keinen Kaffee trinkst?“
„Ich war der Meinung, der schmeckt besser“, erwidert er, wird von Mels Lachen angesteckt und grinst ein wenig unsicher.
Es scheint, als wäre das sprichwörtliche Eis damit gebrochen. Ein Lächeln verbindet Menschen eben doch eher als Worte.
Nach ersten Startschwierigkeiten plaudern sie über die Schule, Mel über ihre Freunde, Riley über seine ehemaligen Freunde, Mel über ihre Eltern und ihren kleinen, nervigen Bruder, Riley schweigt. 
„Ich hab deine Eltern noch nie bei den Schulveranstaltungen gesehen“, bemerkt sie.
„Die interessieren sich nicht dafür“, gibt er vor.
„Ich dachte immer, Eltern interessieren sich für ihre Kinder, egal, was sie machen“, meint Mel. Früher habe ich das auch geglaubt, denke ich. Stumm stimmt Riley uns beiden zu.

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