[Rezension] Kate Kae Myers: Und weg bist du

Sonntag, 10. November 2013 | Kommentieren
Das Buch erhielt ich durch eine Ausschreibung bei den Buchbotschaftern. Lieben Dank an Carlsen und hierschreibenwir!


Rezensionsexemplar
Kate Kae Myers: Und weg bist du

400 Seiten | Taschenbuch [Ebook inklusive] | Carlsen | Deutsch

Original: The Vanishing Game
Übersetzer: Anja Malich
Reihe: Einzelband

Erschienen: 25. Oktober 2013

ISBN: 978-3551311832
Preis: 14,99 €

[Nicht mehr im Verlag bestellbar.]



Autoren-Info

Kate Kae Myers lebt gemeinsam mit ihrem Mann in Boise, Idaho. Die Übersetzerin für Gebärdensprache arbeitet mit Gehörlosen an einer öffentlichen High School, wo sie weiterhin den Club für Kreatives Schreiben leitet. "Und weg bist du" ist ihr Debüt.
» Webseite der Autorin

Klappentext

Was ich sicher über Seal House wusste, war, dass die Kinder, die hier lebten, den Haupteingang nur zwei Mal benutzten - ein Mal, wenn sie kamen, und ein Mal, wenn sie gingen.
Unfassbar: Jocey (17) erhält einen Brief von ihrem Zwillingsbruder – dabei kam Jack bei einem Unfall ums Leben! Hat er seinen Tod nur vorgetäuscht? Versteckte Hinweise im Brief führen Jocey in das verlassene Haus ihrer Pflegemutter, wo die Zwillinge einst Unaussprechliches durchlebten. Und zu Noah, einem Freund von damals. Aber was haben die Schrecken der Vergangenheit mit Jacks Verschwinden zu tun? Welche Rolle spielt Noah? Und wer sind die Leute, die plötzlich hinter ihm und Jocey her sind?

Inhalt

Vor drei Wochen kam ihr Zwillingsbruder Jack bei einem Autounfall ums Leben. Seitdem kämpft die siebzehnjährige Jocey mit ihrer Trauer. 
Als sie eines Tages einen Brief von ihrem tot geglaubten Bruder erhält, schöpft sie neue Hoffnung. Hat Jack seinen Tod nur vorgetäuscht? Musste er untertauchen? Was ist passiert?
Ihre Suche führt sie nach Seale House in Watertown, wo sie einst mit Jack und anderen Pflegekindern gemeinsam leben musste, und zu Noah, einem Pflegekind von damals und Jacks bestem Freund. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Jack, der den beiden immer neue Hinweise zukommen lässt, durch die sie nach und nach immer mehr Geheimnisse aufdecken und sich mit einer Vergangenheit auseinandersetzen müssen, die sie eigentlich vergessen wollten.
Bald müssen die beiden erkennen, dass nicht nur sie auf der Jagd nach Jack sind.

Meine Meinung

"Und weg bist du" beginnt voller Spannung. Jocey kommt von der Schule zurück, ihre Pflegemutter informiert sie über einen Brief, der für sie ankam. Das Unfassbare: Der Brief stammt von Jason Dezember, einem Pseudonym, das Jack in ihrer Kindheit geschaffen hatte und das nur er, Jocey und Noah, ein Freund von damals, kennen. Sofort ist klar: Sie muss Noah finden. Möglicherweise weiß er mehr und kann ihr helfen herauszufinden, was mit Jack geschehen ist.
So beginnt eine abenteuerliche Reise; eine Schnitzeljagd von Watertown, USA, nach Kanada und wieder zurück. Immer wieder finden sie neue Hinweise von Jason Dezember, die ihnen den Weg weisen. So kommen sie nicht nur an Orte, die sie für immer meiden wollten, sondern begegnen auch alten, mehr oder weniger geliebten, Bekannten ihrer Vergangenheit und erfahren Geheimnisse, die möglicherweise nie bekannt werden sollten.
Die unterschiedlichen Rätsel - angefangen bei Anagrammen über eine Art Geheimschrift bis hin zu Andeutungen, die auf ganz andere Zusammenhänge verweisen - sind spannend und abwechslungsreich dargestellt und bringen nicht nur die Geschichte in der Gegenwart voran, sondern lösen auch immer wieder Rückblicke aus, die Teile der Vergangenheit beleuchten. So erfährt der Leser schrittweise, was damals in Seale House geschah.
Zusätzliches Tempo erhält die Geschichte, als sich die ISI, Jacks und Noahs früherer Arbeitgeber, und ein ehemaliger ISI-Mitarbeiter einschalten, die etwas suchen, was Jack angeblich besaß. Ist dieses Etwas das Ziel des Rätsels? Was kann so wertvoll sein, dass es sich dafür sogar lohnt zu töten?
Noah und Jocey dürfen keine Zeit verlieren, auch wenn sie von Zweifeln nicht verschont bleiben. Lebt Jack tatsächlich noch? Was, wenn das alles nur ein Trick ist? Was, wenn er stirbt, während sie versuchen, seine Rätsel zu lösen? Was, wenn sie sie nicht lösen können?
Durch derlei Zweifel und weitere Schwächen, die oftmals aus ihrer Vergangenheit resultieren, erhalten insbesondere Jocey und Noah als Charaktere eine angenehme Tiefe, die sie zu interessanten Persönlichkeiten werden lässt. Leider gilt das nicht für die sich langsam verstärkende Beziehung zwischen den beiden Protagonisten. Während anfangs noch Zwist und Abneigung zwischen den beiden stand, soll sich binnen der Geschichte eine Romanze entwickeln, die nicht überzeugen konnte. Sie wirkt aufgesetzt und scheint kaum Tiefe zu besitzen.
Ähnliches gilt für die Joceys Gedanken- und Gefühlswelt. Auch wenn sie als Charakter sehr gut dargestellt ist, erschienen die Gefühle aufgesetzt und teils konnte ich sie kaum nachvollziehen. Da die Geschichte aus ihrer Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben wurde, erwartete ich eigentlich viele Gedanken, die Joceys Erleben und Verhalten erklären. Jedoch bestand ein Großteil der Geschichte aus Dialogen und Handlungen. Die Gedanken kamen bei weitem zu kurz.
Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Autorin versucht hat, zu viel Inhalt auf zu wenige Seiten zu pressen. Einerseits sollte es ein Thriller voller Spannung sein, andererseits sollte sich eine Liebesbeziehung entwickeln. Gleichzeitig sollten die Charaktere noch real erscheinen und die Umgebung sollte natürlich auch gut dargestellt werden. Und was wäre ein Buch ohne eine schlüssige Geschichte? Und der richtige Umgang mit der schweren Vergangenheit der Pflegekinder sollte auch noch gewahrt werden...
Nach einem starken Beginn wurde deutlich, dass alles sehr schnell beschrieben wird. Viele Zeitsprünge und oberflächliche Dialoge und Gefühle reihten sich aneinander und verhinderten, dass ich mich richtig in die Figuren einfühlen und die Geschichte mit ihnen erleben konnte. 
Insbesondere das Ende war dann nochmal sehr schwach und in Teilen unrealistisch dargestellt. Auf der einen Seite bot es zwar noch einmal eine überraschende Wendung, die mir recht gut gefiel und wie es sie in "Und weg bist du" des Öfteren gibt, doch die Erklärungen waren insgesamt nur dürftig dargestellt. Richtige Begründungen blieben auch da aus, wieder wurde die Gefühls- und Gedankenwelt vernachlässigt und einige Ungereimtheiten blieben offen.

Fazit

Gute Idee, die zu Anfang auf eine sehr gute Umsetzung hoffen ließ, aber dann leider schon nach kurzer Zeit schwächelte. Retten konnte sich die Geschichte letztendlich nur durch die Rätsel, die mir gut gefallen haben. Große Mängel traten in meinen Augen besonders bei den Charakteren und ihrer Beziehung zueinander auf. 
Alles in allem hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte auch mal in die Tiefe gegangen wäre und nicht nur oberflächlich geblieben ist. In Bezug auf Joceys Vergangenheit hat die Autorin das zwar versucht, doch abgesehen von den Rückblicken lief doch wieder alles auf immer wieder gleich scheinende Dialoge heraus, die einfach nur platt und unwirklich erschienen.
Daher reicht es hier nur für zwei Pergamentfalter.



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