Mit dem Schreiben beginnen... Und aus der Vergangenheit lernen...

Montag, 10. Juni 2013 | Kommentieren
Manche von euch werden jetzt vielleicht einen Posts über Tipps erwarten, wie man mit dem Schreiben beginnen sollte. Wenn ihr gern mal darüber hier etwas lesen möchtet, könnt ihr das selbstverständlich schreiben, aber heute soll es um etwas anderes gehen.
Ich habe schön des Öfteren Leseproben von meinem Texten in verschiedenen Portalen online gestellt und ganz oft liefen die Kommentare auf eine Aussage hinaus: "Das könnte ich nie!". Die wenigsten wollen mir dann glauben, dass das einfach nur Übung ist.
Aus diesem Grund möchte ich euch heute mal zeigen/ schreiben, wie bei mir damals alles angefangen hat - selbstverständlich auch mit Ausschnitten aus meinen ersten Werken, die ich bisher immer unter Verschluss gehalten habe.
Und nein, bevor das jetzt so rüber kommt, möchte ich sagen, dass ich mich nich für die tollste Schreiberi halte. Ganz bestimmt nicht. Mit den wenigsten von meinen Texten bin ich wirklich richtig zufrieden und ich kenne viele Autoren, die x Mal besser schreiben.
Mit diesem Post will ich einfach nur mal zeigen, wie viel allein durch Übung zu erreichen ist, weil ich glaube, dass davon einiges abhängt.


Angefangen hat alles mit Spielen, die ich mir mit einer Freundin zusammen ausgedacht habe. Als wir im Kindergarten waren und teilweise auch noch in der Grundschulzeit haben wir ganz gern so getan, als wären wir Tiere und haben uns dazu Geschichten ausgedacht, die wir nachgespielt haben, was immer richtig lustig war. Im Laufe der Zeit haben wir auch mal die gleiche Geschichte mehrere Tage lang gespielt und immer wieder fortgesetzt. Wir haben uns einfach das Wichtigste gemerkt, aufgeschrieben haben wir damals nichts.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch damit begonnen, mir allein Geschichten auszudenken - damals noch hauptsächlich mit Tieren und öfter mal mit recht verrücktem Inhalt. Aufgeschrieben habe ich die nie. Auch heute denke ich mir noch viele Geschichten aus, schreibe jedoch nur die wenigsten auf, weil es sonst einfach zu viel werden würde.
Meine erste schriftliche Geschichte entstand ab der zweiten Klasse. Damals habe ich mir vorgenommen, meiner damaligen Klassenlehrerin ein selbst geschriebenes Buch am Ende der vierten Klasse zu schenken. Dazu ist es nie gekommen, weil ich bereits Mitte/ Ende der dritten Klasse den ersten Teil meiner Geschichte doof fand und irgendwann hat mir dafür die Lust gefehlt und einige Blätter sind auch verloren gegangen ^^
Diese erste schriftliche Geschichte handelte von einem kleinen Tiger, der im Dschungel bei seiner Mutter lebt. Der Leser begleitet, wie er aufwächst und was er erlebt. Natürlich alles ein bisschen übertrieben und unrealistisch ;-) Damit ihr mal sehen könnt, dass ich auch 'klein' angefangen hab, hier mal ein Ausschnitt aus dieser Geschichte. Es ist ein Kapitel irgendwo mittendrin. Den Anfang konnte ich nicht finden. ^^'
Die Tigermutter
Als er am Ende des Waldes ankam sah er eine Tigermutti die auf einer Wiese lag. Er ging langsam. Kevin fragte die Tigermutti was eigentlich los war. Die Tigermutti sagte das sie ihr Baby verloren hat. Da sagte Kevin: "Ich habe ein Tigerbaby gefunden!" "Kannst du mir vielleicht mal das Tigerchen zeigen", fragte die Tigermutti. Da sprach Kevin: "Du kannst das kleine Tigerchen ruhig mal sehen." Als die Tigermutti das Tigerchen sah miaute sie laut und schrie: "Das ist mein Baby!"
Da freute sich die Tigermutti das sie ihr Baby wieder hat. Und auch Kevin freute sich, weil er es geschafft hate das Baby zu seiner Mutti zu bringen. Danach ging Kevin wieder zurück zu seiner Höhle um sich auszuruhen.
(Text folgt dem Original. Rechtschreib- und Orthographiefehler dieses Mal beabsichtigt.)

Wie ihr sehen könnt, war meine Sprache damals noch ziemlich einfach und von Kommata und Absätzen hab ich noch nicht viel gehalten ;-)

In meiner Grundschulzeit habe ich dann noch einige andere Tiergeschichten angefangen, die aber meistens irgendwann verloren gegangen sind. Aus dieser Zeit hab ich nur noch sehr wenig. Wahrscheinlich hab ich es damals entsorgt, als ich umgezogen bin... Übrig geblieben ist ansonsten nur noch eine weitere Geschichte über einen Jungen und ein Amulett, das von der Sprache jedoch nicht großartig anders ist als der Ausschnitt oben.

Ein wenig gesteigert habe ich mich dann in den ersten Jahren auf dem Gymnasium. In der fünften und sechsten Klasse habe ich mich noch immer mit Tiergeschichten beschäftigt, aber ich habe schon versucht, nicht mehr nur noch die bloße Handlung zu beschreiben.
Leons Abenteuer - Rettet den Wald!
Leon und Leif waren gerade in ihrer Höhle und schliefen. Doch plötzlich ertönte ein lautes knattern und knaken. Leon wachte auf und lief aus der Höhle auf die Plattform. Er sah in der Mitte des Waldes wo das Lager der Menschen war eine große Maschine die viele Bäume ausriß.

Er rannte schnell zurück in die Höhle und schrie immer wieder: "Leif! Leif! Leif los wach endlich auf! Leif! Leif der Wald wird zerstört! So wach doch endlich auf Leif!"
Da schlug Leif die Augen auf und fragte: "Was ist den los?" "Der Wald wird abgeholzt!" schrie Leon. Leif sprang wie von Hummeln gestochen auf und beide rannten auf die Plattform. "Da, siehst du! Ich hab dir doch gesagt der Wald wird abgeholzt!" brüllte Leon. "Ja, ich glaube dir ja", sagte Leif zugebend. Beide drehten sich so um, dass sie den Wald mit den vielen ungewöhnlichen lauten Geräuschen hinter sich ließ. [...]
(Text folgt dem Original. Rechtschreib- und Orthographiefehler dieses Mal beabsichtigt.)

Das war noch nicht so viel besser, Kommata kannte ich noch immer nicht wirklich und manche Formulierungen sind schon recht erheiternd.

In der kommenden Zeit hatte ich erst einmal eine mehr oder weniger konsequente Pause, in der ich mich mal kurzzeitig an Gedichten/ Liedern versucht habe, die nicht sonderlich gut geworden sind. Wirklich weiter an Geschichten geschrieben habe ich nicht. Ich hatte mal den einen oder anderen Traum, den ich angefangen habe, aufzuschreiben, aber da bin ich nicht dran geblieben. Auch wenn es witzig ist, dass ich normalerweise meine Träume vergesse, aber sobald ich diese kurzen Textanfänge lese, ist der ganze Traum wieder da ^^

Mit meinen Geschichten ging es dann in der achten/ neunten Klasse weiter, in der ich mich dann an erste Großprojekte gewagt habe. Während wir im Deutschunterricht etwas über Satzglieder, Kommata, Orthografie im Allgemeinen und Rechtschreibung gelernt haben, hat sich in etwa dieser Zeit auch der Schwerpunkt meiner Geschichten mehr und mehr verschoben: Von den Tiergeschichten habe ich mich zunehmend abgewendet und mich den Fantasygeschichten gewidmet.
In der neunten Klasse habe ich dann mit meinem Großprojekt "Hoffnungsträger" begonnen - auch nie fertiggestellt, wie viele meiner Projekte. Diese Geschichte ist die erste mit einer vollkommen eigenständigen Welt (inkl. Karte), mit eigenen Völkern, einer eigenen Zeitrechnung (s.M. = seit der Magie/ seit der ersten Magienutzung) einem Glossar, in dem ich die einzelnen Gebiete und Orte genauer beschrieben habe, und mit Steckbriefen der Charaktere.
Tendaro, 648 s.M.
Erste Sonnenstrahlen erhellten den finsteren Himmel über der carthonischen Hauptstadt und vertrieben die schwarzen Schatten aus den engen Gassen. Die ersten Menschen, zumeist Gelehrte und Jugendliche, eilten durch die Straßen, denn der Unterricht an der Völkerschule, der größten Schule der Vereinigten neun Stämme, sollte bald beginnen.
Auch Maron war an diesem Morgen bereits wach. Der sechzehnjährige Kunoy hatte sich fest vorgenommen, seine kleine Schwester Aira an ihrem ersten Lehrtag zur Völkerschule zu begleiten. Auf diesem Weg wollte er sich auch von seinen ehemaligen Lehrmeistern verabschieden, die ihn in den letzten acht Jahren ausgebildet hatten.
Als der Jugendliche in das Zimmer seiner Schwester kam, war alles still. Nur die tiefen, ruhigen Atemzüge des Mädchens war in dem kleinen Raum zu vernehmen. [...]

Ich denke, der Unterschied ist sehr deutlich. Mit fünfzehn Jahren habe ich es mir zum Ziel gemacht, genauer zu beschreiben. Und zwar nicht schlicht und sachlich, sondern bildhaft und manchmal sogar fast metaphorisch. In diesem Alter hat sich mein heutiger Schreibstil angefangen zu entwickeln. So manche Parallele zu meinem heutigen Stil lässt sich von dem Ausschnitt ziehen, denn seitdem hat sich mein Stil nicht mehr allzu stark verändert.

In der neunten und zehnten Klasse sind über einen längerem Zeitraum auch die Ideen zu meinem Roman "Der Zirkel" entstanden, den ich mittlerweile begonnen habe, auszuformulieren, nachdem er jahrelang im Schrank lag.

Seitdem hat sich kaum noch etwas verändert. Ich schreibe keine kurzen, sondern fast ausschließlich lange Geschichten im Fantasy-, Krimi- und SciFi-Bereich. Mein Stil ist noch ein wenig bildhafter geworden und ich schreibe recht gern über die Gedanken einer Person.
Ein sehr gutes Beispiel ist der Beginn meiner Geschichte "Vale".
In sanften Wellen wogte die unspürbare Flüssigkeit hin und her, obwohl nichts sie in Bewegung versetzt hatte. Eine gleichmäßige Wärme verteilte sich in ihr, umhüllte den unberührten Körper.

Ich glaubte, zu schweben, spürte nur die Schwerelosigkeit, obgleich ich eigentlich nichts fühlen konnte. Es gab keine Empfindungen. Keine Geräusche. Doch ich vermisste sie nicht. Ich wusste, irgendwo hinter diesem Nebel, der meine Gedanken verschleierte, waren mir viele Geräusche dieser Welt bekannt. Ich wusste, was es dort draußen gab. Ich strebte nach nichts. Keine Wünsche, die mich antrieben. Keine Ziele, die ich erreichen wollte.

Die Flüssigkeit bewegte meinen Körper. Möglicherweise könnte ich es auch selbst, doch ich sah keinen Grund dafür, mich selbstständig zu rühren. Das würde nur diese alles umfassende Schwerelosigkeit stören und meine Ruhe unterbrechen.

Meine Augen waren geschlossen. So lange ich denken konnte, hatte ich sie noch nie geöffnet, doch auch darin erkannte ich keinen Sinn. In meinen Erinnerungen sah ich Bilder dieser Welt – die unterschiedlichsten Gegenden, Gebäude, Menschen. Mehr wollte ich nicht. Doch auch wenn meine Augen geschlossen, blind, waren, sah ich doch eine Fülle an Farben – für die meisten besaß ich keine Namen. Sie umhüllten mich, gaben mir das Gefühl, in einer anderen Sphäre zu existieren. [...]

Damit sind wir im Hier und Jetzt angekommen. Den größten Stil-Sprung habe ich wohl von der sechsten zur neunten Klasse gemacht, jene Zeit, in der man auch in der Schule viel über die deutsche Sprache und Rechtschreibung lernt/ lernen sollte.
Zudem habe ich in dieser Zeit verstärkt Bücher gelesen, was meinen Stil sehr geprägt hat. Viele Autoren haben über Gedanken geschrieben und versucht, Gefühle und Gegebenheiten nicht einfach nur sachlich zu beschreiben, sondern sie zu umschreiben. Das hat meinen Stil bedeutend geprägt.

Ich hoffe, ihr habt durch diesen Post ein wenig verstehen können, dass wirklich - zumindest bei mir - vieles nur auf Üben und Lesen basiert. Selbstverständlich sind seit der 2. Klasse noch viele Geschichten entstanden, aber es würde zu weit führen, die hier alle aufzulisten.
Zum Schluss möchte ich noch ein paar Tipps auflisten, die ich aus meiner bisherigen Erfahrung ableiten kann.
  1. Übung macht den Meister!
    Was Lehrer gern von sich geben und in der Kunst schon längst ein Grundsatz geworden ist, stimmt tatsächlich. Nur wer regelmäßig übt und versucht, sich zu verbessern, kann lernen und seine Fähigkeiten ausbauen. Jeder hat mal klein angefangen, ärgert euch also nicht, wenn es am Anfang noch nicht so recht klappen will. Das wird mit der Zeit =)
  2. Akzeptiere deine Leser und besonders die Kritiker als Freunde, nicht als Feinde!
    Es mag zwar besonders zu Anfang schwer sein, mit der Kritik klarzukommen und wenn man mit dem Schreiben anfängt, ist es meist noch sehr viel Kritik, aber niemand will euch damit ärgern. Aus Fehlern lernt man bekanntlich, aber man kann sie oftmals nur bemerken, wenn andere einen darauf hinweisen. Viele Leser geben zudem Tipps und Hinweise, wie man es besser machen kann. Überlegt, was an diesen Tipps dran ist und ob sie euch weiterhelfen können.
  3. Versucht nicht, jemanden zu kopieren!
    Es bringt nichts zu versuchen, die Ideen oder den Stil eines anderen Autoren dauerhaft zu kopieren. Für den Anfang kann es für manche hilfreich sein, sich am Stil eines anderen zu orientieren, aber auf lange Sicht solltet ihr an eurem eigenen Stil feilen. Was gefällt euch am Stil eurer Lieblingsautoren? Weswegen findet ihr gerade diesen oder jenen Autoren toll? Was macht ihn oder sie zu etwas Besonderem? Vielleicht könnt ihr bestimmte Stilmerkmale dieses Autoren für euren eigenen Stil ganz oder teilweise übernehmen und daraus etwas ganz Eigenes machen.
  4. Lesen bildet nicht nur!
    Wer regelmäßig liest, lernt nebenbei unbewusst Regeln des Satzbaus, der Zeichensetzung und im Allgemeinen des Aufbaus einer Geschichte. Dadurch lernt ihr ganz grundlegende Sachen, die euch weiterhelfen werden, nicht nur bei der Entwicklung eines eigenen Stils.
  5. Passt im Deutschunterricht auf!
    Viele werden jetzt wahrscheinlich entnervt stöhnen, aber ich meine diesen Punkt trotzdem ernst. Aufpassen solltet ihr besonders, wenn es um Rechtschreibung und Orthographie geht, denn wenn ihr dieses Wissen erst einmal intus habt, vermeidet ihr lästige Fehler, auf die euch gute Leser/ Kritiker immer wieder hinweisen werden, und könnt euch besser auf Inhaltliches und Stilistisches konzentrieren.

Soweit zu den Tipps, die mir jetzt spontan einfallen. Vielleicht könnt ihr ja das eine oder andere übernehmen =)

Im Übrigen: Habt ihr Ideen für weitere Schreibtipps? Worüber würdet ihr gern mal was lesen?

Liebe Grüße,
Sarah

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