[Rezension] Kathrin Elfman: Camouflage - und dann kommt die Angst

Montag, 27. Mai 2013 | Kommentieren
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Bildquelle: Books on Demand
324 Seiten | Taschenbuch | Books on Demand | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

Erschienen: 31. Januar 2011

ISBN: 978-3842319899
Preis: 19,90 €

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Rezensionsexemplar

Inhalt

Leslie und Hannah sind Freundinnen, die sich nahezu blind verstehen. Trotzdem streiten sie sich und verkrachen sich - aus ganz banalen Gründen, die sie selbst kaum verstehen.
Währenddessen erfährt Leslie ein merkwürdiges Ereignis nach dem nächsten. Ereignisse, die sie manches Mal an sich zweifeln lassen. Sich bewegende Schatten, Farbspiele, die es nicht geben sollte, mysteriöse fliegende Käfer, deren Herkunft sich keiner erklären kann...
Mehrere Schicksale verweben sich binnen kurzer Zeit miteinander - ein Strudel aus Unerklärbarem, der letztendlich nur noch eine Frage zulässt: Was ist tatsächlich wahr?

Meine Meinung

Dieses Buch beginnt etwas holprig. Den Einstieg von Herausgeber Vito von Eichborn fand ich eher uninteressant. Danach wurde es ein wenig besser, blieb jedoch weitestgehend ohne Spannung. Es erscheint wie ein einfacher Großstadtroman. Von dem utopischen Thriller, der einem im Untertitel versprochen wurde, bemerkt man wenig. Eine langsame Besserung erfährt das Buch, als die ersten merkwürdigen Ereignisse auftreten. Ab diesem Punkt beginnen sich die Fäden langsam zu verweben und es kommt Spannung in das Buch, die sich zunehmend steigert.
"Camouflage" ist das erste Buch, bei dem ich meine Meinung am Ende noch einmal grundlegend ändern musste, denn die einzelnen inhaltlichen Fäden sind so gut miteinander verwoben, dass man von dem Ende vollkommen überrascht wird. Man rechnet einfach nicht damit. Ich dachte anschließend, ich könne durch genaueres Lesen bestimmter Stellen dieses Ende vorhersehen, aber nein: Kathrin Elfman gelingt es, eine Wendung zu gestalten, die man nicht im Geringsten erwartet. Vorher war ich enttäuscht gewesen, da ich mir von einem "utopischen Thriller" deutlich mehr erwartet hatte, aber mit dem Finale: Wow, nicht schlecht. Das kommt ganz dicht an meine Erwartungen heran, auch wenn ich mir im Rest des Buches mehr Spannung gewünscht hätte. Abgesehen von dem Finale ist es mir doch zu viel Großstadtroman.
Eine Aufwertung bekommt der Roman durch eine Art kleine Zwischenkapitel unter dem Titel "Zur selben Zeit". Es sind immer nur kleine Ausschnitte, die wie unvollständige Zitate aus Nachrichtensendungen und Zeitungen erscheinen und die ich lange Zeit nicht in den Kontext einordnen konnte. Auch das ist mir weitestgehend erst am Ende gelungen. Letztendlich muss ich sagen, dass ich diese Zwischenkapitel gut fand, denn sie haben das Trugbild eines schlichten Großstadtromans immer wieder durchbrochen und neues Interesse geweckt. Spätestens nach dem dritten "Zur selben Zeit" ging es mir persönlich zu, dass ich wissen wollte, wie es in derart gehäufter Form zu diesen meist sehr tragischen Ereignissen kommen kann.
In Bezug auf die Figuren konnte mich "Camouflage" nicht überzeugen. Trotz dargestellter Gedanken und unterschiedlichen Charakterzügen blieben die Figuren in meinen Augen platt und durchaus etwas unsympathisch. Abgesehen von Sky, einer Praktikantin, und Kiki, Hannahs Schwester, bin ich mit den Figuren nicht wirklich warm geworden.

Sprachlich konnte dieses Buch wieder überzeugen. Die Formulierungen sind komplex, Wiederholungen bei Worten und Satzkonstruktionen gibt es kaum und wenn sie vorhanden sind, erscheinen sie wie stilistische Mittel. Diesbezüglich sind auch eine Reihe von Metaphern anzuführen, die die Sprache bereichern und lebhafter erscheinen lassen. Stellenweise war mir die Sprache jedoch etwas zu umgangssprachlich.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Gestaltung...
Das Cover finde ich in Ordnung. Irgendwie fasziniert mich diese Träne, da sie wirklich echt aussieht. Als ich sie das erste Mal wirklich bewusst wahrgenommen habe, dachte ich, auch meinem Buch sei ein Wassertropfen. Ansonsten finde ich das Cover eher langweilig. Zum Inhalt kann ich kaum einen Bezug herstellen.

Fazit

"Camouflage" bedeutet "Tarnung" und ist als Titel äußerst treffend. Wenn man dieses Buch einmal komplett durchgelesen hat, weiß man, wie viel man für Wahrheit und Wirklichkeit hielt und wie viel dennoch schlichte Tarnung war. Ein Trugbild. Die Frage, was nun wirklich real sei, bleibt auch nach dem Lesen bestehen und lässt einen nicht so schnell wieder los. In diesem Bezug hat Kathrin Elfman wirklich großartige Arbeit geleistet.
Leider gibt es dennoch deutliche Schwächen, so zum Beispiel die fehlende Spannung und schwach dargestellte Figuren. Ein Buch, das bereits im Untertitel als "utopischer Thriller" bezeichnet wird, sollte auch überwiegend als solcher erscheinen und nicht vorrangig ein "Großstadtroman" sein.

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Für dieses Rezensionsexemplar bedanke ich mich recht herzlich bei BoD!

Klappentext

"Die virtuellen Ebenen und die Alltagsereignisse verhaken sich Schritt für Schritt ineinander. Die Freundinnen verkrachen sich. Ihre beruflichen Positionen gehen kaputt. Banale Geschehnisse - essen, wohnen, autofahren - und unerklärliche äußere und innerliche Verschiebungen werden zum Thriller, der Leslie wie den Leser immer weiter in den Strudel des Unerklärbaren zieht."

Camouflage passiert. Wenn man es am wenigsten erwartet. Zum Beispiel in Ihren eigenen vier Wänden. Sie stehen nachts auf, das Licht bleibt aus. Sie kennen ja den Weg. Doch dann kommt die Angst. Denn im Dunkeln lauert etwas. Und manchmal berührt es Sie.

Es ist die zweite Realität, die Sie da spüren. Eine Welt, die sich meistens hinter dem versteckt, was wir für wirklich halten. Natürlich sprechen Sie nicht darüber. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Oder unplugged: Ein Würfel trifft ein Quadrat und erklärt ihm die Sache mit der dritten Dimension. Das Quadrat versteht - und hört auf zu existieren.

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