[Rezension] Markus Heitz: Oneiros - Tödlicher Fluch

Sonntag, 24. März 2013 | Kommentieren
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Bildquelle: Knaur TB
624 Seiten | Taschenbuch | Knaur TB | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

Erschienen: 2. Mai 2014

ISBN: 978-3-426-51044-5
Preis: 9,99 €

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Inhalt

Als in Paris ein Airbus mit voller Geschwindigkeit in ein Flughafenterminal rast, glauben die Behörden zunächst an einen schrecklichen Unfall, doch als sich herausstellt, dass die Menschen an Bord bereits vorher tot waren, verdichtet sich der Glaube an einen Terroranschlag. Ein einziger Mann überlebt den Unfall, wird jedoch wenig später ermordet in einem Hotelzimmer gefunden. Ein Racheakt der Terroristen?
Als es weitere Massenmorde ohne ersichtliche Todesursache in anderen Teilen der Welt gibt, sind die Behörden überzeugt: Terroristen, vermutlich bewaffnet mit einer Art Giftgas, treiben ihr Unwesen. Wie soll es auch anders sein? Wer würde jemandem glauben, der erzählt, dass der Tod kommt, wenn er einschläft? Der davon berichtet, wie Leute um ihn sterben, sobald er dem Schlaf verfällt? Niemand, meint ihr nicht auch? Und doch ist die Wahrheit manchmal das Unglaublichste und wird schnell als Lüge abgestempelt.
Bereits in Paris hat, unbemerkt von der Polizei, ein weiterer Mann überlebt. Doch der ist untergetaucht, auf der Flucht. Genau das macht ihn zur größten Gefahr, denn im Gegensatz zu anderen sogenannten Todesschläfern kann er nicht kontrollieren, wann er einschläft. Und mit jedem Schlaf wächst die Zahl der Toten...

Meine Meinung

Besonders positiv ist mir an diesem Buch die recht lebensnahe Darstellung aufgefallen, obgleich das Thema doch eher zum Fantastischen zählt. Man hat immer wieder das Gefühl, dass diese oder jene Situation gerade im Augenblick irgendwo auf der Welt passieren kann, weil es einfach so real geschrieben wurde. Markus Heitz hat mit genauen Ortsbeschreibungen, mit realen Orten und Straßennamen gearbeitet, sodass man leicht den Weg der Hauptfiguren verfolgen kann und so immer wieder dieses Gefühl vermittelt bekommt, dass man eigentlich nur zu diesem Ort müsste und dann mitten im Geschehen ist. Selbst wenn in dem Buch von Nachrichtensendungen geschrieben wurde, war mir kurzzeitig so, als müsste ich nur den Fernseher anschalten und schon würde ich von den Massenmorden, den "Terroranschlägen" hören und sehen.
Ebenso besticht die Geschichte durch zahlreiche unvorhersehbare Wendungen. Es war erstaunlich, in was für Richtungen sich die Geschichte entwickelt hat. Richtungen, die man teilweise nicht einmal ansatzweise selbst im Kopf hatte.
Sehr gefallen hat mir auch der kleine Einblick in die Arbeit der Thanatologen. Wann erfährt man schon mal etwas von der Aufbahrung von Toten und wie Leute arbeiten, die die Verstorbenen herrichten, selbst wenn sie einen Unfall hatten. Es war fantastisch, wie gut das dargestellt wurde. Ich glaube, für die ganzen Handlungen, die in diesem Zusammenhang beschrieben wurden, sind einige Nachforschungen nötig gewesen, denn ansonsten bezweifle ich, dass man das einfach so weiß.
Positiv werte ich auch die alten Grimm-Märchen über den Tod, die im Zusammenhang mit der Recherche eines Hauptcharakters eingebaut wurden. Es sind keine Märchen, die man schon kannte. Ich hab von denen zumindest noch nie gehört. Teilweise waren es sogar Märchen aus der Urfassung der Märchensammlung der Gebrüder Grimm. Neben den Märchen kann ich hier auch noch die Zitate von Oscar Wilde anführen, die einer der Charaktere stets bringt und damit nicht nur einmal die Situation oder die eigentlich legeren Gespräche lockert.
Ein wenig schade finde ich das offene Ende, was sehr viel Freiraum für Spekulationen lässt. Zwar ist so etwas sehr interessant, aber gerade bei dieser Geschichte hätte ich mich über ein festes Ende gefreut. Aber da Markus Heitz im Anhang meint, dass die Geschichte zwar eigentlich erzählt ist, aber dass es noch kein richtiges Ende ist, bleibt die Hoffnung auf einen weiteren Band und daher kann ich diesen kleinen Punkt gar nicht negativ werden. Eher neutral.
Die Sprache in "Oneiros" hat mir gut gefallen.
Markus Heitz gelingt es, ein sehr gutes Mittelmaß bei den Beschreibungen von Orten zu finden. Man kann sich die Plätze gut vorstellen und doch verliert er sich nicht in zu detaillierten Beschreibungen. Allerdings hätte es auch das eine oder andere Mal ein Detail mehr sein können, das war aber selten der Fall. Dazu sind die Kapitel auch immer wieder schön formuliert. Einzelne Satzkonstruktionen wiederholen sich nicht x Mal, sondern es wurde versucht, immer wieder neue Wege zu gehen und umzuformulieren, was den Text lockerer wirken lässt.
Ebenfalls gefallen hat mir die Darstellung der Akzente, wobei mir besonders Jesters englischer Akzent und Tommasos italienischer in Erinnerung geblieben sind. Man kann sich die beiden ziemlich gut mit ihren Akzenten vorstellen und so wird ihre Sprechweise schnell zu einem festen Persönlichkeitszug, der die beiden zu interessanten Charakteren macht.
In einem Buch, in dem durchaus auch die Thanatologie eine Rolle spielt und in der medizinische Experimente an Menschen durchgeführt werden, kann man sich schon denken, dass es dort auch einige Fachbegriffe geben wird. Zunächst habe ich auf einen Anhang mit Erklärungen gehofft. Als ich diesen nicht gefunden habe, war ich erst einmal etwas enttäuscht - allerdings nur bis zu dem Augenblick, in dem ich über die ersten Fachbegriffe gestolpert bin und festgestellt habe, dass es gar keinen Anhang braucht. Die meisten Begriffe klären sich ganz einfach im Kontext, andere werden im Text erklärt, ohne dass diese Erklärung den Lesefluss unterbricht. Man braucht sich auch keine Sorgen zu machen, dass man mal einen Begriff vergisst - die meisten werden auch später, meist dann nur noch durch den Kontext, erläutert.
Zunächst ist mir auch die Überschrift der einzelnen Kapitelabschnitte etwas negativ aufgefallen. Es ist stets angegeben, wo man sich genau befindet. Am Anfang habe ich mich da stark an eine Nachrichtensendung erinnert gefühlt. Das hat sich jedoch erstaunlich schnell gegeben und mittlerweile muss ich zugeben, dass ich diese Art der Überschriften in diesem Buch ziemlich gut finde. Sie waren hilfreich, zu wissen, wo sich die Charaktere aufhalten, auch wenn die unterschiedlichen Orte manchmal etwas verwirrend waren.
In Bezug auf die Figuren ist meine Meinung ein wenig gespalten.
Zunächst einmal wird man in "Oneiros" nicht von übermäßig vielen Charakteren erschlagen und doch sind es nicht zu wenige. Man kann sich die Figuren gut im Kopf behalten, ohne den Überblick zu verlieren. Wenn neue Personen auftauchen, werden ihnen nicht sofort Rollen in der Geschichte zugeteilt. Der Leser erfährt erst nach und nach etwas von der Person und ihrer Bedeutung für den Inhalt. So wird gut Spannung aufgebaut und man kann sich nicht gleich alles selbst zusammenreimen.
Leider ist es mir bei keinem Charakter gelungen, mich vollständig mit ihm zu identifizieren. Sie mögen real dargestellt worden sein und ich kann auch nicht mal sagen, warum die Identifizierung nicht geklappt hat, aber der Funke ist nicht übergesprungen. Das hätte ich mir des öfteren gewünscht. Dennoch war es gut möglich, den Gedankengängen und Gefühlen der Figuren zu folgen und ihre Handlungsgründe zu verstehen.
Noch kurz etwas zur Gestaltung...
Das Cover war eigentlich der Grund, aus dem ich mir das Buch genauer angesehen habe. Es ist düster und etwas geheimnisvoll gestaltet. Damit passt es schon mal ziemlich gut zu dem Buch selbst. Anfangs fand ich den Ring als Motiv etwas seltsam. Ich sah keinen Grund, ausgerechnet dieses Motiv zu wählen, aber der Grund dafür klärt sich im Laufe der Geschichte. Ich möchte ihn an dieser Stelle noch nicht verraten, damit ihr das selbst herausfinden könnt ;)
Sehr schön fand ich auch die Sprüche am Anfang jeden Kapitels. Von diversen Autoren, teilweise sogar von welchen aus dem Barockzeitalter, zum Thema Tod stehen passend zum Inhalt der Kapitel vor jedem und stimmen immer wieder schön auf das Thema ein.
Klasse fand ich auch den Anhang. Nicht nur, dass man dort die Rezepte zu den Getränken findet, die im Buch erwähnt werden, und sie so einfach nachmachen kann, angehängt wurde auch ein Interview betreffs der medizinischen Experimente, die in dem Buch eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielen.

Fazit

Ich denke, man erkennt es schon ganz gut an der vorhergehenden Rezension: Ich fand das Buch genial! Ganz ehrlich, ich war begeistert. Zwar mag es manche negative Punkte oder solche, die es vielleicht mal werden wollten, geben, doch auf der anderen Seite befindet sich so viel Positives, dass ich das Buch von meinem Geschmack her bedenkenlos weiterempfehlen kann. Es ist nicht nur toll für solche, die Fantasie mögen. Ich glaube, es wäre auch durchaus etwas für Fans von Krimis, Science-Fiction und durchaus auch Horror. Eigentlich kann ich das Buch allen empfehlen, die Spannung lieben.

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Klappentext

DER BESTATTER
Er gilt als einer der Besten seines Fachs, denn er kennt den Tod wie kein anderer.

DIE WISSENSCHAFTLERIN
Sie führt grausame Experimente durch, die nur ein Ziel haben: Den Tod zu betrügen.

DER MANN AUF DER FLUCHT
Er flieht vor sich selbst und seinen Fähigkeiten.
 Doch der Tod findet ihn überall.

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