[Rezension] Tanja Heitmann (Hg.): Frostzauber - Magische Liebesgeschichten

Samstag, 1. Dezember 2012 | Kommentieren
Bildquelle: Rowohlt
192 Seiten | Taschenbuch | Rowohlt | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband (Anthologie)

Erschienen: 1. Dezember 2012

ISBN: 978-3499216640
Preis: 8,99 €

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Rezensionsexemplar

Inhalt

Tanja Heitmann: Unter dem Frosthauch

Schon immer hat sich Mato in dem Haus seiner Großeltern im Spreewald heimischer gefühlt als in der Großstadt bei seinem Vater. Besonders liebt er den Winter - den hohen Schnee, die gefrorenen Fließe, den geheimnisvollen Wald. Als er eines Tages wieder einmal auf den Fließen spaziert, glaubt er plötzlich, ein Mädchen unter dem Eis gesehen zu haben. Doch kann das überhaupt möglich sein? Bei der Kälte hätte das Mädchen, wenn es real sein sollte, längst tot sein müssen, und doch war er sich sicher, dass es gelebt hatte. Was hatte ihm sein Großvater nochmal über das Eismädchen erzählt, das laut alten Sagen in den Fließen wandeln sollte?

Lilach Mer: Cirque Indigo

In Folge des Ersten Weltkrieges musste Marja fliehen, ihre Heimat hinter sich lassen und allein nach Frankreich, Paris, gehen. Geplagt von ihren Erinnerungen durchstreift sie die winterliche Nacht, unfähig, einen klaren Gedanken darüber zu fassen, was sie tun soll. Als sie aus ihrer Verzweiflung heraus kurz davor steht, sich zu ertränken, erscheint mit einem Mal ein junger Mann, der ihre eine Einladung überreicht, und ein blaues Licht weist ihr den Weg zur einem mysteriösen Zirkus, der von Grund auf anders ist als alles, was sie jemals kennengelernt hat.

Mechthild Gläser: Die gefrorene Zeit

Tom scheint wie jeder andere Mensch. Gäbe es nicht den Fakt, dass Hannah ihn schon seit ihrer Kindheit so kennt, wie er ist. Er hat sich nicht verändert. Er sieht immer gleich aus. Tom hat weder eine Vergangenheit, noch eine Zukunft. Er ist ein Gefangener der Zeit und nur ein einziges Mittel kann ihn retten. Die Tränen einer Liebenden in der Silvesternacht. Als der Winter kommt, weiht Tom Hannah in dieses Geheimnis ein. Doch ihn zu retten, würde bedeuten, ihn niemals wiederzusehen. Kann Hannah das zulassen? Ihren Geliebten retten und doch letztendlich auf diese Liebe verzichten?

Gesa Schwartz: Jenseits des Lichts

Als Thordis sieben Jahre alt ist, stirbt ihr Vater. Den Tod hat sie niemals vollständig verarbeiten können. Noch immer suchen sie Schatten und Schemen nachts in ihren Träumen auf und bescheren ihr Albträume. Als sie in einer Winternacht aufwacht, hört sie in der Ferne die Wölfe heulen. Von einem undefinierbaren Gefühl getrieben, verlässt sie das Haus und begibt sich hinaus in den dunklen Wald. Zwischen den Bäumen entdeckt sie einen Mann, der von einem Raben angegriffen wird. Ein Mann, dessen Körper kalt und doch nicht unangenehm ist, und der Thordis in eine Welt entführt, die sie nie zuvor kennengelernt hat.

Antonia Michaelis: Preußischblau

Er ist anders als die anderen. Er will nicht so sein wie alle, nicht das anstreben, was alle anstreben, nicht so leben, wie die anderen leben. Er bewohnt allein eine alte Hütte, fernab von anderen. Er bastelt Spiele, die er mit sich selbst spielt. Er ist einsam. Als er in der Nacht zum 24. Dezember eine einzige Sternschnuppe entdeckt, wünscht er sich, nur ein Mal geliebt zu werden. Am kommenden Tag hält er seinen Wunsch bereits wieder für verrückt und doch bereitet er alles vor, als würde er Besuch erwarten. Als dann plötzlich eine Feenfigur von einem seiner Spiele verschwindet und ein Mädchen auftaucht, dass behauptet, eine Fee gewesen zu sein, ist seine Verwirrung komplett und zeitgleich regen sich unbekannte Gefühle in ihm.

Jennifer Benkau: Das Lied des Eiswolfs

Lesla Frimdarr könnte ein normales Mädchen sein. In ihrem Heimatdorf gilt das Wirken von Eis als eine von Gott gegebene Gabe, die jedem zuteil wird. Mara, ihre kleine Schwester, ist eine Meisterin darin, obwohl sie noch sehr jung ist. Doch Lesla ist eine Ausgestoßene, von Eis bekommt sie lediglich kalte Hände. Enttäuscht von sich selbst, von den Reaktionen der anderen und ein wenig neidisch auf ihre Schwester flüchtete sie in das Haus ihrer Verwandten. Als sie am nächsten Tag nach Hause möchte, steht sie plötzlich einem Eiswolf gegenüber, jener Bestie, die als die gefährlichste überhaupt gilt.

Meine Meinung

Tanja Heitmann: Unter dem Frosthauch

Schon zu Anfang hat mir sehr gut gefallen, dass man nicht weiß, wer "sie" ist und sich das erst nach und nach aufklärt. Zudem mochte ich den Einbau alter Sagen sehr. Das hat der ganzen Geschichte einen sehr realen Anschein gegeben.
Ich fand es etwas irritierend, dass Mato, nachdem er den Schnaps getrunken hat, kaum betrunken wirkt. Ich gehe mal davon aus, dass man dann schon betrunken sein würde und das merkt man auch. Zumindest an den Gedanken. Das war jedoch fast nicht spürbar. Zudem fand ich es etwas verwirrend, dass Mato sofort davon ausgeht, sie spreche seine Sprache oder verstehe ihn zumindest. Bei Fremden kann man davon doch gar nicht einfach so ausgehen.
Bei dem Telefonat mit seinem Vater hat Albin für mich zu schnell Matos Entscheidung akzeptiert. Er wird in meinen Augen als entschlossene, fast schon starrköpfige Person dargestellt, deswegen ist es irgendwie unlogisch, dass er so schnell nachgibt. Zudem fand ich die sehr schnelle Entwicklung zum Ende hin enttäuschend. Die beiden haben sich so extrem schnell verliebt und überhaupt die ganze Entwicklung, nachdem Mato das erste Mal mit ihr gesprochen hat, ging mir zu schnell. Auch das Ende war mir zu abrupt. Ein abgerundeteres Ende wäre wohl schöner gewesen.
Die Sprache und der Ausdruck haben mir wirklich gut gefallen. Die Beschreibungen sind treffend und durch die bildhafte Sprache kann man sich die Orte sehr gut vorstellen.
Mato ist insgesamt sehr lebendig dargestellt, ihn könnte ich mir wirklich gut als reale Person vorstellen. Anders sieht es da bei Leira aus. Sie wirkte auf mich oftmals zu "platt". Auf eine Art, die ich nicht richtig beschreiben kann, fehlt mir bei ihr ein gewisser Charakter, der sie lebendig wirken lässt.

Lilach Mer: Cirque Indigo

Der Inhalt selbst hat mir fast vollständig sehr gut gefallen. Anfangs ist Marjas Hintergrund im Dunkeln, wodurch bei dem Leser die Frage aufgeworfen wird, was mit ihr geschehen ist und warum sie so fühlt, wie sie fühlt. Das wird erst nach und nach klar. Auch die Verknüpfung mit geschichtlichen Ereignissen fand ich sehr interessant.
Kleine Abstriche muss ich beim Ende machen. Das ist mir auch hier zu abrupt.
Sprache und Ausdruck konnten wieder auf ganzer Linie überzeugen. Die Gefühle und die Zirkusvorstellung sind durch eine Vielzahl von, teils metaphorischen, Beschreibungen und Umschreibungen dargestellt, die eine unheimliche Fülle an Wortmaterial aufweisen und es einem fast unmöglich machen, die Vielschichtigkeit ganz zu begreifen. Gerade das weckt besonders bei der Vorstellung einen ganz besonderen Reiz.
Marja als Hauptfigur ist sehr schön plastisch dargestellt. Sie kann ich mir auch in der Realität vorstellen. Sie ist eine gut dargestellte Figur, deren Charakter für die Kürze der Geschichte wirklich gut ausgearbeitet wurde.

Mechthild Gläser: Die gefrorene Zeit

Die Geschichte an sich hat mir gut gefallen. Toms Geschichte ist über die gesamte Erzählung verteilt, weswegen man nur langsam das Puzzle der Vergangenheit zusammensetzen kann. Dieses Mal überzeugt mich auch das Ende, das einen schönen Ausklang bietet.
Allerdings muss ich sagen, dass in meinen Augen die Bedingungen für die Zeitreise zu konstruiert wirken. Als hätte man mit großer Mühe ein paar Bedingungen so lange hin und her gebogen, bis sie irgendwie Sinn ergeben.
Die gesamte Geschichte ist sehr schön dargestellt und die Beschreibungen sind treffend. Allerdings hätte es teilweise noch bildlicher sein können. Zudem hätte ich es interessant gefunden, wenn die Gefühle noch deutlicher ausgearbeitet worden wären, möglicherweise auch durch eine bildliche, vielleicht sogar metaphorische Sprache.
Die Figuren konnten mich komplett überzeugen. Sie sind wirklich gut ausgearbeitet. Der anfängliche Schein, sie seien beide ganz normale Menschen und die Unklarheit über Toms wirkliches Sein geben der Geschichte von Anfang an eine gewisse Spannung. Zudem umgibt besonders Tom etwas Geheimnisvolles, was ihn interessant macht.

Gesa Schwartz: Jenseits des Lichts

Die Geschichte an sich finde ich gut, doch die Gespräche in der Höhle fand ich sehr unwirklich und konstruiert. Sie haben auf mich nicht wie ganz normale Gespräche gewirkt, sondern eher wie der Versuch, die Worte möglichst gut und gewählt klingen zu lassen. Dabei ist es jedoch in meinen Augen zu einem Zwiespalt besonders mit der Figur Thordis gekommen. Sie ist recht jung, die Worte erscheinen dagegen schon fast weise. Die würde ich noch am ehesten mit einem Uni-Professor verbinden.
Auch in dieser Geschichte überzeugen Sprache und Ausdruck. Die Beschreibungen und Gefühle sind treffend dargestellt. Zudem unterstreicht besonders in der zweiten Hälfte der Geschichte die phantastisch anmutende Sprache die Atmosphäre der Handlung.
Thordis hat auf mich wie ein reales Mädchen gewirkt. Sehr gut! Auch Vidar fand ich als Charakter sehr interessant. Seine geheimnisvolle Art hat mich irgendwie in ihren Bann gezogen.

Antonia Michaelis: Preußischblau

Der Inhalt war hier vollkommen überzeugend. Mir gefällt, wie die Einheit aller Menschen dargestellt wird. Es ist, glaube ich, heute wirklich so, dass so gut wie alle in den Industriestaaten einem bestimmten Ideal nacheifern. "Er" mit seiner Andersartigkeit wirkt da bereits aufgrund seiner Einstellung als etwas Besonderes. Hinzu kommen die manchmal im ersten Moment verwirrenden Fragen, die die geheimnisvolle Atmosphäre unterstreichen. Überhaupt hat die ganze Geschichte etwas Geheimnisvolles, Spannendes an sich.
Die Gedanken sind treffend dargestellt und helfen, nach und nach "ihn" zu verstehen. Die Sprache an sich unterstreicht in sehr guter Art und Weise die Merkwürdigkeit der ganzen Situation.
Auch wenn "er" keinen Namen hat, fand ich die Darstellung seiner Person sehr schön. Ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen und die Geschichte mit ihm erleben. So sollte es sein.

Jennifer Benkau: Das Lied des Eiswolfs

Bereits mit den ersten Sätzen ist man mitten in der Handlung. Die Geschichte fängt bereits spannend an, was dadurch verstärkt wird, dass man zunächst nicht so recht weiß, was ein Eiswolf ist. Allerdings büßt die Geschichte etwas Spannung ein. Die Handlung selbst empfand ich als zu schnell. Die ganzen Aktionen wirkten eher aneinander gereiht, als miteinander verbunden. Zudem fand ich den Fakt, dass Lesla quasi von ihrer eigenen Magie angegriffen wurde, zu konstruiert, als wäre krampfhaft nach einem halbwegs logischen Ende gesucht worden, das alles irgendwie erklären soll.
Die Sprache war zwar treffend, wirkte auf mich teilweise jedoch zu sachlich. Mir hat die genaue Darstellung von Gefühlen gefehlt, die einen jeden Charakter erst richtig lebendig erscheinen lässt. Natürlich wurden auch einige Gefühle dargestellt, doch die haben auf mich nicht überzeugend gewirkt.
Mir ist es nicht gelungen, mich mit Lesla zu identifizieren. Sie hat auf mich weder lebendig gewirkt, noch irgendwie wirklich sympathisch. Dadurch ist natürlich auch ein wenig die Spannung gesunken.

Allgemeines

Das Cover gefällt mir richtig gut. Es hat etwas Geheimnisvolles, was ich nicht richtig beschreiben kann, und passt zu der Atmosphäre, die, alle Geschichten zusammengenommen, von dem Buch ausgeht.
Sehr schön fand ich auch die Gestaltung der einzelnen Titel der Geschichten. Die verschlungene Schrift verdeutlicht eine gewisse Mystik.

Fazit

Vermutlich merkt man es schon an meinen Meinungen zu den einzelnen Geschichten. Ich liebe dieses Buch! Und das kann ich von nicht allzu vielen behaupten. Die Sprache ist meistens bildhaft, metaphorisch und selbst ohne den Inhalt zu betrachten, wirkt sie geheimnisvoll, mystisch, fantastisch. Die Figuren sind meist interessant und die Handlungen abwechslungsreich. Ich habe anfangs befürchtet, dass alle Geschichten in ihrem Kern gleich sind. Aber nichts dergleichen ist eingetreten. Keine Geschichte ist wie die andere. Jede ist anders und hat ihren ganz besonderen Reiz.
Ich kann es in jedem Fall empfehlen!
Sehr faszinierend fand ich auch, dass man in manchen Geschichten, wenn man sie genau liest, eine kleine Botschaft entdecken kann.

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Vielen Dank dem Rowohlt-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Klappentext

TANJA HEITMANN, ANTONIA MICHAELIS, GESA SCHWARTZ UND ANDERE AUTORINNEN VERZAUBERN UND VERFÜHREN MIT MAGISCHEN LIEBESGESCHICHTEN!

Eine Nymphe, die in einem zugefrorenen Fluss auf den Liebsten wartet, der sie befreit; ein junger Mann ohne Gestern und Morgen, der nur durch die Tränen einer Liebenden in der Silvesternacht von seinem tragischen Schicksal erlöst werden kann; eine Elfe, zart und zerbrechlich, die die Kraft der Ewigkeit in sich trägt - diese und viele weitere Geschichten laden ein zu einer spannenden Reise voll großer Gefühle!

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