[Rezension] Claudia Gabel: Dein Blut auf meinen Lippen

Samstag, 23. Juni 2012 | Kommentieren
240 Seiten | Taschenbuch | Rowohlt | Deutsch

Original: Romeo & Juliet & Vampires
Übersetzer: Edith Beleites

Reihe:: Einzelband

Erschienen:: 01.09.2011

ISBN: 978-3499257032
Preis: 8,99 €

[Nicht mehr im Verlag verfügbar]

Rezensionsexemplar

Inhalt

Seit Jahren herrscht eine erbitterte Feindschaft zwischen den Capulet, welche Vampire sind, und ihren Jägern, den Montagues. Nachdem der neue König Radu einen Friedensvertrag mit Lord Capulet geschlossen hat, erhofft man sich Frieden, doch die Ruhe kehrt nicht ein. Die größten Auseinandersetzungen bleiben zwar aus, doch die Feindschaft bleibt bestehen.
Die Capulets sollen sich aufgrund dieses Vertrages nur noch von Tierblut ernähren, was sie strikt ablehnen. Aus diesem Grund soll ihre eigene Tochter Julia, die kurz vor der Verwandlung zum Vampir steht, den Grafen Paris heiraten, der aufgrund seiner guten Beziehungen zum König den Vertrag abschwächen soll, damit die Vampire wieder offiziell Menschenblut trinken dürfen. Julia jedoch verweigert die Hochzeit. Nicht nur, weil sie sich von dem Grafen abgestoßen fühlt. In der Nacht ihrer ersten Begegnung trifft sie auch auf Romeo, der sich mit seinem Freund und seinem Vetter in das Anwesen der Capulets geschlichen hat. Zwischen den beiden ist es Liebe auf den ersten Blick, doch ihre Liebe darf nicht bekannt werden.
Zunächst versuchen die beiden, ihre Beziehung vor allen zu verheimlichen. Aber dann wird der Vertrag gebrochen, als zuerst ein Capulet einen Montague und schließlich ein Montague selbigen Capulet tötet, und Romeo und Julia sehen sich vor eine Prüfung gestellt, die ihre junge Liebe zerstören kann, bevor sie richtig begonnen hat...

Meine Meinung

Zunächst muss ich gestehen, dass ich das Original "Romeo und Julia" niemals gelesen oder vollständig im Original gesehen habe. Ich kenne lediglich die Geschichte.
Grundlegend muss gesagt werden, dass Claudia Gabel endlich einmal von der weit verbreiteten Einstellung, alle Vampire seien wunderschön, abweicht. So stellt sie durchaus Vampire mit Schönheitsfehlern oder sogar gänzlich hässliche Vampire dar.
Das Buch beginnt mit einem Prolog, der mich persönlich ein wenig an ein Märchen oder eine Sage erinnert hat. Gleich zu Anfang wird der Leser mit sehr vielen Beschreibungen bzw. Gegebenheiten konfrontiert, die zwar wichtig für die Geschichte sind, die man sich jedoch nicht alle merken kann. Viele Dinge musste ich noch einmal nachlesen oder habe sie dann erst im Laufe der Geschichte begriffen. Insgesamt erhält man am Anfang viel zu viele Informationen auf zu wenigen Seiten. Teilweise ist eine notwendige Information regelrecht an die nächste gereiht.
An den Prolog schließt sich dann das erste Kapitel aus Julias Sicht an. Es fängt mit der Beschreibung eines nahezu perfekten Körpers an, der in seiner Sprache und in dem Ausdruck sehr arrogant klingend. Verwirrend ist dann die Aussage "nicht eitel" am Ende dieser Beschreibung, die nahezu im Widerspruch zur vorherigen Beschreibung und ihrer Darstellung steht.
Des Weiteren tauchen besonders zu Anfang sehr viele Gefühle urplötzlich auf. So wird Julia anfangs mehrfach wütend. Man kann zwar in etwa folgern, weswegen, doch genau wird nicht dargelegt, wie sich das Gefühl nun entwickelte. Es baut sich nicht wie in der Realität auf, es ist mit einem Mal einfach da. Diese plötzliche und schnelle Entwicklung braucht man nicht nur auf die Gefühle zu beziehen. Sie lässt sich ebenso auf die gesamte Geschichte übertragen. Es geht alles viel zu schnell voran. Natürlich ist es im Original ebenso, aber es ist dennoch irritierend, dass aus dem Nichts heraus plötzlich Liebe vorhanden ist, dann sind sie schon fest zusammen und heiraten, nachdem sie sich noch nicht einmal eine Woche kennen etc. Die Entwicklung ist unrealistisch. Wäre sie wenigstens sprachlich besser herüber gebracht worden, z.B. in dem man Gefühle besser aufbaut, könnte die Entwicklung möglicherweise auch anders wirken.
Die Beschreibungen an sich von Orten und Zuständen sind wiederum oftmals gut gelungen. Ein paar gibt es, die ein wenig zu kurz oder lang sind, doch überwiegend sind sie ausreichend und man kann sich die Szene durchaus bildlich vorstellen.
Insgesamt ist der Satzbau allerdings oft eintönig. Mehrfach werden die gleichen Kombinationen von Subjekt, Prädikat und Objekten verwendet. Aus diesem Grund wirkt die einfache, teils auch umgangssprachliche Sprache auch noch langweilig. Allerdings muss man auch anmerken, dass es der Autorin ganz gut gelungen ist, die Sprache der damaligen Zeit zu imitieren, auch wenn sich selbst da die Formulierungen wiederholen.
Ich war recht überrascht, als die Schreibart dann zum Ende besser geworden ist. Die Sprache wird ein wenig komplexer und die Umgangssprache rückt in den Hintergrund. Das ist durchaus positiv zu werten. Die Sprache, die zum Ende hin vorherrscht, hätte ich mir jedoch das ganze Buch über gewünscht.

Fazit

Rein inhaltlich gesehen ist die Geschichte gar nicht mal übel, es wäre jedoch günstiger gewesen, sich von der Vorlage zu lösen und eine eigene Geschichte zu schreiben, denn in diesem Kontext wirken die bekannten Namen aus "Romeo und Julia" doch eher verwirrend. Zudem hätte man ohne diese inhaltlichen Vorgaben deutlich mehr aus dieser Idee herausarbeiten können.
Betrachtet man das Sprachliche, findet man teils recht große Defizite. Die Formulierungen könnten abwechlungsreicher und komplexer sein. So kann die manchmal aufkommende Langeweile beim Lesen verhindert werden.



Danke an den Rowohlt-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Klappentext

ES WAR DIE FLEDERMAUS UND NICHT DIE LERCHE.

Im fernen Transsilvanien kämpfen zwei Dynastien um die Macht: Die Capulets, sie sind Vampire, jagen die Montagues ihres kostbaren Blutes wegen. Im Gegenzug versuchen diese, sie auszurotten. Die Feindschaft der Sippen hat schon unzählige Opfer gefordert. Auch ein Pakt zwischen Lord Capulet und König Radu bringt nicht den erhofften Frieden.
Da geschieht etwas Unerhörtes: Die Tochter Lord Capulets, Julia, weigert sich, standesgemäß zu heiraten. Den Grund darf sie nicht nennen: Sie ist in Romeo verliebt. Einen Menschen …

Die berühmte Geschichte von Romeo & Julia mit Vampiren.

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